Gütersloh
Gesamtschule erhält eine Holzfassade

Gütersloh (din) - Die dritte Gesamtschule bekommt eine Fassade aus Lärchenholz. Sie wird in Anlehnung an den Passivhausstandard errichtet. Das haben CDU, SPD und Grüne im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Immobilienwesen beschlossen. Projektsteuerer Mathias Eisenmenger lüftete ein Geheimnis.

Donnerstag, 13.02.2020, 12:39 Uhr

Er beantwortete am Mittwoch die Frage, warum eine Holzfassade analog zum Passivhausstandard erst mit 3,72 Millionen Euro in den Vorlagen auftauchte und nun nur noch mit 2,39 Millionen Euro. So habe man die Kosten, die ein Anbieter für die Unterkonstruktion einer Aluminiumfassade mit 530 Euro je Quadratmeter angegeben habe (Eisenmenger: „Ein Wahnsinniger“), auch für die Holzfassade angesetzt. Tatsächlich dürfe eine Unterkonstruktion aber nur rund 250 Euro kosten. Daraus ergebe sich im Wesentlichen der Unterschied.

Eisenmenger riet, die Entscheidung für eine Holz- oder eine 150 000 Euro teurere Klinkerfassade nicht von den Kosten, sondern vom Erscheinungsbild und der Funktionalität abhängig zu machen. Und so geschah es dann auch.

Die SPD habe sich von der Frage leiten lassen, welches Material sich am besten für einen Schulbau eigne, sagte Dr. Susanne Kohlmeyer, die als Mitglied im Bildungsausschuss beratend teilnahm. Deshalb das „klare Votum für eine Holzfassade“.

Sie heizt sich laut Vorlage im Sommer weniger auf, wirkt im Winter dämmend und absorbiert Schall besser als Klinker.

„Zu diesem Ergebnis sind wir auch gekommen“, sagte Birgit Niemann-Hollatz (Grüne). Sie fragte indes, wo das Holz herkomme. Lärche sei eine nordische Holzart und werde in Schweden in Unmengen produziert, sagte Eisenmenger (der dort nach eigenem Bekunden einen zweiten Wohnsitz hat). Das Herkunftsland werde aber nicht in die Ausschreibung aufgenommen.

„Ich werde aus dem Umstand, dass Sie uns Holz aus Ihrem Land anbieten, keine Befangenheit ableiten“, sagte Heiner Kollmeyer (CDU) schmunzelnd. Auch seine Fraktion habe sich für Holz entschieden, weil keine Folgekosten entstünden. Ganz wichtig seien für die CDU auch die thermischen Eigenschaften und was sich auf dem Schulhof abspiele. Auf Klinker sei man nur gekommen, weil es geheißen habe, er sei deutlich billiger. Tatsächlich ist Klinker laut Eisenmenger „etwas teurer“.

Für Klinker sprachen sich die BfGT aus. Bei der Betrachtung der Folgekosten habe eine Holzfassade einige Nachteile, sagte Sylvia Mörs mit Blick auf „Graffiti, Zündeln und Ritzen“. Manfred Reese (Linke) vermisste die Farben der ursprünglich geplanten Keramikfassade. Die Architekten müssten nochmal prüfen, „wie man da Farbe reinbekommt“. Norbert Bohlmann (UWG) plädierte für Klinker. Damit habe man in Gütersloh seit Jahrhunderten gute Erfahrungen gemacht. Auch eine Klinkerfassade könne man mit Vor- und Rücksprüngen gliedern.

Was der Schulleiter sagt

Schulleiter Marcus Göcke hat am Mittwoch im Ausschuss davor gewarnt, das Kollegium und die Eltern mit der Kostendiskussion weiter zu verunsichern. Es seien Beschlüsse gefasst und öffentlich gemacht worden, die neue Gesamtschule zu einem Leuchtturmprojekt zu machen. Damit stehe man im Wort. „Jetzt muss man aufpassen, dass man nicht alles wieder über den Haufen wirft“, sagte der Schulleiter.

In der Diskussion gehe es immer nur um die Kosten. An der Schule gebe es schon mehr als 200 Kinder und 20 engagierte Kollegen. An den Beschlüssen müsse festgehalten werden, „damit man auch die Schule bekommt, die beschlossen worden ist“. So müssten etwa die räumlichen Bedingungen geschaffen werden, damit Inklusion auch gelingen könne.

Was die Fassade anbelangt: „Die Schule kristallisiert sich nicht nur in der Fassade“, sagte Göcke. Die Schule bestehe nicht nur aus der Hülle. Sie stehe und falle mit dem, was in der Schule geschehe.

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