Kritisch und komisch: Ruppe Kosellek (52) stellt im Veerhoffhaus aus
Konzeptkünstler malt mit Ölklumpen

Gütersloh (WB). Wirken Acrylbilder anders, wenn Medikamente wie Ritalin oder Aspirin den Farben beigemischt sind? Von Sonntag an können das die Gäste der neuen Ausstellung im Gütersloher Veerhoffhaus herausfinden.

Freitag, 08.11.2019, 07:15 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 07:40 Uhr
Mit Ölklumpen, die Kosellek am Golf von Mexiko/USA aufgelesen hat, malt er auf Büttenpapier. Mit diesen Werken weist der 52-Jährige auf Umweltverschmutzungen hin. Foto: Carsten Borgmeier

Bis Mitte Dezember zeigt dort am Alten Kirchplatz der 52-jährige Konzeptkünstler Ruppe Kosellek Exponate, die vor Komik und Gesellschaftkritik nur so strotzen. »Ultramarinaspirin« hat der Heidelberger seine Schau genannt, mit der er internationale Ölkonzerne wie BP oder auch das Marketinggebaren eines ehemaligen Nazi-Konzentrationslagers (KZ) in Polen anprangert. Zu seinem Medikamenten-Cocktail, den er vor den Augen seiner Gäste in die Malfarben einrührt, meint er: »Mit der Kunst ist es doch wie mit der Homöopathie: Das Wissen darum verändert die Wirklichkeit«, so der ehemalige Medizin- und Philosophie-Student.

Medikamente in Malfarben gemischt

Gesellschaftskritisch wird es im Nebenraum: Dort an einem einfachen Holztisch packt der 52-Jährige ein weißes Blatt Büttenpapier auf einen roten Benzinkanister und reibt einen Ölklumpen darüber. Es entsteht eine Schraffur der Kanisterseite – fertig ist das Kunstwerk. Die Story dahinter: Die Ölklumpen stammen seiner Aussage nach vom Golf von Mexiko/USA. Kosellek habe sie dort zwei Wochen nach der Umweltkatastrophe im April 2010 auf der havarierten Bohrinsel »Deepwater Horizon« gesammelt, bei der schätzungsweise mehrere Hundert Millionen Liter Rohöl ins Meer strömten. Aus diesem Ereignis heraus konzipierte Koselleck sein künstlerisches Langzeitkonzept »Feindliche Übernahme von BP« – von dem Erlös seiner Ölklumpen-Werke kauft der Heidelberger Aktien des Konzerns, um ihn irgendwann, Koselleck rechnet damit in 250 Jahren, zu übernehmen.

Kühlschrank-Magnet mit KZ-Motiv

Ein weiteres Exponat zeigt eine »Baustelle«: Zu sehen ist ein großformatiges Postkarten-Motiv, das den Wachturm eines ehemaligen Konzentrationslagers in Polen im Sonnenuntergang zeigt: Dieses auf den ersten Blick romantische Bild will Koselleck im Touristik-Laden des KZs entdeckt haben, ebenso wie kleine Kühlschrank-Magnete, die ebenfalls Ansichten des früheren Vernichtungslagers zeigen. Der Künstler findet, dass auf diese Weise die Würde des historischen Ortes beschädigt wird. Alle Informationen zur Ausstellung im Web:

www.kunstverein-gt.de

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