Gütersloh
Kultursekretariat NRW feiert 40-Jähriges

Gütersloh (dop) - Trommelwirbel und Spot an: Mit einem typischen „westfälischen Flachgeschenk“ hat Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär aus dem Landes-Kulturministerium, gestern beim Festakt im Theater dem Kultursekretariat NRW in Gütersloh zu dessen 40-jährigem Bestehen gratuliert.

Dienstag, 03.03.2020, 07:56 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:36 Uhr

Statt des obligatorischen Schecks sicherte er der Geschäftsführerin Antje Nöhren eine Etaterhöhung von 200 000 Euro für 2021 zu. Das passende Geschenk für eine Einrichtung, die als Kultur- und Städtebündnis nicht nur bundes-, sondern auch europaweit ihresgleiches sucht.

War das Kultursekretariat 1980 von 24 Kommunen vor allem deshalb gegründet worden, weil die Orte als sogenannte nichttheatertragende Städte einem Kulturmangel in der Provinz entgegenwirken wollten, kann das aktuell auf 78 Mitglieder angewachsene Netzwerk nun auf eine vielfältige Angebotspalette in den Bereichen Theater, Tanz und freie Szene, Musik und Literatur, bildende Kunst und kulturelle Bildung zugreifen. Das Kultursekretariat ist dabei nicht nur Impulsgeber, sondern auch Förderer und Berater. Und des schafft Raum für seine Projekte.

 Mit großer Freude begrüßte Antje Nöhren unter den 140 geladenen Gästen Vertreter der

Aus dem Tanzprojekt „Durchdrehen“, das vom Kultursekretariat NRW gefördert wird, stellten Tänzerinnen aus Hattingen ihre Choreographie vor. Den musikalischen Rahmen der Feierstunde gestaltete das Ensemble Horizonte.

Gründungsmitglieder Herford und Detmold sowie aus den jüngsten Mitgliederstädten Vlotho und Dinslaken, zudem Vertreter des deutschen Städtetags und des Schwestern-Sekretariats in Wuppertal sowie ihre beiden Vorgänger Meinolf Jansing und Gudrun Schwidrik-Grebe.

Kultur, so Nöhren, sei von jeher nicht nur Spiegelbild, sondern vor allem Seismograph für jeden gesellschaftlichen Wandel. „Kultur ist kein ,nice to have‘“, warnte sie, „sondern der Nährboden für jede Identifikation. Sie macht auf vielfältige Art mit Unbekanntem vertraut und hinterfragt vermeintlich Offensichtliches“. Das alles sei elementar für jede Stadtgesellschaft. Gerade in heutigen Zeiten. Das Kultursekretariat werde auch weiterhin entsprechend Haltung zeigen und Freiräume schaffen, die wegweisende Projekte jeder Art brauchen.

Bürgermeister Henning Schulz erklärte, Gütersloh sei stolz auf sein Kultursekretariat, weil es mit all seinen unterschiedlichen Projekten den Fokus für qualitative Kultur schärfe und diese Qualität von der Dalke aus in die Fläche trage. Als Beispiele nannte er den Sommerleseclub, die Kulturstrolche und die Kunstaktion „Stadtbesetzung“, bei der vor allem Jugendliche im eigenen Tempo den öffentlichen Raum für sich erkunden und dadurch für sich selbst Kompetenzen entwickeln könnten. Und auch bei den digitalen Denklaboren, die Gütersloh anbiete, sei das Kultursekretariat als bereichernder Partner immer mit an Bord. „Kulturschaffende“, so Schulz, „sind immer auch Kulturwächter, die die ethischen Werte jeder Entwicklung auf den Prüfstein stellen.“

Auch der parlamentarische Staatssekretär Kaiser hob die bundesweite Besonderheit des Kultursekretariats hervor, die in kommunalen Strukturen wurzele. Mit ihm zusammen wolle man nicht nur ein Gesamtkonzept zur kulturellen Stärkung des ländlichen Raums erarbeiten, sondern auch eines für die sogenannten Bespieltheater (Programmtheater). Ziel sei es, hochwertige Kultur festzuzurren und sie als Standortfaktor verstärkt zu etablieren.

 Aber kann ein Sekretariat überhaupt das richtige Sprachrohr für fast 80 sehr unterschiedliche Städte zwischen 20 000 und 200 000 Einwohnern sein?, erkundigte sich Antje Nöhren in einer kleinen Fragerunde bei Andreas Kimpel und Horst Müller-Baß als Vorsitzende der Ständigen Konferenz des Kultursekretariats NRW. Kimpel erklärte, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Mitgliedsstädte beispielsweise bei der Digitalisierung kleinere Orte die gleichen Fragen hätten wie große Kommunen. Das Kultursekretariat finde für alle die Antworten. Und auch wenn es darum ginge, Positionen zu beziehen könne man mit einer Stimme reden. Nicht von ungefähr sei man gerade dabei per Umfrage zu erkunden, wo und in welchem Umfang antidemokratische Kräfte Übergriffe auf Kultureinrichtungen verüben.

Kimpel will das Kultursekretariat Gütersloh verstärkt dabei unterstützen, seine klassischen Strukturbahnen zu verlassen, um offenere, interdisziplinäre Projekte auf den Weg zu bringen. „Denn das kommt jeder Stadtpolitik zugute.“

 

Den kompletten Artikel lesen Sie in der „Glocke“ vom 3. März.

 

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