Gütersloh
Atemschutzmasken schwierig zu bekommen

Gütersloh (sib) - Das Coronavirus macht sich in Europa breit. Die ersten beiden Erkrankungen in NRW, ein Mann und eine Frau aus Gangelt (Kreis Heinsberg) haben sich infiziert, wurden am Mittwoch bekannt. Großhändler verzeichnen leergefegte Lager, in denen sich zuvor Atemschutzmasken befanden.

Mittwoch, 26.02.2020, 18:22 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:38 Uhr

Was bedeutet das für die Gütersloher Einrichtungen? „Die Glocke“ hat nachgefragt.

Etwa bei Dennis Schwoch, Vorstand des Kreisverbands Gütersloh des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Er versichert: „Noch ist alles beim Alten.“ Die Sicherheitsvorkehrungen seien in Wohngruppen wie in der stationären Pflege hoch, aber nicht erhöht.

Wer sich impfen lässt, erhält Sonderurlaub

Gegen das Coronavirus trifft man beim DRK keine speziellen Maßnahmen, wie Schwoch erklärt. „Denn für die Grippe sind wir ohnehin jedes Jahr sensibilisiert“, sagt er. So würden die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes dazu angehalten, Grippeschutzimpfungen vornehmen zu lassen. Wer sich impfen lasse, erhalte dafür einen Tag Sonderurlaub.

Und in der stationären Pflege, im Beispiel bezieht sich Schwoch auf die Einrichtung in Borgholzhausen, spucken die elektrischen Desinfektionsmittelspender mehr Flüssigkeit aus. „In der Grippezeit zwei Milliliter statt 1,5. Dadurch werden die Hände fast automatisch vollständig benetzt“, erklärt der Experte.

Klinikum Gütersloh verzeichnet Lieferengpässe

Weiter geht’s zum Klinikum Gütersloh. „Es gibt Lieferengpässe für Atemschutzmasken“, sagt Pressesprecherin Marie Schönknecht. Zudem seien die Preise dafür jüngst in die Höhe geschossen. Im Krankenhaus-Alltag könne das zum Problem werden. Das Klinikum habe jedoch vorgesorgt: „Wir haben uns, so gut es geht, mit den Masken bevorratet“, erläutert Schönknecht. Für die kommenden Wochen seien genügend Exemplare vorrätig.

Im Krankenhaus gebe es übrigens nicht „die“ Atemmaske. Vielmehr seien verschiedene Varianten für unterschiedliche Zwecke in Gebrauch. Im Operationssaal reiche der übliche Mund-Nasen-Schutz aus. Gehe es um den Schutz vor Viren – Corona, Influenza, Tuberkulose und Co. –, kämen sogenannte partikelfiltrierende Atemschutzmasken zum Einsatz. Darin seien Filter integriert, die in Schutzklassen unterteilt seien.

Robert-Koch-Institut empfiehlt Wiederverwendung der Masken

Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts, der Bundesbehörde für Infektionsschutz, werden Masken mit den Schutzstufen FFP2 und FFP3 empfohlen. Zudem gibt die Bundesbehörde Mitteilungen an Arztpraxen heraus, in denen sie unter anderem empfiehlt – angesichts ihrer Knappheit –, bereits gebrauchte Masken mindestens einmal wiederzuverwenden.

Gut mit Atemschutzmasken sowohl niedriger als auch hoher Schutzstufen ausgestattet ist auch das Gütersloher St.-Elisabeth-Hospital. Ob das künftig so bleibt, ist fraglich. „Da diese Produkte in China hergestellt werden, kann es zu Engpässen kommen“, erklärt dazu Rainer Frenz, Fachkrankenpfleger für Klinikhygiene, über Pressereferentin Verena Beckmann auf Anfrage der „Glocke“. Viele der Fabriken, die die Masken produzieren, stehen derzeit still – eben weil die Mitarbeiter von Corona betroffen sind.

Krankenhäuser folgen strengem Notfallplan

Dabei handelt es sich um einen regelrechten Teufelskreis: Weil Mitarbeiter erkranken, können sie keine Atemschutzmasken produzieren, die wiederum die Bevölkerung vor dem Virus schützen können. Die verbleibenden Masken in chinesischen Lagerhallen sind vornehmlich für die eigene Bevölkerung gedacht, um sie vor einer Pandemie zu schützen.

Und wie sieht es in Deutschland mit den Bürgern aus, die mittlerweile tagtäglich mit dem Virus konfrontiert werden? „Ganz selten kommen Patienten, die Sorge wegen einer möglichen Ansteckung haben“, schreibt dazu Verena Beckmann. Beim St.-Elisabeth-Hospital folge man den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, das mit Ausbruch des Virus konkrete Regeln für den Umgang damit aufgestellt hat.

Kein Fall im Kreis Gütersloh bekannt

Üblicherweise würden Verdachtsfälle mit gezielten Nachfragen untersucht. Darüber könnte bei vielen Patienten die Erkrankung direkt ausgeschlossen werden. Bestehe ein konkreter Verdacht darauf, dass ein Patient am Coronavirus erkrankt sei, werde er in einem Isolierzimmer behandelt. „Das Team aus Ärzten und Pflegern trägt eine Schutzkleidung mit Atemmaske, um eine Ansteckung zu vermeiden“, erklärt Beckmann.

Im Kreis Gütersloh ist bislang keine Erkrankung bekannt, teilte die Pressestelle des Kreises am Mittwochabend mit. Wer Kontakt zu nachweislich Erkrankten hatte und befürchte, sich infiziert zu haben, solle sich zuerst telefonisch bei seinem Hausarzt oder bei der NRW-weiten Coronavirus-Hotline 0211/8554774 melden.

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