Ausstellung beleuchtet 100-jährige Geschichte des LWL-Klinikums
»Heilanstalt« hat ausgedient

Gütersloh (WB). An der Wand hängt eine große alte Karte. Sie zeigt die Gebäude der »Provinzialheilanstalt Gütersloh« aus der Vogelperspektive. Heute ist »LWL-Klinikum« die richtige Bezeichnung. 100 Jahre Geschichte liegen dazwischen, aufgearbeitet in einer Ausstellung, die von Sonntag an im Stadtmuseum zu sehen ist.

Samstag, 07.09.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 07.09.2019, 11:50 Uhr
Das waren noch Zeiten, als die Belegung der Zimmer an solchen Tafeln abzulesen war. Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (rechts) und Bernd Meißnest, stellvertretender ärztlicher Direktor des LWL-Klinikums, werfen eine Blick in die Ausstellung. Foto: Stefan Lind

Von April bis August waren zahlreiche Exponate bereits direkt im Klinikum zu sehen, es sind aber weitere Ausstellungsstücke hinzu gekommen. »Wir können hier mehr ins Detail gehen«, sagt Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth. Vor allem die Wechselwirkungen zwischen Stadt Gütersloh und Klinik sind den Ausstellungsmachern wichtig. So gibt es Informationen über Umfeldvereine wie den Zirkel, der 1991 sein erstes Haus einweihen konnte.

Spannend ist ein Rundgang auf jeden Fall. Nicht jeder weiß, dass die Klinikgebäude älter sind als die Einrichtung selbst. »Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Lager für Offiziere genutzt«, erläutert Bernd Meißnest, stellvertretender ärztlicher Direktor des LWL-Klinikums. Viele Exponate sind erstmalig in der Öffentlichkeit zu sehen. »Es gibt da eine wahre Schatzkammer im Klinikum«, sagt Jungbluth. Ein Gerät für die Elektroschocktherapie ist ebenso zu bestaunen wie eine Zwangsjacke oder eine Auswahl Psychopharmaka. Noch einmal Jungbluth: »Oft ist es leichter, mit solchen Sachen negative Seiten der Psychiatrie aufzuzeigen. Denn wie wollen Sie zum Beispiel die Enthospitalisierung von Langzeitpatienten illustrieren, die ab 1980 immer stärker wurde?«

Viele Exponate sind erstmals zu sehen

Aber das gehört zu einer geschichtlichen Betrachtung einfach dazu. So kamen aus Gütersloh schon Anfang der 1960er Jahre wichtige Impulse für die Entwicklung psychotherapeutischer Behandlungsansätze. Nur ein paar Jahrzehnte zuvor hatte dagegen das Euthanasieprogramm der Nazis dafür gesorgt, dass insgesamt 1017 Patienten deportiert und ermordet wurden.

Mit diesem dunklen Kapitel beschäftigt sich die Ausstellung »Psychiatrie im Nationalsozialismus«, die noch bis zum 12. Oktober in der Kreuzkirche auf dem Klinikgelände zu sehen ist. Die Exponate im Stadtmuseum sind bis zum 10. November zugänglich, zu den üblichen Öffnungszeiten. An diesem Sonntag, 8. September, ist um 11.30 Uhr eine kleine Vernissage mit kurzen Vorträgen zum Thema, der Eintritt ist den ganzen Tag frei. Um 14.30 Uhr folgt eine Führung, die auf Wunsch der Besucher auch im LWL-Klinikum fortgesetzt werden kann. Dort gibt es anlässlich des Tags des offenen Denkmals um 11 und 14 Uhr eine Führung über den denkmalgeschützten Friedhof (Treffpunkt Kreuzkirche) und um 12 Uhr zusätzlich einen Vortrag dazu.

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