Gütersloh
Diese Kunst lässt die Fetzen fliegen

Gütersloh (upk) - Marc kann es nicht fassen. Sein Freund Serge, arrivierter Dermatologe und Kunstliebhaber, hat sich ein nahezu komplett weißes Bild eines berühmten Avantgarde-Künstlers gekauft. Für die monochrome Anschaffung hat der Sammler 200 000 Euro auf den Tisch geblättert. Geradezu ein Schnäppchen!

Freitag, 14.02.2020, 16:53 Uhr

Während der empörte Marc gar nicht aufhören kann, darüber zu lästern, sieht der Dritte im Männerbund, Papierhändler Yvan, das Ganze lockerer. „Wenn es ihm doch Spaß macht. Und letztlich kann doch jeder mit seinem Geld machen, was er will, oder?

Mit der Komödie „Kunst“ haben die Besucher im Theater Gütersloh am Donnerstag nach dem großen Theaterhit „Der Gott des Gemetzels“ ein weiteres Stück der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza kennengelernt. Eine mit „Wilsberg“-Darsteller Leonard Lansink in der Rolle des Marc, Heinrich Schafmeister als Yvan und Luc Feit als Kunstsammler prominent besetzte Komödie, die Fred Berndt (Regie und Raum) für das Eurostudio Landgraf stimmig in Szene gesetzt hat.

Während sich die drei Akteure in Interpretationen versuchen, wird dem Publikum schnell klar, dass nur vordergründig die Kunst und deren Verständnis im Mittelpunkt steht. Es geht vielmehr um das Bild, das sich jeder der drei Freunde von den anderen gemacht hat. Um die Frage: Was macht Freunde zu Freunden? Und halten Freundschaften auch heftige Kritik aus? Das Monochrom als Sprengstoff für das tragikomische Auseinanderbrechen einer Männerfreundschaft. Das Gemälde als Metapher für die Fragilität aller menschlichen Verhältnisse.

Mit Bravour und offensichtlichem Spaß am Spiel lieferten sich die Drei ihren Schlagabtausch. Marc gehöre zu diesen arroganten Intellektuellen, die sich nicht damit begnügten, Feinde der Moderne zu sein, sondern sich auch noch etwas darauf einbilden, schimpft Serge. Doch Marc sieht sich im Recht und versucht, den harmoniesüchtigen Yvan auf seine Seite zu ziehen. Als das nicht klappt, bezeichnet er den Freund als Schleimer. Kurz: Die Fetzen fliegen. Schafmeister kam beim Gütersloher Publikum übrigens besonders gut an. Großartig sein Monolog, in dem das Muttersöhnchen über seine bevorstehende Heirat mit einer Tochter aus guter Familie und den dann folgenden Ablauf der Dinge – Heirat, Kinder, Tod – philosophiert.

Wie bei Yasmina Rezas Stücken üblich, laufen die großen und kleinen Katastrophen ganz knapp unter der amüsanten Oberfläche. Mit funkelnden Dialogen voller Esprit kreist die Autorin auf höchst komische Weise um die Abgründe bürgerlicher Männlichkeit. 90 Minuten Spaß mit Niveau.

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