Kreishaushalt: Kostenanstieg in Jugendhilfe frisst Erleichterung in Kreisumlage auf Kleine Kinder, große Kinder, teure Sorgen

Gütersloh (WB). Kinder und Jugendliche setzen dem Kreis Gütersloh mächtig zu. Ihre Erziehung, Versorgung, Begleitung kosten inzwischen so viel Geld, dass die im kommenden Jahr mögliche Entlastung im Kreishaushalt davon völlig aufgezehrt wird.

Von Stephan Rechlin
Um Kinder und Jugendliche in Schwung zu bringen, muss der Kreis Gütersloh in jedem Jahr enorm hohe Summen investieren. Die Kosten werden auf die Kommunen umgelegt.
Um Kinder und Jugendliche in Schwung zu bringen, muss der Kreis Gütersloh in jedem Jahr enorm hohe Summen investieren. Die Kosten werden auf die Kommunen umgelegt. Foto: dpa

Es geht um allein erziehende Mütter und Väter, die aufgrund richterlicher Anordnung in Sorgerechtsverfahren mit ihren Säuglingen und Kindern stationär untergebracht werden müssen. Es geht um zugewanderte Eltern, die mit der Erziehung ihrer Kinder in einer neuen Umgebung völlig überfordert sind. Es geht um größeren Schutz vor Kindesmissbrauch. Bei der Einbringung des Kreishaushaltes 2020 stellte Landrat Sven-Georg Adenauer fest: »Zudem füllt die Jugendhilfe immer mehr die Lücken einer nur halbherzig umgesetzten Inklusion durch den Einsatz von Schulbegleitungen.«

Die Jugendhilfe stellt mit 122,5 Millionen Euro den höchsten Einzelbatzen im Kreishaushalt dar. Die Summe entspricht 20,8 Prozent des gesamten, 590,2 Millionen Euro großen Ausgabekuchens, also gut ein Fünftel. Schon in diesem Jahr sind die Ausgaben in diesem Segment so stark angestiegen, dass Kreiskämmerer Ingo Kleinebekel ein 3,2 Millionen Euro hohes Defizit im Jugendhilfe-Etat meldet.

Jugendhilfe-Umlage steigt um 9,1 Millionen Euro

In den Topf, aus dem Ingo Kleinebekel die Rechnungen eines Jahres bezahlt, zahlen alle 13 Kommunen über die so genannte Kreisumlage ein. Diese Umlage kann im kommenden Jahr um 1,8 auf 216 Millionen Euro reduziert werden. Die Jugendhilfe wird in einem separaten Topf verrechnet, weil drei Kommunen (Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Verl) ein eigenes Jugendamt haben. Die Umlage für diesen Topf wird im kommenden Jahr um 9,1 Millionen auf 63,2 Millionen Euro steigen – aber nur für jene zehn Kommunen, für die das Kreisjugendamt tätig ist. Ingo Kleinebekel: »Die drei übrigen Jugendämter verzeichnen jedoch ebenso hohe Kostenzuwächse.«

Neben dem Jugendamt erledigt der Kreis noch viele weitere Aufgaben, zum Beispiel im Straßenverkehrs-, im Veterinär-, im Sozial-, Schul- und Gesundheitsamt. Dort kommt er mit dem Geld überwiegend hin – bis auf 3,4 Millionen Euro, die er aus der Ausgleichsrücklage nehmen wird, um alles bezahlen zu können.

Der Kreis investiert auch kräftig. Zum Beispiel in ein neues Parkhaus, in seine Förderschulen und Berufskollegs, in Straßen und Radwege und in ein neues, zentrales Bevölkerungsschutzzentrum, das nach Angaben Adenauers definitiv nicht in St. Vit gebaut wird, dem heutigen Sitz der Kreisfeuerwehrschule. Weil das feststeht, bat Helen Wiesner (CDU) darum, erst anderweitige Mietmöglichkeiten zu prüfen bevor dort weiteres Geld in Ersatz- und Instandhaltungsmaßnahmen gesteckt wird. Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) bat um eine genaue Prüfung der Verkehrsbelastung und der ökologischen Folgekosten des neuen Standortes, ohne Spexard beim Namen zu nennen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7090033?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F