Vom kleinen Verein zum professionellen Bildungsträger: Arbeitslosenselbsthilfe Gütersloh beschäftigt jährlich 2400 Menschen
Den Weg in die Arbeit erleichtern

Gütersloh (WB). Die Arbeitslosenselbsthilfe (ash) Gütersloh hat in den 33 Jahren ihres Bestehens eine bemerkenswerte Entwicklung genommen: Vom ehrenamtlich strukturierten Beratungs- und Informationsanbieter hat sich der Verein zu einem professionell tätigen, anerkannten Bildungsträger profiliert.

Samstag, 07.09.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 07.09.2019, 05:20 Uhr
Oberstes Ziel ist es, Menschen den Übergang in Ausbildung und Arbeit zu ermöglichen oder zu erleichtern. Mit dieser Prämisse geht die Arbeitslosenselbsthilfe jedes Jahr neu ins Rennen. Wie erfolgreich dies gelingt, zeigte Anfang 2019 die Verabschiedung von 19 Auszubildenden und einem Umschüler.

Der Grundgedanke: Erwerbslose oder von Erwerbslosigkeit bedrohte Menschen nicht auf das Abstellgleis zu schieben, sondern ihre Potenziale und Stärken zu entwickeln und die Klienten durch Fortbildung auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Die Arbeitslosenselbsthilfe stellt sich beim zweiten Gütersloher Bürgertag am Samstag, 7. September, von 11 bis 18 Uhr auf dem Dreiecksplatz und dem Theodor-Heuss-Platz vor.

Betroffene haben sich zusammengeschlossen

Die ash gründete sich 1986 als Verein in der Alten Weberei. Persönliche Isolation und finanzielle Notlagen führten damals eine kleine Gruppe von Arbeitslosen zusammen, weil die sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden wollten. Zwölf Männer und Frauen zwischen 18 und 55 Jahren fanden damals mit der Einrichtung eines Cafés, mit Sportkursen und Informationsabenden Wege aus ihrer desolaten Lage. Bis heute leben und entwickeln sich diese Grundsätze weiter.

Der ökologische Ansatz, Wege zu einer anhaltend wirksamen klimafreundlichen Lebensweise zu finden, bekommt immer mehr Gewicht. Und mit der Digitalisierung ihrer Lehr- und Lernmethoden hat die Arbeitslosenselbsthilfe bewiesen, wie zeitgemäße Lösungen für sich verändernde Anforderungen gefunden werden können.

»Eine erfolgreiche Arbeit kann langfristig nur geleistet werden, wenn sich möglichst viele Personen, nicht nur Arbeitslose, dort engagieren« und »Die Verwirklichung der Ziele des Vereins wird erreicht durch Unterhaltung einer Einrichtung zu Beratung, Begleitung und Weiterbildung von Arbeitslosen, Schaffung von Kontaktmöglichkeiten untereinander sowie zu Arbeitnehmern und Unternehmen«: So heißt es noch heute in der Satzung.

Eröffnung des Möbellagers war ein wichtiger Schritt

Ihren ersten wichtigen Schritt ging die Arbeitslosenselbsthilfe im Sommer 1987, als sie in der Weberei ein Möbellager eröffnete und über eine Förderung durch das Land NRW selbst als Arbeitgeber für zuvor Arbeitslose auftrat. Hier prägte sich der ökologische Grundgedanke der Vereinsmitglieder und -mitarbeiter aus: Bei der Verwertung von gebrauchten Möbeln wurde damals schon der umweltschonende Gedanke aufgenommen, (Sperr-)Müll zu vermeiden und Menschen, die sich keine Neuware leisten konnten oder wollten, gute gebrauchte Waren zur Verfügung zu stellen. Nach wie vor bietet die heutige ash über ihre Sozialkaufhäuser Fundus (Gütersloh), Möbel & Mehr (Steinhagen) und La Mina (Schloß Holte-Stukenbrock) aufgearbeitete Möbel und Kleidung zu fairen Preisen an.

Ob es ökologisches Bauen oder die Beratung von arbeitssuchenden Frauen war: Stets hatte der Arbeitslosenselbsthilfe e.V. sein Ohr am Puls der Zeit, war oft sogar Vordenker. Heute hat er sich auf den Feldern Beratung und Anstellung von Langzeitarbeitslosen mit ökologisch geprägten Projekten in Kombination mit Beschäftigung – etwa durch Wiederverwertung von Wegwerfmaterial sowie Bildungs- und Weiterbildungsangebote – breit und leistungsstark aufgestellt.

100 Festangestellte sind inzwischen mit dabei

Im Jahr 2017 hat sich der Verein Arbeitslosenselbsthilfe e.V. umstrukturiert. Seitdem ist er alleiniger Gesellschafter der ash Gütersloh gGmbH, eines zertifizierten Bildungsträgers mit mehr als 100 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Darunter Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer, Psychologinnen und Psychologen, Handwerksmeisterinnen und -meister sowie zertifizierte Ausbilder. 70 Azubis und durchschnittlich 2.400 Teilnehmer absolvieren jährlich die verschiedenen »Maßnahmen«.

Das Jobcenter des Kreises Gütersloh, die Agentur für Arbeit und das Land NRW sind jetzt die wesentlichen Auftraggeber für viele Programme. Potenzialanalyse, Berufsorientierung, Ausbildung und (Teilzeit-)Umschulung sind zentrale Hilfen, die kontinuierlich abgerufen werden können. Außerdem kann die Gesellschaft eine Beratungsstelle für Erwerbslose und eigene Beschäftigungsangebote vorhalten sowie an mehreren Standorten in Gütersloh Übungs- und IHK-geprüfte Ausbildungswerkstätten und Schulungsräume zur Verfügung stellen.

Ehrenamtlich arbeitende Mitglieder des Trägervereins sind heute immer noch als Ideengeber gefragt. Um Ideen zu verwirklichen, nutzen die Unterstützer ihre persönlichen Netzwerke. Überdies ist der Arbeitslosenselbsthilfe e.V. ein Teil des sozialen Gütersloher Netzes: Er beteiligt sich regelmäßig an Veranstaltungen wie der Vesperkirche, an der Armutskonferenz, am Bürgertag und am Digitalen Aufbruch.

WB-Serie: 4 Tage – 4 Vereine

An diesem Samstag, 7. September, wird in Gütersloh der zweite Bürgertag veranstaltet. In der Zeit von 11 bis 18 Uhr präsentieren sich Vereine und Initiativen auf dem Dreiecksplatz und dem Theodor-Heuss-Platz. Im Vorfeld gibt es vier Porträts von Vereinen aus Gütersloh.

Vorgestellt werden in dieser Serie der Gütersloher Turnverein (Mittwoch) , Verein »Trotz Allem« (Donnerstag) , Deutscher Alpenverein (Freitag) und Verein Arbeitslosenselbsthilfe Gütersloh (Samstag).

 

Wolfgang Terwey – ein Mann der ersten Stunde: Terwey ist Gründungsmitglied und war zeitweise Vorsitzender der Arbeitslosenselbsthilfe. Viele Jahre war er auch als Geschäftsführer der gemeinnützigen ash GmbH aktiv.

Wolfgang Terwey – ein Mann der ersten Stunde: Terwey ist Gründungsmitglied und war zeitweise Vorsitzender der Arbeitslosenselbsthilfe. Viele Jahre war er auch als Geschäftsführer der gemeinnützigen ash GmbH aktiv.

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