Gütersloh: BfGT fordert, auf Hausabriss an Parseval- und Zeppelinstraße zu verzichten
Stadt soll Flüchtlingsheime erhalten

Gütersloh (WB). In der Stadt sind 2261 Menschen wohnungssuchend gemeldet. Hinzu kommen gut 100 obdachlose Menschen. »In dieser Situation dürfen die Flüchtlingsunterkünfte an der Parseval- und Zeppelinstraße nicht einfach abgerissen und durch ein Gewerbegebiet ersetzt werden«, sagt Norbert Morkes, Sprecher der Ratsfraktion der Bürger für Gütersloh (BfGT).

Mittwoch, 06.11.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 05:20 Uhr
Ali Alhassan (links) und sein Vater Abdumunem (Dritter von links) informieren Norbert Morkes, Tassilo Hardung und Andreas Müller von der BfGT. Foto: Stephan Rechlin

Bei den Flüchtlingsunterkünften handelt es sich um Reihenhäuser, die für britische Armeeangehörige gebaut wurden. Als Fahrlehrer hatte BfGT-Ratsherr Tassilo Hardung die Möglichkeit, in die Wohnungen hineinzuschauen, wenn er seine Fahrschüler dort abholte: »Sämtliche Wohnungen sind in einem ausgezeichneten Zustand. Es wäre eine Schande, solche Immobilien in Zeiten der Wohnungsnot einfach abzureißen.«

Zum Beweis öffnet die Familie Alhassan der BfGT ihre Tür an der Zeppelinstraße. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren hier, Eltern und vier Söhne sind inzwischen anerkannte Flüchtlinge. Sie sind aus der schwer zerstörten Stadt Aleppo gekommen, waren anderthalb Jahre auf der Flucht, sind beschossen und beschimpft worden und möchten nie wieder nach Syrien zurück, auch wenn der Krieg dort irgendwann einmal enden sollte. »Zurück? Wohin? Unser Haus, unsere Straße, unser Leben – es ist alles zerstört«, lässt Vater Abdumunem seinen ältesten Sohn Ali (16) übersetzen. Ali besucht die achte Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule und kann schon richtig gut Deutsch.

Angst vor Wohnungsverlust

Alle Familien in der Siedlung – gut 250 bis 300 Menschen – lebten in Angst vor dem Verlust ihrer Wohnungen. »Wo sollen sie hier auch hin? Es gibt in Gütersloh keinen bezahlbaren Wohnraum«, stellt Norbert Morkes fest. All’ den anderen Wohnungssuchenden in Gütersloh sei auch nicht geholfen, wenn aus den Siedlungen in Kasernennähe plötzlich weitere Konkurrenten auf den Markt strömten.

Andreas Müller, Vorsitzender des Immobilienausschusses, hält einen Mix aus Wohnen und Gewerbe in der Siedlung langfristig für möglich: »Wir planen ja kein Industriegebiet mit Hochöfen. Wenn die Stadt die Planungshoheit hat, dann kann sie auch festlegen, was dort passieren soll.«

Ratsfrau Sylvia Mörs setzt auf Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima): »An der Thomas-Mann-Straße hat sie ja auch umdisponiert und vermietet die Häuser jetzt. Warum nicht auch in dieser Siedlung?« Mit einem entsprechenden Antrag wird die BfGT in den Hauptausschuss am 11. November ziehen.

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