Gütersloh
Theaterspaß, der an die Nieren geht

Gütersloh (upk) - Eben noch ist Arnold mit seiner Ehefrau Kathrin bei einer gemeinsamen Vorsorgeuntersuchung gewesen. Jetzt tänzelt der passionierte und sehr ehrgeizige Architekt, der gerade wieder einen großen Auftrag an Land gezogen hat, ausgelassen durchs heimische Wohnzimmer.

Montag, 24.02.2020, 19:08 Uhr

Das Paar erwartet jeden Augenblick Besuch von seinen Freunden Götz und Diana, mit denen sie den Erfolg feiern wollen. Da platzt Kathrin heraus. „Ich brauche eine neue Niere“ – und konfrontiert ihren Mann mit der Frage, ob er für sie zu einer Organspende bereit wäre. Doch Arnold zögert und windet sich.

 Mit dem im Mai 2018 in der Komödie am Kurfürstendamm uraufgeführten, nicht gerade klischeefreien Stück von Stefan Vögel „Die Niere“ hat Regisseur Martin Woelffer ein Thema aufgegriffen, das nicht nur höchst aktuell ist, sondern auch im übertragenen Sinn ans Herz geht, wie am Wochenende im Theater Gütersloh zu erleben war.

Dort gaben die Berliner ein lautstark beklatschtes Gastspiel. Kein Wunder, wird doch über Organspenden derzeit nicht nur im Bundestag debattiert. Auch bei der sogenannten Lebendspende, um die es im Theaterstück geht, gibt es ein prominentes Vorbild. Hat doch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seiner Ehefrau Elke vor wenigen Jahren eine seiner Nieren gespendet.

So selbstverständlich läuft das auf der Bühne nicht ab. „Eine Spenderniere, ja bravo“ ist alles, was Arnold zu Kathrins Herausforderung einfällt. Ganz anders sieht die Reaktion des jovialen Götz aus. Auch er hat die passende Blutgruppe und bietet spontan an, ein Organ zu spenden. Sehr zum Ärger der kritischen Diana, die als Apothekerin in dieser Sache ein Mitspracherecht einfordert. Warum eigentlich?

Als Arnold glänzt der ehemalige Tatort-Kommissar Dominic Raacke, präsentiert seine schauspielerische Bandbreite. Beeindruckend, wie er schon bei dem Gedanken „sich einen Teil seiner Innereien bei lebendigem Leib herausoperieren zu lassen“ in Panik gerät. Katja Weitzenböck als Kathrin geht das Hin und Her erstaunlich gelassen an. Am Ende weiß der Zuschauer auch, warum.

Trotz des ernsten Themas ist es ein unterhaltsames Stück, das spritzige und schnelle Dialoge mit griffiger Situationskomik verbindet und von der Schauspielkunst seiner Akteure lebt. Dazu trägt auch das befreundete Ehepaar Diana und Götz (Laina Schwarz und Romanus Fuhrmann) bei, das in die lebens-wichtige Entscheidung eingebunden wird und nebenbei in amüsanter Manier eigene Konflikte auslebt. T

empo nimmt das Stück auf, als es Neuigkeiten aus dem Labor gibt: Doch welch Überraschung: Die Befunde sind verwechselt worden. Nicht Kathrin, sondern Arnold braucht eine neue Niere – und hofft jetzt inständig auf einen bereitwilligen Spender. Manchmal kann das Schicksal ganz schön durchtrieben sein.

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