Gütersloh
Kleine Besetzung, großes Spiel

Gütersloh (wh) - Träume zerschellen an der Wirklichkeit. An Ehrgeiz und Macht, Rache und Intrigen scheitert die Liebe. Mit großem Orchester und ausdrucksstarken Stimmen gastierte das Westfälische Landestheater Detmold im Gütersloher Theater - und erzählte eine Geschichte ohne Happy End.

Sonntag, 23.02.2020, 16:29 Uhr

Joan Anton Rechi, europaweit gefragter Regisseur, brachte Verdis Oper „Aida“ mit überwältigenden Gefühlen und in ungewöhnlicher Inszenierung auf die Bühne. Zum Schauplatz des Geschehens wählt er ein kunsthistorisches Museum, in dem die Ausstellung der Nofretetebüste vorbereitet und eröffnet wird.

Bühnentechniker trifft Reinigungskraft

Statt wildem Kampfgetümmel wimmeln unzählige Mitarbeiter auf der Bühne und träumen sich in die Geschichte der Aida, einer nubischen Sklavin am ägyptischen Hof, hinein.

Aus der flüchtigen Begegnung eines Bühnentechnikers mit einer Reinigungskraft entwickelt sich die Handlung um eine aussichtslose Liebesbeziehung, die Verdi vor 150 Jahren zur Eröffnung des Suezkanals als Plot für seine grandiose Musik auswählte. Sein „Triumphmarsch“ und zahlreiche Arien zählen seitdem zum Weltrepertoire der klassischen Musik.

Intime Szenen mit wenigen Charakteren

Das bombastische Massentheater in altägyptischen Kulissen streicht Rechi rigoros auf intime Szenen mit wenigen Charakteren zusammen, ohne dabei die politische Hintergrundgeschichte um den Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien zu vernachlässigen.

Denn die bestimmt die Dramatik der Liebesgeschichte zwischen Aida und dem ägyptischen Feldherrn Radames. Im Kontrast von lautem Kriegsgeschrei und der Privatheit der Beziehung wirkt Aidas berühmte Arie „Ritorna vincitor“ („Als Sieger kehre heim“) wunderbar zerbrechlich.

Besetzung der Titelrolle ist Glücksgriff

Die Besetzung der Titelrolle mit der jungen Amerikanerin Elena O’Connor erweist sich als ein echter Glücksgriff. Ihr klarer Sopran überstrahlt die guten Stimmen des Ensembles, in dem Ji-Woon Kim als Feldherr Radames und Seungweon Lee als Oberpriester Ramphis besonders zur Geltung kommen.

Klar akzentuiert und schauspielerisch flexibel vermittelt der Chor des Landestheaters das vom Publikum geschätzte Verdi-Feeling. Die Besucher im ausverkauften Haus danken es mit langem Schlussapplaus.

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