Mittelalter-Weihnachtsmarkt räumt auch dem Kunstgewerbe viel Platz ein Wunderschöne „Anno Wyhnacht“

Gütersloh (WB). Die Schock-Nachricht ereilte ihn am Freitagmittag beim Aufbau des Zeltlagers auf dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt anno 1280. Eine Tochter von Karsten Rehage, Gründer der „Sippe Parraochie Gutterslo“, hatte sich bei einem unverschuldeten Autounfall schwere Verletzungen zugezogen. Auch eines ihrer drei Kinder, die im Wagen saßen, kam ins Krankenhaus.

Von Uwe Caspar
Auf dem Weihnachtsmarkt wird auch gewiehert: Robert Beeck und Ulrike Horn aus Diepholz haben sich äußerlich in mongolische Steppenreiter aus dem 13. Jahrhundert verwandelt. Sie gehören dem mittelalterlichen Verein„Wilde grausame Reiter“ an.
Auf dem Weihnachtsmarkt wird auch gewiehert: Robert Beeck und Ulrike Horn aus Diepholz haben sich äußerlich in mongolische Steppenreiter aus dem 13. Jahrhundert verwandelt. Sie gehören dem mittelalterlichen Verein„Wilde grausame Reiter“ an. Foto: Uwe Caspar

„Wir haben lange überlegt, ob wir das Lager abbrechen sollen. Doch dann haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir bleiben. So konnten wir uns am besten ablenken“, erzählt der 54-Jährige. Rehage kann inzwischen aufatmen: Bei Tochter und Enkel besteht keine Lebensgefahr. Elias (5) und Noemi (3) kamen bei dem Crash mit dem Schrecken davon und tollten am Samstag fröhlich in ihren nostalgischen Gewändern im Lager herum. Die Parraochie-Sippe rekrutiert sich aus sieben Erwachsenen und vier Kindern – fast alle sind untereinander verwandt. „Wir wollen klein bleiben“, erklärt Karsten Rehage, der in seinem bürgerlichen Beruf als Hausmeister arbeitet. Sechs bis sieben Anno-Märkte besuchen die Familie jährlich. „Wir verkaufen aber nichts, wollen uns nur darstellen“, sagt das Sippen-Oberhaupt.

Rund 40 Verkaufsstände bereichern die zweite „Anno Wyhnacht“

Rund 40 Verkaufsstände bereichern die zweite „Anno Wyhnacht“ mit zum Teil ausgefallenen Angeboten. So gibt es Schmuck aus Hufnägeln, während die fliegende Händlerin Silke Potthast aus dem Kalletal neben Ohrringen und Kettchen zahlreiche Naturfedern (sogar von Wildgänsen) feilbietet. Kunsthandwerk ist auch die große Leidenschaft von Michael Rüter: Seine Holzprodukte, unter anderem Kinderspielzeug, geschnitzte Pfeifen im Oldielook und gedrechselte Dosen, hat der gelernte Tischler natürlich selbst hergestellt – ebenso wie seine Holzhütte. Derweil sitzt Eva Louis („Trine von den Externsteinen“) vor ihrem Doppeltritt-Spinnrad, sieht in ihrer Tracht aus wie eine Märchenfigur aus „Dornröschen“. Vor allem ihre Wollstrümpfe sind bei den Käufern sehr begehrt, wenngleich die Preise bei 18 Euro und mehr pro Paar liegen. „Die gestrickten Strümpfe sind ein Renner“, freut sich die Spinnrad-Expertin über den starken Absatz.

Die erstmals über drei Tage stattfindende „Anno Wyhnacht“, die erste mittelalterliche in Ostwestfalen überhaupt, ist eben der etwas andere Weihnachtsmarkt: Sehr gemütlich, sehr familiär. Marktmeister Felix Morkes’ Urteil über jenen in der Gütersloher City fällt vernichtend aus. „Dort steht doch nur Saufen und Fressen im Vordergrund – ein Schandfleck“, formuliert der Filius von Organisator Norbert „Nobby“ Morkes seine Kritik am GT-Weihnachtsmarkt reichlich überspitzt.

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Wir hatten schon am Eröffnungstag 600 und am Samstag rund 2500 Besucher.

Norbert Morkes

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Nur der oft beschworene „Gute Geist“, der auf dem Hof Kruse herumspuken soll, hat dem Veranstalter zumindest in puncto Wetter nicht beistehen können: Wie im Vorjahr regiert der Regen. Schneeflocken gibt es immerhin als Kunstprodukt zu bestaunen. „Wir hatten schon am Eröffnungstag 600 und am Samstag rund 2500 Besucher“, geht Nobby Morkes von einer Gesamt-Gästezahl zwischen 5500 und 6000 aus. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber 2018 (4500).

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