Jugendliche ohne Job bereiten Agentur Kopfzerbrechen
„Arbeitsmarkt kühlt sich ab“

Gütersloh/Bielefeld (WB). Als „robust“ bezeichnet Thomas Richter, Direktor der Arbeitsagentur mit Sitz in Bielefeld (zuständig für Bielefeld und den Kreis Gütersloh) die Lage am Arbeitsmarkt im laufenden Jahr. Aber, so Richter: „Der Arbeitsmarkt kühlt sich ab.“

Freitag, 20.12.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 20.12.2019, 15:20 Uhr
Die meisten freien Stellen gibt es im Kreis Gütersloh im Bereich der Postzusteller und im Güterumschlag. Foto: Thomas F. Starke

Das schließt er aus der Zahl der Insolvenzen, den Anfragen und Anmeldungen zur Kurzarbeit und dem Rückgang der Zeitarbeit. Er prognostiziert für 2020 „einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit“.

Kreis Gütersloh: Arbeitslosigkeit von 4 auf 3,9 Prozent zurück

Die liege in der Stadt Bielefeld bei 7,2 Prozent, im Vergleich zum Jahr 2018 ein Anstieg um 2,5 Prozent oder 317 Betroffenen; im Kreis Gütersloh ist die Arbeitslosigkeit von 4 auf 3,9 Prozent zurück gegangen (minus 75). Richter betont, der Arbeitsmarkt sei dennoch „aufnahmefähig“. Er spricht von einer hohen Fluktuation von Arbeitskräften, weil es immer häufiger vorkomme, dass deren Verträge nur noch eine relativ kurze Laufzeit hätten.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beläuft sich in Bielefeld auf 157.677 (plus 2938), im Kreis Gütersloh auf 182.840 Beschäftigte (plus 5668) Dominiert würden beide Arbeitsagentur-Bezirke vom verarbeitenden Gewerbe, gefolgt vom Handel.

Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit eine „kleine Erfolgsgeschichte“

Als „kleine Erfolgsgeschichte“ bezeichnet Thomas Richter den Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit. In Ostwestfalen-Lippe insgesamt sei deren Zahl um 7,2 Prozent zurück gegangen, in der Stadt Bielefeld um immerhin noch 4,3 Prozent auf 5287, im Kreis Gütersloh sogar um 13,4 Prozent auf 2596. Einen Grund dafür sieht Richter in der Bundesforderung, die einen Betrieb, der einen Langzeitarbeitslosen einstelle, über fünf Jahre finanziell unterstütze – „in den ersten beiden Jahren sogar zu 100 Prozent“. In Bielefeld hätten durch das Programm im noch laufenden Jahr 300 Langzeitarbeitslose eine Stelle gefunden.

Als einen Schwerpunkt von Agentur für Arbeit und Jobcenter für 2020 nennt Richter die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Die sei in Ostwestfalen-Lippe mit 0,1 Prozent geringfügig zurückgegangen, im Kreis Gütersloh immerhin um 5,7 Prozent auf 818 Betroffene gesunken, in der Stadt Bielefeld aber um 9,3 Prozent auf 1218 gestiegen. Das, so Richter, sei so nicht hinnehmbar.

Arbeitslosigkeit unter Ausländern im Kreis Gütersloh stabil

Die Arbeitslosigkeit unter Ausländern sei in Bielefeld um 50 auf 4143 gestiegen, im Kreis Gütersloh mit 2792 stabil geblieben. In Bielefeld stagniere die Zahl der arbeitslosen beziehungsweise arbeitssuchenden Geflüchteten, liege, so Richter, bei aktuell bei zusammen 3547 (Kreis Gütersloh: 2890).

Die Zahl der freien Stellen liegt in Bielefeld aktuell bei 3595 (minus 52), im Kreis Gütersloh ist sie um 123 auf zur Zeit 2810 gestiegen. Offene Stellenangebote, so Richter, kämen in beiden Bezirken vor allem aus dem Bereich Postzustellung und Güterumschlag, gefolgt von Energietechnik (Bielefeld) und Maschinenbau- und Betriebstechnik (Gütersloh). In Bielefeld werden zudem unter anderem gesucht Altenpfleger, Sozialarbeiter, Erzieher und Heilerzieher, Geburtshelfer, Krankenpfleger und Personal für den Rettungsdienst. In der Gastronomie sind 84 Stellen unbesetzt.

Thomas Richter sagt einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr voraus. Sein Fazit: „Ja, der Arbeitsmarkt trübt sich ein.“

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