Legendäres Ensemble Mummenschanz aus der Schweiz im Theater
90 Minuten lang ist es ganz still

Gütersloh (WB). Der Blick auf den Tourneeplan ist eindrucksvoll: Miami, Los Angeles, Bologna, München, Monaco. Und zum Jahresende 2019 Gütersloh. Mummenschanz aus der Schweiz kommt viel herum in der Welt; umso erstaunlicher und erfreulicher, dass es Christian Schäfer, dem künstlerischen Leiter des Theaters, gelungen ist, diese legendäre Truppe in die Stadt zu holen, und das auch noch am Silvestertag.

Freitag, 03.01.2020, 08:30 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 08:50 Uhr
Hoppla, gleich ist der Bühnenrand erreicht: Beim Auftritt der Gruppe Mummenschanz im Theater passiert eine Menge. Die riesige Kugel kann übrigens auch ein Gesicht ziehen. Foto: Stefan Lind

„Legendär“ ist in diesem Fall keine Übertreibung, denn Mummenschanz gibt es schon seit 1972, und von Anfang an hat dessen ebenso stille wie poetische Art die Zuschauer fasziniert. Einem breiten Publikum hat sich das Ensemble auf zahlreichen Gastspielreisen vorgestellt – und direkt in der ersten Staffel der Muppet-Show. Gastgeber Kermit der Frosch muss die übliche Gesprächsrunde mit den Gästen ausfallen lassen, weil sie einfach nicht reden wollen. Er bekommt nur fröhlich ein paar Seifenblasen ins Gesicht gepustet.

Das Konzept von Mummenschanz ist ebenso einfach wie effektiv. Es braucht nur kompetente Darsteller, ein paar Requisiten und natürlich kreative Ideen, aber Sprache und Musik zum Beispiel sind gar nicht notwendig. Das funktioniert auf Anhieb, und das funktioniert auch in Gütersloh ganz ausgezeichnet vor einem ausverkauften Saal.

„Es lärmt schon genug”

Es ist, die Pause abgerechnet, eineinhalb Stunden ganz still im Theater; angenehm still, bevor die allgemeine Silvesterknallerei beginnt. Christian Schäfer findet in seiner Begrüßung noch einen anderen Bezug: „Es lärmt schon genug in der Weltpolitik und in den sozialen Medien.“ Deshalb sei es doch schön, das Programm für das Jahr 2019 bewusst ganz still zu beenden.

Abgesehen von regelmäßigen Hustern – kein Wunder in dieser Jahreszeit – und einem einzelnen klingelnden Handy, das trotz vorheriger Bitte nicht abgestellt worden war, ist es so leise, dass man auch in den letzten Reihen noch die Requisiten des Ensembles rascheln hört. Das nimmt sein Publikum zum Beispiel mit in die Tiefsee, wo sich Quallen und Seepferdchen ein Stelldichein geben. Natürlich tauchen auch immer wieder Bezüge zum Show-Motto „You and Me“ auf, zum Beispiel dann, wenn sich biegsame farbige Röhren, ein Klassiker im Mummenschanz-Sortiment, erst zum Ballspiel und schließlich zu einem angedeuteten Kuss treffen.

Auch wenn sich so mancher Programmpunkt vom Inhalt her nicht sofort erschließt, macht das gar nichts, denn die schiere Kreativität lässt den Betrachter immer wieder aufs Neue staunen. Der große Erfolg ist Rückenwind für die künstlerische Leiterin Floriana Frassetto, die als einziges Gründungsmitglied noch auf der Bühne steht und nach schwierigen Jahren des Umbruchs nun ein junges Team anführt, das sichtlich Spaß an der Sache hat und die Inhalte vorsichtig modernisiert. Sogar stilisierte Smartphones und Tablets haben in eine Nummer Einzug gehalten, sie passt sich problemlos in den Rest des Programms ein. Lang anhaltender Beifall ist der Dank für eine Truppe, die sich zum Schluss dann auch mal ohne Verkleidung am Bühnenrand präsentiert.

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