Gütersloh: Schicksal der an Alzheimer erkrankten Elisabeth Grohe ist dokumentiert Überlebenskampf im Archiv

Gütersloh (WB). Unter der Signatur „DS8764“ ist der Überlebenskampf der an Alzheimer erkrankten Gütersloher Rentnerin Elisabeth Grohe (1921 - 2014) im Gütersloher Stadtarchiv zwischen zwei Buchdeckeln gedruckt in gut lesbarer Form aufbereitet worden. Die Dokumentation basiert auf den akribischen Aufzeichnungen ihres Sohnes Stephan Grohe.

Von Stephan Rechlin
Auf Basis der akribischen Aufzeichnungen von Stephan Grohe hat das Gütersloher Stadtarchiv das Schicksal von dessen Mutter Elisabeth Grohe in Buchform gebracht.
Auf Basis der akribischen Aufzeichnungen von Stephan Grohe hat das Gütersloher Stadtarchiv das Schicksal von dessen Mutter Elisabeth Grohe in Buchform gebracht. Foto: Stephan Rechlin

So detaillierte Lebensabschnitts-Biografien sind im Gütersloher Archiv eher eine Ausnahme und meist politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich bekannten Persönlichkeiten vorbehalten. Archivleiter Stephan Grimm misst dem Schicksal der hilflosen Rentnerin eine stadtgeschichtlich bedeutsame Rolle zu, was auch am hohen Interesse überregionaler Medien an dem „Fall Grohe“ liegen mag.

Kein Widerstand erwartet

In Gütersloh wurde das Thema ausschließlich vom WESTFALEN-BLATT begleitet. Die Sperrung von Strom und Wasser, der Umgang mit gravierenden Schäden und Schädlingsbefall in ihrer ehemaligen Wohnung, die Rationierung von Windeln und das Verhalten eines Notarztes erregten Aufmerksamkeit, weil daran exemplarisch deutlich wurde, wie Apparate mit Menschen umspringen, von denen sie keinen Widerstand mehr erwarten. Innerhalb dieser Apparate aber fanden sich immer wieder Menschen, die ihre juristisch oder ökonomisch festgelegten Rollen abstreiften und der alten, kranken Frau halfen, weil es sich verdammt noch einmal so gehörte. Amtsinhaber, die gern die »Familienfreundlichkeit« in Gütersloh beschworen, zählten jedoch nicht dazu.

Die 1921 in Magdeburg geborene Elisabeth Grohe starb am 3. Oktober 2014. An ihrem letzten Tag hielt sie die Hand ihres Sohnes Stephan besonders lange und fest in ihren Händen.

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