Vergewaltigungsprozess: Neun Organisationen warnen vor Verharmlosung
»Es geht um Gewalt«

Gütersloh(WB/rec). Am Mittwoch wird am Landgericht das Verfahren gegen neun Jugendliche fortgesetzt, die ein 14 Jahre altes Mädchen in Harsewinkel sexuell misshandelt haben sollen. Neun Organisationen und Verbände, darunter die Gleichstellungsstelle des Kreises Gütersloh, protestieren in einer Stellungnahme gegen die Wortwahl einer der Anwälte der angeklagten Jugendlichen.

Dienstag, 08.10.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 14:56 Uhr
Neun Organisationen warnen vor verharmlosenden Worten im Vergewaltigungsprozess gegen neun Jugendliche. Foto: Carsten Borgmeier

Die Formulierungen, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um »eine typische Gruppe von Jugendlichen, eine Clique von Jungs« und bei der Tat um einen »Lehrbuchfall der Gruppendynamik«, der nichts mit dem Kulturkreis, aus dem sie stammen, zu tun habe, handele, sowie dass es »eher typisch für ihr jugendliches Alter, da wurde von der Pornografie abgeguckt«, sei, ist für die Organisationen ein »typischer« Ausdruck von Verharmlosung und Sexismus. Sie fragen: »Möchte der Anwalt damit andeuten, dass in einem solch ›lehrbuchartigen Fall von Gruppendynamik‹ die ›Jungs‹ wenig alternativen Handlungsspielraum hatten? Soll der kumpelhaft anmutende und verjüngende Begriff ›Jungs‹ statt ›Jungen und junge Männer‹ andeuten, dass ›Jungs‹ in dem Alter eben noch keine wirkliche Verantwortung übernehmen können, eben ›so sind‹ und ›was will man da machen‹?«

Gruppenvergewaltigungen gehörten zum Glück nicht zu den typischen psychologischen Lehrbuchbeispielen von Gruppendynamikprozessen, sondern sind als besonders schwere Form von sexualisierter Gewalt zu klassifizieren und jederzeit so zu benennen.

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