Gütersloh
Essen verschenken statt wegwerfen

Gütersloh (afri) - Pro Jahr wirft jeder Deutsche statistisch im Durchschnitt 50 bis 100 Kilogramm Lebensmittel weg. Essen, das eigentlich noch verzehrbar wäre. Der Verschwendung wollen Michaela Brummel und André Mäß entgegenwirken.

Dienstag, 25.02.2020, 07:47 Uhr

Die 39-Jährige hat 2017 eine Facebook-Gruppe gegründet, über die Personen in Kontakt treten können, die Lebensmittel tauschen oder verschenken wollen. Der 31-Jährige setzt sich hingegen beim Verein Foodsharing ein. 998 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe „Foodsharing Gütersloh“.

Dort herrscht ein reger Austausch. Das Konzept ist simpel. Wer Lebensmittel übrig hat, schreibt eine Nachricht auf die Pinnwand. Wer Interesse hat, antwortet mit einer persönlichen Nachricht an den Anbieter. Anschließend werden Treffpunkt und Uhrzeit verabredet, an dem die Lebensmittel übergeben werden. „Es funktioniert aber auch andersherum“, sagt Michaela Brummel.

Fehlt einem eine Zutat, also zum Beispiel Eier beim Backen, kann eine Anfrage in der Gruppe gestellt werden. Begehrt sei in der Tauschbörse vor allem Tierfutter, Obst und Gemüse aus eigenem Anbau sowie selbstgekochtes Essen, sagt die Gütersloherin, die das Konzept des Foodsharings im Fernsehen gesehen hat und sofort begeistert war. Weniger Erfolg hätten die Anbieter hingegen mit Süßigkeiten oder Bio-Produkten. Letztes wundert Michael Brummel.

„Oftmals sind das Lebensmittel, die hochwertig und teuer sind. Am ehesten wird man da noch Müsli los“, sagt die Gütersloherin. Die Regeln beim Foodsharing sind ebenfalls einfach. „Man darf all das anbieten, was man selbst auch noch essen würde – auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum wenige Tage überschritten ist“, erklärt Brummel. Zwei Ausnahmen gibt es aber doch: Alkohol und Nahrungsergänzungsmittel sind komplett verboten.

Darauf legt die Gründerin der Facebook-Gruppe mit Blick auf das Jugendschutzgesetz großen Wert. „Wie will man überprüfen, ob der Abnehmer tatsächlich schon volljährig ist und Alkohol konsumieren darf?“ Die Bilanz nach zweieinhalb Jahren Foodsharing über Facebook fällt positiv aus. „Insgesamt wirft man weniger weg“, sagt Michaela Brummel.

Manches lande dann aber doch in der Tonne. Aus unterschiedlichen Gründen: Es komme vor, dass niemand Interesse an den angebotenen Lebensmitteln habe oder der potenzielle Abnehmer nicht beim vereinbarten Treffpunkt erscheine. Das sei zwar ärgerlich, aber nicht zu vermeiden, sagt Brummel.

Ist man bei der Bezirksgruppe Gütersloh des Vereins Foodsharing aktiv, wäre das Nichterscheinen ein Unding, sagt André Mäß. „Zuverlässigkeit ist bei uns das A und O.“ Das Konzept ist etwas anders als das der Facebook-Gruppe.

Die Bezirksgruppe schließt feste Kooperationen mit Restaurants, Supermärkten, Cafés und Bäckereien, die nach Ladenschluss ihre Lebensmittel, die vom Tag übriggeblieben sind und normalerweise weggeworfen würden, spenden wollen. „Es werden feste Uhrzeiten für die Abholung vereinbart“, sagt der Gütersloher. Die müssten eingehalten werden. Abgeholt werden die Waren abends von den sogenannten Foodsavern – deutsch: Lebensmittelretter.

Wer wann dran ist, ist einem digitalen Kalender zu entnehmen, in dem sich Mitglieder eintragen können. Wo das Essen hingeht, entscheiden die Foodsaver eigenverantwortlich. „Möglich ist beispielsweise, die Lebensmittel im privaten Umfeld zu verteilen oder sie zu Obdachlosenunterkünften zu bringen“, sagt Mäß. Die Tafel oder Suppenküchen dürften die Nahrungsmittel nicht annehmen.

„Dort müssen strenge Hygienevorschriften erfüllt werden“, so der 31-Jährige. Das betreffe zum Beispiel die Verpackung sowie das Einhalten der Kühlkette. Die Bezirksgruppe des Foodsharing-Vereins in Gütersloh ist noch recht frisch. Sie wurde im Dezember vergangenen Jahres von Mäß ins Leben gerufen und zählt 65 Mitglieder. Zwei Kooperationspartner wurden bislang schon gefunden: ein Café und eine Bäckerei. Die Menge der gespendeten Lebensmittel variiert von Tag zu Tag.

„Manchmal bleibt nichts übrig. Es kann aber auch sein, das war bei anderen Bezirksgruppe schon so, dass an einem Abend 50 Kilogramm zusammenkommen“, sagt Mäß. Durchschnittlich seien es 10 bis 15 Kilogramm. Geplant ist, in Gütersloh einen „Fair-Teiler“ aufzustellen, also einen Ort mit Kühlschrank und Regalen, an dem die Lebensmittel für jeden zugänglich sind. Gute Erfahrungen habe man damit schon in Bielefeld gemacht. Dort gibt es laut Mäß drei Fair-Teiler.

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