Irmgard und Christa Pastors präsentieren im Stadtmuseum Gütersloh seltene Handpuppen Sie hängen an alten Holzköpfen

Gütersloh (WB). In der linken Ecke des Raums präsentiert sich Kasperle mit seinen Mitstreitern, in der nächsten Vitrine grüßen Käpt’n Blaubär und Hein Blöd und im darauffolgenden Schaukasten schnattert Donald Duck mit seiner Daisy. Darsteller aus der Muppet-Show feixen ebenfalls herum. Sie alle sind Protagonisten einer Ausstellung im Stadtmuseum (bis zum 23. Februar) unter dem Motto „Helden der Kindheit“.

Von Uwe Caspar
Gut gelaunte Zwillinge: Irmgard und Christa Pastors vor einer Kasperle-Figurengruppe. „Beim Sammeln suchen wir die Puppen nicht nach Qualität, sondern nach Material aus“, lautet ihr Credo. Viele ihrer Liebhaberstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Gut gelaunte Zwillinge: Irmgard und Christa Pastors vor einer Kasperle-Figurengruppe. „Beim Sammeln suchen wir die Puppen nicht nach Qualität, sondern nach Material aus“, lautet ihr Credo. Viele ihrer Liebhaberstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Uwe Caspar

„Wir wollen die Geschichte des Kinder-Fernsehens aus den 60er- bis 80er-Jahren zeigen“, erklärt Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth. Den Anstoß dafür hat ein munteres Zwillingspaar aus Viersen gegeben: Irmgard und Christa Pastors haben aus ihrer riesigen, rund 2000 Exponate umfassenden Handpuppensammlung 120 der stummen Schätzchen vorübergehend dem Gütersloher Museum zur Verfügung gestellt. „Eine Ausstellung zu eröffnen, ist für uns wie Weihnachten. Mit unserem Hobby wollen wir zudem die Tradition der deutschen Volkskunst bewahren“, freuen sich die 70-jährigen Schwestern über ihre Einladung in die Dalkestadt.

Vor 30 Jahren zog Irmgard Pastors über Floh- und Trödelmärkte, um den Grundstock für ihre Sammlung zu legen. Ihr erster bedeutender Fang: Eine Dresdner Künstlerpuppe, damals noch in DDR-Mark bezahlt. Später kamen alte Handpuppen dazu, an denen die Pastors-Sisters besonders hängen: „Denn geschnitzte Köpfe machen den Charakter der Figuren deutlicher.“ Zu ihrem Bedauern hat längst Kunststoff die nur schwer zu schnitzenden Holzköpfe abgelöst.

Mit DDR-Mark bezahlt

Die einmalige Sammlung der Pastors ist zu groß, um sie im eigenen Haus unterzubringen. Die früheren Bankkauffrauen – Christa kümmert sich um die Restauration und um die Termine – haben ihren „ungehobenen Schatz“ (Jungbluth) in einem Lager deponiert. Einen Favoriten gibt es für die sammelwütigen Schwestern nicht. „Alle erworbenen Stücke liegen uns am Herzen.“ Kasperle-Aufführungen machen sie selber nicht („wir sind keine Puppenspieler“), sie haben aber eine kleine Bühne mitgebracht. Franz Jungbluth hat für die Vorstellungen herkömmliche Puppen geordert: „Die wertvollen Originale können wir dafür nicht einsetzen.“

Im zweiten Ausstellungsraum des Museums („Pantoffelkino“) gibt es nostalgische Röhrenfernseher und Wohnzimmereinrichtungen zu bestaunen. Haustechniker Volker Höinghaus konnte zwar eine verschnörkelte Tapete aus der Nachkriegszeit problemlos organisieren. Doch es war nicht einfach für ihn, eine typische, recht hässliche Tapete aus den 7oer-Jahren zu finden: „Die habe ich im Internet entdeckt.“ Seltene Kino-Ankündigungsplakate im A4-Format, ausgeliehen von der Familie Groteheide, komplettieren die empfehlenswerte Präsentation. Bleibt noch die spannende Frage, wem Irmgard und Christa Pastors ihre Sammlung vererben wollen. „Darüber machen uns keine Gedanken, denn wir werden noch lange leben“, schmunzelt das Duo.

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