Früherer Sänger von Jupiter Jones wirbt für offenen Umgang mit Erkrankung
Musiker spricht über seine Angststörung

Gütersloh (WB). Auch ein Leben als Musiker auf der großen Bühne bietet keinen Schutz: Eine Angststörung kann jeden treffen. Das hat Nicholas Müller, ehemaliger Frontmann der Band Jupiter Jones, auf extreme Weise selbst erlebt. In Gütersloh hat er darüber gesprochen und Mut gemacht.

Freitag, 04.10.2019, 11:00 Uhr
Nicholas Müller gilt als eine der schönsten Stimmen Deutschlands. In der Weberei hat der 38-Jährige auch einige Lieder über ein Leben mit einer Angsterkrankung vorgetragen.

Das Gefühl einer Panikattacke beschrieb er eingangs wie folgt: »Wenn man auf einer sehr hohen Treppe ausrutscht und sich so gerade wieder fängt – dieses Gefühl, bei dem der Körper in einen Ausnahmezustand geht und das Herz zu platzen scheint. So fühlt sich das an. Nur 30 bis 45 Minuten lang statt ein paar Sekunden.«

Zum Auftakt der fünften »Gütersloher Woche der seelischen Gesundheit« hatte die Flex Eingliederungshilfe als Teil des Bündnisses gegen Depression den 38-Jährigen eingeladen. Im voll besuchten Kesselhaus der Weberei berichtete Müller, was eine Angststörung mit ihm gemacht hat und wie er sie schließlich überwinden konnte. Seine Botschaft: keine Scham. Und: Die Dinge beim Namen nennen!

Begleitet von Liedern zum Thema nahm der Sänger und Autor die gebannten Zuhörer auf eine sehr persönliche Reise mit in seine Angsterkrankung, die ihn 2014 eine Musikkarriere mit Gold- und Platin-Schallplatten gekostet hat. »Ich bin mal eben wieder tot – wie ich lernte mit der Angst zu leben« ist der Titel des Buches, das er über diese Erfahrung veröffentlicht hat und aus dem er nun las.

Die Trauer um den Verlust der Mutter war das, was unter der Angst saß und diese immer wieder nach oben schob. Bis zu dieser Erkenntnis, die die Wende brachte, war es ein langer Weg: Viele Jahre harte Beruhigungsmittel, Panikattacken, »so heftig, dass du denkst, du stirbst«. Zum Schluss landet Müller alle zwei Wochen in der Notaufnahme. Die Angst ist zu groß. Er muss alles aufgeben, nicht nur die nächste Tour, sondern auch die Band Jupiter Jones. Zwei Klinikaufenthalte und gute Therapien verschaffen ihm dann das Rüstzeug, um sein Leben wieder zu meistern.

2015 gründete er die Band »von Brücken«. Zudem ist er Schirmherr der Deutschen Angsthilfe. Dennoch, es ist nicht alles wieder gut: Auch jetzt fällt ihn gelegentlich die Angst an. Der Unterschied: »Ich merke jetzt, wenn es kommt, und ich habe meine Skills, um es zu begrenzen.« Das hat er in der Therapie gelernt.

Schätzungsweise zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Angstzuständen. Trotzdem ist das Thema noch immer ein Tabu. Betroffene müssen oft abwertende Kommentare von anderen ertragen. Nicholas Müller will das mit seinen Auftritten ändern: »Die Menschen sollen aus der Praxis kommen und darüber reden können, wie über jede andere Krankheit auch.«

Betroffenen empfiehlt er: »Die Angst als Begleiter akzeptieren. Und es gibt professionelle Hilfe. Traut euch, sie zu nutzen.«

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