Städtisches Gymnasium Gütersloh wird diesmal 197 Schüler bis zum Abitur führen
»Niemand muss stehen«

Gütersloh (WB). Am Städtischen Gymnasium Gütersloh starten in diesem Schuljahr 197 Schüler der Einführungsphase in sieben Zügen zum Abitur. WB-Redakteur Stephan Rechlin fragt bei den Schulleitern Axel Rotthaus und Britta Jünemann nach, ob der höchste deutsche Schulabschluss durch eine Massenabfertigung seinen Wert einbüßt.

Donnerstag, 05.09.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 08:40 Uhr
Britta Jünemann und Axel Rotthaus sehen in der hohen Schülerzahl am Städtischen Gymnasium vor allem viele Möglichkeiten. Foto: Stephan Rechlin

In Kursen mit mehr als 30 Schülern müssen einige Jugendliche während des Unterrichts stehen, weil es keinen Sitzplatz mehr gibt. Ist das zulässig?

 

Axel Rotthaus: Es gibt gar keine Kurse mit mehr als 30 Schülern. Nur der Unterricht der Einführungsphase ist in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Sport in Zügen, also Parallelklassen, organisiert. Da sind dann 27 bis 29 Schüler in jeder Lerngruppe. Aller anderer Unterricht läuft in Kursen und, weil wir so viele Schüler haben, können wir die Fächer meist in mehreren parallelen Kursen anbieten, die dann mit etwa 24 bis 26 Schülern besetzt sind. Eine ganze Reihe von Kursen, zum Beispiel die Projektkurse, ist deutlich kleiner. Im vergangenen Schuljahr mag es eine Ausnahme gegeben haben, weil viele Schüler unbedingt in den Vormittags-Kursus eines Zusatzfaches wollten, um sich den Freitag-Nachmittag freizuhalten. Das wollten sie so und es war auch in Ordnung. Stehen musste niemand.

 

Britta Jünemann: Wegen des krankheitsbedingten Ausfalls eines Mathe-Leistungskurs-Lehrers hatte ein Kollege im vergangenen Schuljahr angeboten, dessen Kurs während der Krankheitsphase gleichzeitig mit seinem eigenen zu leiten. Dadurch waren kurzfristig mehr als 40 Schüler in dem Doppelkurs. Das war im Sinne der Schüler und es hat ebenfalls ausgezeichnet geklappt.

Dennoch – 197 Schüler in einem Oberstufen-Jahrgang. Das erinnert an die Auswüchse der Massen-Unis in den achtziger und neunziger Jahren.

 

Rotthaus: Och, wir hatten auch schon mehr. Um die 200 Schüler hatten wir zuletzt eigentlich immer in den Abi-Jahrgängen. Die höchste Zahl war meiner Erinnerung nach einmal 220.

 

Jünemann: Die hohe Schülerzahl eröffnet uns doch hervorragende Möglichkeit. So können wir sogar in jenen Fächern Leistungskurse anbieten, die mit weniger Schülern meist nicht zustande kommen. Zum Beispiel in Informatik, Kunst, Französisch, Geschichte, Erdkunde, Sozialwissenschaften, Physik, Biologie und Chemie. In den gängigen Lei-stungskursfächern Mathe, Englisch, Deutsch, können wir gleich zwei Leistungskurse auf verschiedenen Zeitschienen anbieten. Das wiederum eröffnet unseren Schülern interessante Kombinationsmöglichkeiten.

 

Rotthaus: Darüber hinaus intensivieren wir die Kooperation mit dem Evangelisch-Stiftischen Gymnasium in ausgewählten Fächern.

Jedes noch so üppige Unterrichtsangebot hängt doch von der Zahl der Lehrer an einer Schule ab. Ist das Städtische Gymnasium auf einen neuen Jahrgang mit 197 Oberstufenschülern vorbereitet?

 

Rotthaus: Zum Schuljahresstart sieht es gut aus, da gibt es keine Klagen. Im Laufe des Schuljahres werden jedoch drei bis vier Kollegen in den Ruhestand wechseln. Dann wird es schon etwas schwieriger. Wir stehen in engem Kontakt mit der Bezirksregierung, die unseren Bedarf kennt. Wir versuchen auf jeden Fall, Ersatz für die pensionierten Kollegen zu bekommen.

Nach Auskunft der Bezirksregierung sind die Gymnasien in Ostwestfalen-Lippe so gut besetzt, dass es in diesem Schuljahr keine Neueinstellungen geben wird.

 

Rotthaus: Das ist korrekt. Die vom Land neu eingestellten Lehrer werden vor allem in anderen Schulformen im Rheinland und im Ruhrgebiet eingesetzt. Das erschwert die Situation für uns. Dennoch setze ich darauf, mit der Bezirksregierung eine Lösung zu finden.

Einige Schüler kritisieren die zeitliche Ansetzung von Klausuren. Wochenlang passiere gar nichts, dann auf einmal hagele es zwei, drei Klausuren und ein paar Tests in nur einer Woche.

 

Jünemann: Pro Tag darf nur eine Klausur geschrieben werden. Pro Woche sind drei Klausuren möglich. Die Kollegen vereinbaren untereinander, in diesen Klausurphasen keine Tests schreiben zu lassen. Deshalb erstellen die Schulen Klausurpläne - an diese Terminvorgaben müssen sich alle Lehrer halten, sonst funktioniert es nicht. Schwierig wird es natürlich, wenn Klausuren nachgeschrieben werden müssen, weil entweder der Schüler krank war, oder der Lehrer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6900656?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Kriminalität in Corona-Krise um 23 Prozent gesunken - viele Verstöße
Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa/Archiv
Nachrichten-Ticker