Kolping-Karnevals-Gesellschaft befördert Büttenredner Wolfgang Hesse
Hausmeister wird zum Doktor ernannt

Rietberg-Neuenkirchen (WB). „Ja, liebe Freunde, wer hätte das gedacht“, grinste er verschmitzt von der Bühne runter – und tatsächlich, kaum einer. Dabei ist „Hausmeister" Wolfgang Hesse nun wirklich die naheliegendste jecke Person,  die man sich unter dem roten Doktorhut vorstellen kann. Seit Samstagabend, 22.11 Uhr, ist der TV-erfahrene Büttenredner neuer Träger des Ehrentitels Dr. h(umoris) c(ausa) in den Reihen der Kolping-Karnevals-Gesellschaft Neuenkirchen.

Montag, 03.02.2020, 10:00 Uhr
Urgestein im Karneval an der Wapel: Wolfgang Hesse ist in der Sitzung der Ehrentitel Dr. h(umoris) c(ausa) verliehen worden. Foto: Petra Blöß

Aktivposten und ein Aushängeschild des Wapel-Faschings

Warum kaum einer bei der geheimnisumwitterten Vorstellung durch Günter Setter auf die Idee gekommen ist, „Wolfgang“ als Tipp in den Saal zu rufen? Wahrscheinlich, weil Hesse von Kleinkindesbeinen an schlichtweg selbstverständlicher Aktivposten und ein Aushängeschild des Wapel-Faschings ist. Karneval ohne Hesse? Undenkbar für beide Seiten.

Seit über drei Jahrzehnten die Bühnenfigur des Hausmeisters

Natürlich, der Jubel war riesig, als der neue Doktor durch den Saal geführt wurde. Und doch, ein ganz klein wenig Wehmut kam auf, denn Wolfgang ist der letzte Dr. h.c., der im alten Kolpinghaus ernannt worden ist. Und, er ist seit über drei Jahrzehnten die Bühnenfigur des „Hausmeisters", also desjenigen, der nach einer jeden Fete im altehrwürdigen Gemäuer hinter dem letzten Gast symbolisch das Licht ausknipst – im „GOK“, im „good old Kolpinghaus“, wie Hesse in seiner Antrittsrede formulierte. „Wir müssen nicht traurig sein, und mich macht es schon ein wenig stolz, dass wir in unserem kleinen Neuenkirchen mit dem neuen Kolpinghaus so ein tolles Projekt auf die Beine stellen.“

Schon als Achtjähriger in der Bütt

Geprägt von früher Kindheit an durch den Vater und dessen Freunde, allesamt große Aktivposten des närrischen Treibens im Wapeldorf, war Hesse schon als Achtjähriger in der ersten Kindersitzung des Vereins in der Bütt („Ich habe schon als Kind meine fehlende Körpergröße mit dem lockeren Mundwerk ausgeglichen“). Zwei Jahre später war er zudem erster Kinderprinz in Neuenkirchen. Nach einer „kurzen pubertären Auszeit Mitte der 80er“ begann die richtige Rednerkarriere des Spaßvogels mit der großen Klappe,  der damit sogar Radiowerbung sprechen durfte.

Auftritte bei „Westfalen haut auf die Pauke“ und „Verstehen Sie Spaß“

„Mein Bekanntheitsgrad ist immer weiter gewachsen und Leute, die sich auf der Bühne zum Kasper machen, gibt es auch nicht so viele. Also kamen andere Vereine auf mich zu“, blickt der Neuenkirchener zurück. Unter anderem die Grafschaftler aus Rietberg, bei denen Hesse häufig als einziger Büttenredner in den großen Sitzungen für verbal feinste Unterhaltung sorgte. Bis ins Sauerland reiste er zu seinen Auftritten, war mehrfach in der Fernsehsitzung „Westfalen haut auf die Pauke“ dabei. Einmal sogar, völlig untypisch für den Bühnenprofi, samt Filmriss vor laufender Kamera („Kennt ihr das, wenn einem der kalte Schweiß den Rücken runterläuft?“).  Das passierte ihm zum Glück nicht in der großen Fernsehsendung „Verstehen Sie Spaß“, von der ebenfalls manch amüsante Anekdote rund um den Dorfjungen von der Wapel im Gedächtnis geblieben ist. In der Session 2002/2003 bildete er mit seiner Frau Birgit das Prinzenpaar der KKGN.

Immer Bestandteil seiner Reden in der heimischen Region: mehr oder minder freche Neckereien in Richtung Kernstadt. Und das gab es auch Samstagabend. Hesse: „Die von Neuenkirchener durchgeführte Studie über Rietberg ist abgeschlossen. Wir haben in mühevoller Recherche herausgefunden, dass jeder dritte Rietberger genauso blöd ist wie die anderen zwei.“

In knapp 14 Tagen Neuauflage mit Prinzenpaar-Proklamation

Eingebettet war die Ernennung in ein buntes Feuerwerk handgemachter Narretei mit jeder Menge Büttenreden und Sketchen. Manfred Hesse startete furios mit den KKGN-Nachrichten, Lena Gottschlich folgte nicht minder als Lilly. Hesse selbst gab wieder den Hausmeister, Ralf Setter den Hacho. Michael Kriener und Klaus Henkenherm kalauerten vortrefflich als Bauarbeiter über Wapel-Ereignisse, Dennis Zieroth und Pascal Ketzer in der Kapselbar brillierten wie alle anderen Redner auch, und die Tanzgruppen mit furiosen Choreografien und Showeinlagen ließen die Stimmung beben. Weiter unverzichtbar bleibt das Dorfgrabenseptett. Doch viel verraten zum Programm kann man nicht, in knapp 14 Tagen gibt es eine Neuauflage, dann mit Prinzenpaar-Proklamation – und bis dahin soll der Spannungsbogen erhalten bleiben.

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