Unfalltod von Saban Saulic: Angeklagter musste abtauchen Am serbischen Pranger

Gütersloh/Belgrad (WB/cabo). Der angeklagte Autofahrer (36), der für den Unfalltod des serbischen Volksmusikers Saban Saulic im Februar 2019 auf der Autobahn 2 nahe Gütersloh verantwortlich sein soll, musste abtauchen. Der Grund: Serbische Medien prangern den Gütersloher im Internet öffentlich an, zeigen ihn auf Fotos und nennen seinen vollen Namen.

Der serbische Volksmusiker Saban Saulic verstarb im Februar 2019 bei diesem Unfall auf der Autobahn 2.
Der serbische Volksmusiker Saban Saulic verstarb im Februar 2019 bei diesem Unfall auf der Autobahn 2. Foto: Carsten Borgmeier

Wer in Deutschland einer Straftat beschuldigt wird, für den gilt bis zum Urteil in einem fairen Prozess die Unschuldsvermutung. Hiesige Medien respektieren das aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeit im Großen und Ganzen, sie zeigen Angeklagte nur verpixelt-unkenntlich, Nachnamen werden – wenn überhaupt – mit dem ersten Buchstaben abgekürzt oder ganz verändert.

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Der Name war schon direkt nach der Tat bekannt, ein Facebook- Foto des Angeklagten früh in den serbischen Medien.

Staatsanwalt Christoph Mackel

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In Serbien, der früheren Teilrepublik Jugoslawiens, scheinen die Themen Persönlichkeitsrechte und Unschuldsvermutung bei den dortigen Journalisten keine besondere Bedeutung zu haben: „Der Name war schon direkt nach der Tat bekannt, ein Facebook-Foto des Angeklagten früh in den serbischen Medien“, berichtet auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage Christoph Mackel, der als Bielefelder Staatsanwalt die Ermittlungen in dem Fall geführt hatte und im vergangenen August die Anklage gegen den Leiharbeiter verfasste. Mackel weiter: „Es hat nach hiesiger Kenntnis keinerlei Bedrohungen oder ähnliches gegen ihn gegeben.“

Gebürtiger Gütersloher soll anonym in einer anderen Stadt leben

Dennoch lebt der gebürtige Gütersloher mit türkischen Wurzeln, dem fahrlässige Tötung in zwei Fällen, fahrlässige Körperverletzung in einem Fall sowie gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorgeworfen wird, nach Informationen dieser Zeitung anonym in einer anderen Stadt. Sein Haftbefehl wurde unter Melde-Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Der Prozess beginnt am Freitag, 27. März, um 9 Uhr im Amtsgericht Gütersloh (Saal 105).

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