Anonyme Anzeige – Behörde: „Kein Hinweis auf Gesundheitsgefahr“
Ekelfleisch-Verdacht im Kreis Gütersloh

Gütersloh (WB). Das NRW-Verbraucherministerium und der Kreis Gütersloh gehen nach einer anonymen Anzeige Hinweisen auf mangelnde Hygiene und Unregelmäßigkeiten in einer Wurstfabrik nach.

Samstag, 14.12.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 14.12.2019, 07:42 Uhr

Der Hinweisgeber schickte Ende November eine Aufstellung mit Vorwürfen und Namen mutmaßlich Verantwortlicher an Behörden und Kunden, außerdem einen USB-Stick mit Videos von schimmeligen Fleisch. Christian Fronczak, Sprecher im NRW-Umweltministerium: „Wir nehmen die Vorwürfe ernst.“

Der Geschäftsführer des Unternehmens sprach am Freitag von Verleumdungen. „Wir haben Anzeige erstattet.“ Ob er den Hinweisgeber kennt, wollte er nicht sagen. Nach Angaben von Kreissprecher Jan Focken haben Kontrollen bisher keine Anhaltspunkte für eine Gesundheitsgefahr oder strafbares Verhalten ergeben.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Der Mann schreibt, verschimmeltes Fleisch sei mit einem Hochdruckreiniger gesäubert worden. Wurst mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum sei umetikettiert worden, und Fleisch, das von Mitarbeitern als „gesperrt“ markiert worden sei, habe man auf Anweisung verarbeitet. Zur Verschleierung seien Daten in der Firmensoftware geändert worden.

Separatorenfleisch und Fleischkleber verarbeitet

Der Betrieb habe Separatorenfleisch verarbeitet (eine billige Paste aus maschinell vom Knochen gelösten Fleischfasern), ohne das auf dem Produkt zu vermerken. Dazu sei Transglutaminase (ein zugelassener Fleischkleber) verwendet worden, den man vor Kontrolleuren des Kreises versteckt habe. Und: Halale Ware, also für Muslime zugelassene Fleischprodukte, hätten nicht deren Vorschriften entsprochen.

Kreissprecher Focken: „Unsere Kontrolleure können nur Dinge beurteilen, die sie selbst festgestellt haben.“ Die 40 Proben aus den letzten beiden Jahren hätten keine Beanstandungen hinsichtlich einer Gefahr durch Listerien, Salmonellen oder andere Keime ergeben.

Am Tag nach Eingang der Anzeige sei der Kreis unangemeldet mit drei Kontrollteams erschienen. Dabei soll sich herausgestellt haben, dass einige Vorwürfe eine länger zurückliegende Zeit betreffen und andere nicht zutrafen. Es wurden aber Mängel festgestellt, deren sofortige Beseitigung angeordnet wurde. Zu Details äußerten sich die Behörden nicht.

Untersuchungsergebnisse liegen noch nicht vor

Die Kontrolleure fanden ein Kilogramm Transglutaminase und nahmen eine Wurstprobe. Separatorenfleisch ist allerdings schwer zu identifizieren: Konnte es früher per Mikroskop an winzigen Knochensplittern erkannt werden, arbeiten die Maschinen heute feiner. Heute wird ein erhöhter Kalziumgehalt als Indiz gewertet.

Ministeriumssprecher Christian Fronczak: „Vor einigen Tagen haben Kreismitarbeiter und Mitarbeiter des Landesamts für Verbraucherschutz das Unternehmen noch einmal überprüft. Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.“

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