Die Sportreporter-Legende erwartet tief greifende Veränderungen im Fußball
„Die Zeit ist reif für Marcel Reif“

Gütersloh (WB). Seine Stimme hat immer noch Gewicht, auch wenn er nicht mehr hinter dem Mikrofon sitzt. Tore kommentieren, Leistungen bewerten und seinen Fußballsachverstand zum Besten geben: das ist einfach seine Berufung. So ist es auch, als der wohl beste deutsche Sportreporter Marcel Reif am Mittwochabend hinter dem Rednerpult in der Stadthalle Gütersloh vor 600 Gästen steht und einen Blick in die Zukunft der Fußballwelt wirft.

Freitag, 07.02.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 05:20 Uhr
Sportreporter-Legende Marcel Reif (links), hier mit Moderator Martin Klapheck, ist sich sicher, dass es bald eine Weltliga im Fußball geben wird. Vor 600 Gästen in der Stadthalle Gütersloh hat der 70-jährige TV-Experte einen Blick in die Zukunft des Fußballsports gewagt. Foto: Wolfgang Wotke

Ehemaliger RTL-Sportchef ist zum ersten Mal in Gütersloh

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „SparkassenGespräch“ ist Reif nach Gütersloh gekommen. Übrigens zum ersten Mal, obwohl er einst Sportchef bei RTL war und sich heute vage daran erinnert, dass ihn damals ein „kleines, mittelständisches Unternehmen“ aus Gütersloh mehrere Jahre sehr gut ernährt habe. „Doch in dieser Zeit habe ich es nie geschafft, hierher zu kommen.“ Spätestens nach dieser Aussage ist klar, dass Marcel Reif auch ein fröhlicher Mensch mit viel Witz ist.

Mittlerweile ziehe ich den Hut vor Kloppo und will ihn gar nicht mehr runternehmen.

Marcel Reif

Da passt die Bemerkung vom einstigen BVB-Trainer und heutigen Liverpool-Coach Jürgen Klopp gar nicht. Dieser hatte mal im Zusammenhang mit dem Torjubel von Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus beim Revierderby, die sich als Batman und Robin verkleidet hatten, gesagt: „Der Einzige, der das wirklich gar nicht witzig fand, war Marcel Reif, aber der findet in seinem Leben sowieso nichts mehr witzig.” Inzwischen, so verrät der 70-jährige Sportjournalist, sei dieser Disput längst ausgeräumt. „Mittlerweile ziehe ich den Hut vor Kloppo und will ihn gar nicht mehr runternehmen.“

Bundesliga spätestens in sechs Jahren ohne den FC Bayern

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Kay Klingsieck hat Marcel Reif als Reporter-Legende angekündigt und kurz vor dem Auftritt erklärt: „Die Zeit ist reif für Marcel Reif.“ Das passt, denn nach Ansicht von Marcel Reif stehen dem Fußball tief greifende Veränderungen bevor. Der TV-Experte glaubt fest daran, dass die Bundesliga spätestens in sechs Jahren ohne den FC Bayern auskommen muss. „Ich erwarte die Gründung einer Weltliga. Die Spiele werden dann noch mehr zum Event, so wie es in Amerika der Fall ist.“ Man dürfe die Spannung in der höchsten deutschen Liga nicht an den Münchnern messen. Das sei albern. „Meister sind die Bayern, waren die Bayern und bleiben die Bayern.“ Gehe man weltweit in die Ligen, dann wisse man, wer da Meister werde. Reif: „In Frankreich, Spanien und Italien mit zwei Klubs auch in England mit den drei vier, vorne weg. Das ist unromantisch. Die Meisterschaft ist nur noch für Romantiker. Für die Bayern ist es immer schwer, das noch lustig zu finden.“

Arminia Bielefeld, der SC Paderborn oder der SC Freiburg werden in 100 Jahren kein Meister.

Marcel Reif

Daran werde man sich gewöhnen müssen, denn der Fußball ist ein Multimilliarden-Business geworden. „Arminia Bielefeld, der SC Paderborn oder der SC Freiburg werden zurzeit mit ihren ‚mageren‘ Budgets in 100 Jahren kein Meister. Der Fußball, der dann in dieser Weltliga gespielt wird, ist unfassbar gut.“ Weltliga werde es dann Mitte der Woche im Fernsehen geben, und am Wochenende habe man dann seinen eigenen Club, im eigenen Stadion in der eigenen Liga. „Der Fußball wird sich seine neuen Fans suchen. Die werden anders sein. Auch in der 3. Liga oder in der Regionalliga kann man wunderbaren Fußball gucken. Und dann spielt auch wieder das Herz mit.“

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