Gütersloh: Verlustausgleich für Flughafen Paderborn-Lippstadt wird verdoppelt
Kreis checkt mit Flugangst ein

Gütersloh (WB). Der Kreis Gütersloh lässt die Flugzeuge in Paderborn-Lippstadt weitere vier Jahre starten und landen. So lange gleicht der Kreis den inzwischen doppelt so hohen Verlust aus. Die Zuversicht in die Zukunft des Flughafens aber bleibt am Boden.

Dienstag, 01.10.2019, 06:28 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 06:30 Uhr
Der Kreis Gütersloh steigt beim Verlustausgleich für den Flughafen Paderborn-Lippstadt für weitere vier Jahre mit ein. Foto: Jörn Hannemann

SPD, Grüne, FWG-UWG, Linke und FDP hätten im Kreistag die Kraft gehabt, den doppelten Zuschuss zu verweigern und damit den Anfang vom Ende des neuen Gütersloher »Heimatflughafens« einzuleiten. Doch weil vor allem sieben SPD-Abgeordnete fehlten, ohne ihre Vertreter verständigt zu haben, kamen diese Fraktionen und Gruppen zusammen nur auf 24 statt 31 Stimmen. Damit reichten der CDU-Fraktion ihre 26 Mitglieder, um den Flughafen zu retten; Landrat Sven-Georg Adenauer stimmte ebenfalls zu.

Kein Totengräber

Als wirtschaftsstärkster Kreis wolle Gütersloh mit seinen acht Prozent Gesellschafteranteilen nicht zum Totengräber des Flughafens werden, lautete das wichtigste Argument der Befürworter. Der scharfen, nüchternen Zustandsanalyse der grünen Fraktionschefin Helga Lange aber widersprachen auch sie nicht. Die Thomas-Cook-Pleite werde sich mittelfristig auch auf Paderborn-Lippstadt auswirken.

Die neuen Klimagesetze würden zudem Inlandsflüge dermaßen verteuern, dass es künftig günstiger sei, die großen Drehkreuze Frankfurt und München mit der Bahn zu erreichen. Weder zur Übernahme der Flugsicherungskosten noch zur Stärkung von Regionalflughäfen im Luftverkehrsplan gebe es irgendwelche Signale aus Bund und Land. Lange: »Wir werden von niemanden entlastet. Das Risiko wird weiter wachsen und die Defizite werden weiter steigen.« Johannes Sieweke (FWG-UWG) schloss sich dieser Interpretation mit dem Wunsch an, dem Schrecken ein Ende zu bereiten.

Was wird aus Arbeitsplätzen?

Liane Fülling begründete die Ablehnung der SPD mit der Ignorierung ihrer Forderung nach einem stärkeren Engagement der Wirtschaft: »Seit Juni gab es dazu nicht einmal ein einziges Treffen.« Hartwig Fischer (FDP) empfahl, die Kreis-Anteile an der Flughafen-GmbH zu verkaufen oder aber binnen einen Jahres aus dem Vertrag auszusteigen.

Die Haltung der SPD habe den CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Sökeland überrascht: »In Dortmund unterhält die SPD den größten Subventionsempfänger unter allen regionalen Flughäfen, in Paderborn-Lippstadt gibt die Partei mal eben ein paar tausend Arbeitsplätze einfach so auf.« Natürlich sei der Landrat nach den Sommerferien nicht mal eben mit einem Scheck von Bertelsmann zurückgekehrt: »Noch im Oktober wird im Aufsichtsrat aber über ein stärkeres Engagement der Wirtschaft geredet.« Die Zustimmung zum doppelten Verlustausgleich bereite auch ihm und seiner Fraktion Bauchschmerzen: »Wir gewinnen jetzt vier Jahre, in denen wir ja sehen werden, was aus den Konzepten wird.«

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