Gütersloh
Literaturbummel vom Brexit bis Berlin

Gütersloh (dop) - Wer immer schon einmal wissen wollte, warum man das Wesen der Briten am besten in einem Gartencenter erkundet, wer erfahren möchte, wie die Kanadier ticken und warum manche Lüge sinnvoll ist, der sollte sich die kommenden Autorenlesungen in der Gütersloher Buchhandlung Markus vormerken.

Donnerstag, 27.02.2020, 15:03 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:38 Uhr

Sieben hochkarätig besetzte Veranstaltungen, die alle im Weberhaus, Münsterstraße 9, stattfinden, stehen im Frühjahr an, wie Juniorchefin Vera Corsmeyer am Donnerstag bei der Programmvorstellung erklärte.

Den Auftakt gestaltet die kanadische Schriftstellerin und Malerin Michelle Winters. Von Kritikern hochgelobt, stellt sie am Dienstag, 17. März, ihren Debütroman „Ich bin ein Laster“ vor: ein Mix aus vergnüglicher Liebes- und rasanter Kriminalgeschichte. Es geht um die Lügen zwischen Agathe und ihrem Mann Réjean, die zum Kitt in ihrer Ehre geworden sind und die aufbrechen, als er nach einem Angelausflug spurlos verschwindet. Es geht aber auch darum, was jeder sein will und tatsächlich ist – irgendwo im kanadischen Nirgendwo. Winters zeichnet ein gewitzt-charmantes Gesellschaftstableau ihres Heimatlandes. Der passende Aufschlag zur nächsten Frankfurter Buchmesse, bei der Kanada als Gastland fungiert.

Mit dem Briten Jonathan Coe kommt am 25.

Erklärt den Brexit in „Middle England“: Jonathan Coe.

März einer der wichtigsten und erfolgreichsten britischen Autoren – nach 2017 zum zweiten Mal – nach Gütersloh. Im Gepäck hat er den Brexit-Roman schlechthin: „Middle England“. Coe zeigt auf klug-ironische Weise auf, wie es dazu kommen konnte, was es mit der bizarren Sehnsucht seiner Landsleute nach „Englishness“ auf sich hat und welch noch bizarrere Folgen das hat.

 

32 Variationen einer beginnenden Liebe

Eine Hommage an die Liebe, so romantisch wie verführerisch geschrieben, liefert Frank Berzbach am 2. April mit seiner „Schönheit der Begegnung“. Angelehnt an die 32 Goldberg-Variationen von Bach schlüsselt er in 32 Versionen den Anfang einer Liebesbeziehung auf. 32 Mal begegnet sich das Paar – an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten und unter immer neuen Bedingungen. Berzbach wird begleitet von seiner aus Gütersloh stammenden Verlegerin Julia Eisele.

„Die Glasschwestern“, der neue Roman von Franziska Hauser ist nicht nur eine intensive, realistische Geschichte über zwei Frauen, sondern auch ein gelungener Generationenroman aus dem deutsch-deutschen Grenzgebiet. Es geht um Familiengeheimnisse und Lügen, ums Vergeben und Akzeptieren. Hauser liest am 21. April in der Buchhandlung Markus.

„Berlin“: Deutsche und europäische Geschichte kondensiert

1000 Seiten stark und 1,5 Kilogramm schwer ist Jens Biskys Sachbuch „Berlin“, ein wahres Zauberwerk, das die Stadt

Jens Bisky hat mit „Berlin“ ein ganz besonderes Sachbuch geschrieben.

ebenso als Labor der Moderne beschreibt wie als Symbol des zerrissenen 20. Jahrhunderts dokumentiert, ein Schmelztiegel der Politik und Kultur, in dem deutsche und europäische Geschichte kondensiert. Bisky ist am 13. Mai zu Gast.

Ins Indien des 19. Jahrhunderts entführt am 26. Mai Christopher Kloeble mit seinem Roman „Das Museum der Welt“. Darin erzählt er die Geschichte des Waisenjungen Bartholomäus aus Bombay, der 1854 als Dolmetscher mit den deutschen Brüdern Schlaginweit zur größten Forschungsexpedition jener Zeit durch den indischen Subkontinent aufbricht. Eine mit sprühendem Witz verfasste Reise in geografische und menschliche Abgründe zu jener Zeit, in der die Welt neu geordnet wurde.

Tolstoi auf Raten

Zum Abschluss beteiligt sich die Buchhandlung an einer Staffellesung: Das Literaturbüro OWL schickt vom 16. bis 19. Juni mit Tolstois „Krieg und Frieden“ ein Stück Weltliteratur auf Reisen. An vier Tagen werden an vier Orten unterschiedliche Vorleser Teile des Werks präsentieren. In Gütersloh liest am 16. Juni Simon Roden. Flankiert wird er von den Journalisten Andreas Bernard und Lars Reichardt, die über ihre Reise zu Tolstois Grab und über die daraus für das SZ-Magazin entstandene Reportage „Zwei Nasen tanken Tolstoi“ berichten.

Karten für alle Veranstaltungen gibt es ab sofort in der Buchhandlung Markus, Tel. 05241/28888.

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