Gütersloh: Die Eiche verliert aber nicht an Wert – Waldbaukonzept vorgestellt
Preise für Fichte im Sinkflug

Gütersloh (WB). In mehr als einer Stunde stellt Heiner Heile vom Landesbetrieb Wald und Holz, der in seiner grünen Dienstkleidung der Fernsehserie „Forsthaus Falkenau“ als Oberförster entsprungen sein könnte, das zukunftsweisende NRW-Waldbaukonzept vor. Der Veranstaltungsort der Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe Gütersloh ist passend gewählt – die Gaststätte „Zur Linde“.

Mittwoch, 05.02.2020, 15:15 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 15:20 Uhr
Ran mit der Säge: Trockenheit und Borkenkäferplage haben den heimischen Wäldern auch im vergangenen Jahr stark zugesetzt. Heinrich-Theodor Venghaus, Vorsitzender der Waldbauern-Bezirksgruppe Gütersloh: „Wir brauchen jetzt jede Menge Regen.“ Foto: dpa

Über die zahlreichen Besucher ergießt sich eine mitunter überfordernde Flut von Informationen, die Heile mit vielen Grafiken garniert. Fachbegriffe wie zum Beispiel „Integration von sukzessiven Elementen“ (im Klartext: Vorwald-Stadium) hören selbst Insider zum ersten Mal.  Dem Wald geht’s nicht mehr gut, aber er ist wichtig – auch für den Klimawandel: Forst und Holz tragen dazu bei, dass in Nordrhein-Westfalen jährlich rund 18 Millionen Tonnen CO 2 vermieden werden. „Unser Wald verändert sein Gesicht, sogar der Ahornbaum ist krank. Trockenheit an allen Orten und Borkenkäfer in Millionen-Massen haben ihm auch 2019 arg zugesetzt“, stöhnt Heinrich-Theodor Venghaus, erster Vorsitzender der Bezirksgruppe Gütersloh. Der Mann aus Werther befürchtet, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei, fügt besorgt an: „2020 könnte es einen weiteren Höhepunkt der Kalamitäten geben. Ich hoffe nur, dass es regnet, regnet, regnet.“ Auf jeden Fall wird es Fördergelder regnen, welche die Landesregierung zugesagt hat. Auch so genannte Baumprämien werden in Aussicht gestellt. Die formale Förderung vom Staat wird übrigens umgestellt – von einer indirekten auf eine direkte. „Das ist für die Empfänger mit mehr Aufwand verbunden“, sagt Venghaus

Um die prekäre Lage zu entschärfen, bietet der Landesbetrieb im Rahmen seines Konzeptes den Waldbauern Fortbildung, praktische Übungen, neue Instrumente zur Waldbewirtschaftung, Flächenmanagement und Integration von eingeführten Baumarten (unter anderem Esskastanie und Baumhasel) an. Heiner Heiles Angebot: „Kommen Sie zu uns, wenn Sie Probleme haben.“ Die zum Teil schwer verdaulichen Informationen können im Internet nachgelesen werden. „Die hat auch mein 74-jähriger Vater verstanden“, merkt Heile schmunzelnd an.

Jagd ist heißes Thema

Bei der anschließenden Diskussion geht’s plötzlich hoch her: Der sichtlich aufgewühlte Karl-Heinrich Hoyer, Beirats-Vorsitzender der Kreisjäger, hält ein Dokument von Staatssekretär Heinrich Bottermann in seinen Händen. Hoyer nennt das Papier ein „Pamphlet“. Denn im Zuge der Wiederaufforstung der Wälder muss zwangsläufig ihr Wildbestand verringert werden. „Muss ich jetzt alle Rehe in meinem Revier abschießen?“, lautet die ketzerische Frage des Borgholzhauseners. Die Antwort gibt Heinrich-Theodor Venghaus, für den die Jagd ein „heißes Thema“ ist: „Wir wollen nicht das Rotwild ausrotten. Ich habe auch keine Lust, durch den Wald zu gehen und keine Rehe mehr zu sehen. Doch eine maßvolle Reduzierung lässt sich nicht vermeiden,“ bekräftigt der Bezirksgruppen-Chef.

Sorgen bereiten den Waldbauern die sinkenden Verkaufspreise für die von Borkenkäfern befallenen Bäume. Dazu nimmt abschließend Holger Hartmann von der Holzvermarktung und Dienstleistung HVD OWL Stellung, die seit einem Jahr den Verkauf des Holzes koordiniert. „Bei der Fichte sind die Preise weiterhin fallend, bei der Eiche halten sie sich aber konstant“, berichtet der Herforder. Immer weniger Geld gebe es für die „Kalamiten-Buche“. Sie sei praktisch entwertet, bedauert Hartmann.

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