Am 26. November vor 75 Jahren erleidet Gütersloh den schwersten Bombenangriff Vollalarm ertönt um Punkt 12

Gütersloh (WB). Der Totensonntag 1944 wurde in Gütersloh zu einem »Sonntag der Toten«. Heute vor 75 Jahren starben bei dem bis dahin schwersten Luftangriff auf die Stadt 80 Menschen, 52 Bombenopfer erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen.

Von Stephan Rechlin
Die Apostelkirche galt als der sicherste Schutzraum der Stadt – sie lag am 26. November 1944 ebenso in Trümmern wie weite Teile der Blessenstätte und der Eickhoffstraße. Beim schwersten Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurden 80 Menschen getötet. Dieses von Hans Beck gezeichnete Bild hängt in der Apostelkirche.
Die Apostelkirche galt als der sicherste Schutzraum der Stadt – sie lag am 26. November 1944 ebenso in Trümmern wie weite Teile der Blessenstätte und der Eickhoffstraße. Beim schwersten Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurden 80 Menschen getötet. Dieses von Hans Beck gezeichnete Bild hängt in der Apostelkirche.

Ein besonderer Schock war an diesem Tag die Zerstörung der Apostelkirche, von der nur der Turm stehen blieb. In ihm fanden 19 Menschen den Tod, die in diesem »sichersten Luftschutzraum der Stadt« vergeblich Schutz gesucht hatten. Aus Anlass des 60. Jahrestages des Wiederaufbaus der Kirche 2012 erinnerte sich der Gütersloher Historiker Rudolf Herrmann (89) an den grauenvollen Angriff von 37 B 17-Bombern der alliierten Streitkräfte. Auf seine Ausführungen gehen die folgenden Schilderungen zurück.

Als der Voralarm um 11 Uhr ertönte, hofften die Gütersloher noch, dass auch dieser Angriff wie so viele davor über sie hinwegziehen würde. Doch dann berichtete ein älterer Mann, dass er beobachtet habe, wie Rauchfahnen am Himmel über Gütersloh gesetzt wurden. Sie markieren den folgenden Bombern die Angriffsziele. Um Punkt 12 Uhr ertönte der Vollalarm.

Angst im Luftschutzkeller

Der damals 14 Jahre alte Hermann und seine Familie flüchteten in einen Luftschutzkeller an der damaligen Heinrichstraße 8, heute Carl-Miele-Straße 80. Zu den Sirenen gesellte sich das dumpfe, durchdringende Brummen des Bomberverbandes. Hermann: »Nach kurzer Zeit hörten wir auch schon das Pfeifen und Explodieren der ersten Sprengbomben.« Zwei Bombenteppiche gingen auf Gütersloh nieder, je einer links und rechts der Eisenbahn. Besonders betroffen waren die Blessenstätte und die Eickhoffstraße auf der einen Seite. Auf der anderen Bahnseite erwischte es das Wohngebiet südlich der Miele-Werke. Es dröhnte, rummste und wackelte im Luftschutzkeller: »Wir setzten uns ganz nah zu unserer Mutter und suchten ihren Kontakt und Schutz.« Als es ruhiger wurde und sie den Keller verließen, waren alle Fensterscheiben des Hauses zerbrochen, die Türen waren herausgerissen oder schlossen nicht mehr. In einem total zerstörten Haus hörten Rettungskräfte noch Lebenssignale aus den Trümmern. Als sie zu der verschütteten Familie vorstießen, waren Vater und Mutter verstorben; nur die Kinder konnten gerettet werden.

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