»Sonny Boys« im Theater: Stück mit Heinrich Schafmeister überzeugt nicht
Konsequent auf Klamauk gesetzt

Gütersloh (WB). Es gibt diesen schönen Begriff von der Abstimmung mit den Füßen. Wenn es danach geht, ist die Komödie »Sonny Boys« am Donnerstag Abend im Gütersloher Theater bei einem Teil des Publikums durchgefallen.

Sonntag, 06.10.2019, 10:30 Uhr
Heinrich Schafmeister (links) spielt in der Inszenierung des Landestheaters Detmold den Komiker Willie Clark, Jürgen Roth seinen früheren Partner Al Lewis. Die beiden »Sonny Boys« haben sich zwischendurch so gar nichts zu sagen. Foto: Stefan Lind

Denn während sich viele Besucher in der Pause für ein Getränk an der Theke anstellen, eilen andere eine Etage tiefer zur Garderobe, holen Mantel oder Jacke und gehen. Im zweiten Teil sind die Zuschauerreihen an einigen Stellen auffällig gelichtet. Und auch der Beifall ist am Ende eher höflich als begeistert, da können sich die Schauspieler noch so oft verbeugen.

Dabei sind die Voraussetzungen richtig gut. »Sonny Boys« ist ein bewährtes Boulevardstück aus der Feder von Neil Simon, oft auf die Bühne gebracht, mehrfach verfilmt, sogar eine Oscar-Nominierung gab’s 1975 für das Drehbuch. Hinzu kommt, dass sich ein bekanntes Fernsehgesicht angekündigt hat, das füllt den Saal. Heinrich Schafmeister steht auf der Bühne, bekannt aus Filmen wie »Comedian Harmonists« und Fernsehserien wie »Wilsberg«, »Polizeiruf 110«, »Tatort« und etlichen anderen Formaten.

Das Problem ist nur: Katja Wolff setzt in der Inszenierung des Landestheaters Detmold konsequent auf Klamauk. Alles ist mindestens eine Maßeinheit zu laut, zu schrill, zu undifferenziert. Wer gedacht hatte, munteres Chargieren, neudeutsch Overacting, habe man zuletzt bei Didi Hallervorden in den 70er Jahren erlebt, der erlebt ein unangenehmes Déja-Vu.

Enormes Fremdschämniveau

Zugegeben: Heinrich Schafmeister hat sich eine Rolle ausgesucht, in der er nicht sonderlich sympathisch wirkt. Das ist mutig. Er ist der ehemalige Komiker Willie Clark, der seinem früheren Partner Al Lewis (gespielt von Jürgen Roth) heute noch böse ist, dass der sich vor etlichen Jahren aus dem Showgeschäft verabschiedet und ihn quasi arbeitslos zurückgelassen hat. Clark hockt vereinsamt und gepeinigt von Selbstmitleid in einer kleinen Wohnung, einziger regelmäßiger Besucher ist sein Neffe und Agent Ben (Hartmut Jonas). Die beiden Altmeister raufen sich noch einmal für einen Auftritt zusammen, aber der misslingt. Clark erleidet einen Herzinfarkt.

Was eine an bestimmten Stellen anrührende Geschichte über Altersarmut und Vereinsamung werden könnte, scheitert an der Oberflächlichkeit, mit der diese Themen auf die Bühne gebracht werden. Dem ewig brüllenden und hadernden Willie Clark zuzuschauen ist irgendwann genauso ermüdend wie der Running Gag mit der Eingangstür, bei der man wahlweise ziehen oder drücken muss, je nachdem, wo man steht.

Und um das Klamaukniveau noch bewusst auf die Spitze zu treiben, erlebt das Publikum im zweiten Teil genau jenen Auftritt, für den die beiden Herren in der Geschichte des Stücks ein letztes Mal zusammen kommen. Im gleißenden Licht und mit eingespielten Lachern erreicht die Nummer aber ein enormes Fremdschämniveau, vor allem, wenn der grimassierende Schafmeister in seiner Rolle als komischer Arzt der Krankenschwester ständig auf ihren wippenden Hintern schauen muss. 140 Minuten soll das Stück laut Programmheft dauern, es ist aber schon 20 Minuten früher zu Ende – und das ist auch besser so.

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