Pater-Noldus-Aktion unterstützt Waisenhaus in Indonesien – beim Bürgertag dabei
Für jedes Kind ein eigenes Bett

Gütersloh-Avenwedde (WB). Den Anblick der beiden Mädchen wird Hermann Hermjohannknecht wohl nie vergessen: Mit Tränen in den Augen berichten sie, dass sie keine Schule mehr besuchen dürfen, weil den Eltern das Geld fehlt. Heute arbeiten die zwei indonesischen Frauen als Hebammen und der Avenwedder hat schon seine nächste Aktion abgeschlossen.

Donnerstag, 05.09.2019, 08:00 Uhr
Bei seinem jüngsten Besuch in Indonesien war Hermann Hermjohannknecht (hinten Mitte) mit Hedwig Verlsteffen (links) Pauline Hüsken (3. von links) und Sven Hüsken (4. von links) auch in dem Kindergarten zu Besuch, den er einst bauen ließ. Foto: PNA

Gerade kommt der 88-Jährige von einer Reise mit Hedwig Verlsteffen, Sven Hüsken und dessen Tochter Paulina aus Indonesien zurück, wo er mit Hilfe der Pater-Noldus-Aktion (PNA) ein Waisenhaus umgebaut hat. Als der Missionar Pater Karl Noldus 1965 in Avenwedde über die Armut der Menschen in Indonesien berichtete, fassten Hermann Hermjohannknecht und seine Mitstreiter den Beschluss zu helfen. Sie gründeten die Pater-Noldus-Aktion und schickten in den vergangenen fünf Jahrzehnten dank Spenden aus der Region und aus ganz Deutschland mehr als 800 Kisten und Container auf die Insel Celebes in Südostasien.

In dieses Waisenhaus für 16 Jungen und Mädchen in Sangalla hat die PNA in den vergangenen drei Jahren 20.000 Euro investiert.

In dieses Waisenhaus für 16 Jungen und Mädchen in Sangalla hat die PNA in den vergangenen drei Jahren 20.000 Euro investiert.

Seit 54 Jahren helfen sie

»In den vergangenen 54 Jahren haben wir einen großen Fortschritt beobachtet«, sagt Hermjohannknecht. Waren es in den ersten Jahrzehnten noch Sachspenden wie Lebensmittel, Kleidung und Medikamente, so sei es heute in erster Linie Geld, das benötigt werde. »Man kann in Indonesien alles kaufen«, erklärt der Gründungsvater der PNA. »Hilfe zur Selbsthilfe« laute heute das Ziel.

Deswegen haben bei dem jüngsten Projekt, dem Umbau des Waisenhauses in Sangalla im Erzbistum Makassar, einheimische Tischler den Zuschlag für den Bau von Stockbetten bekommen. »Ein Großauftrag für den Zwei-Mann-Betrieb«, sagt Hermjohannknecht, der selbst früher als Tischler gearbeitet hat und lange Küster der Herz-Jesu-Gemeinde Avenwedde war. Drei Jahre hat das jüngste Projekt in Anspruch genommen.

Mit Hilfe von Spenden von 20.000 Euro, zu denen die Kolpingsfamilie Gütersloh-Zentral einen beachtlichen Beitrag geleistet hat, wurden die Waisenkinder in Doppelzimmer mit Bett und Schreibtisch untergebracht. Jedes Kind sein eigenes Bett. Außerdem hat die PNA dafür gesorgt, dass nicht mehr über dem offenen Feuer mit Wasser aus dem Fluss gekocht werden muss. Heute hat das Waisenhaus für die 16 Jungen und Mädchen eine Küche mit Gasherd und Wasserleitung, sanitäre Anlagen und einen Gemeinschaftsraum.

Inodesischer Staat lässt Waisenkinder im Stich

»Waisenkinder werden in Indonesien in keiner Weise vom Staat unterstützt«, weiß Hermjohann-knecht, der die Projekte in den vergangenen Jahrzehnten mit Hilfe der Erzdiözese vor Ort realisiert hat. Jedes Jahr hat der 88-Jährige den 17-stündigen Flug mit Zwischenstopp in Singapur ein- bis zweimal auf sich genommen – mal in Begleitung seiner Familie, mal gemeinsam mit Förderern.

Über diesem offenen Feuer hat das dreiköpfige Betreuerteam gekocht. Wasser gab’s im Fluss.

Über diesem offenen Feuer hat das dreiköpfige Betreuerteam gekocht. Wasser gab’s im Fluss.

Auf diese Weise konnten Projekte wie der Bau eines Kindergartens, eines Kolping-Ausbildungszentrums oder einer Poliklinik mit Hebammenstation realisiert werden. 36 Patenschaften haben Hermann Hermjohannknecht und seine Frau Maria in den vergangenen Jahrzehnten vermittelt (siehe Kasten). Selbst haben sie einen Pflegesohn, der nach dem Studium in Deutschland als Techniker zurück gegangen ist. Er gibt sein wertvolles Wissen in Südostasien weiter.

Am kommenden Wochenende sind Hermann und Maria Hermjohannknecht mit ihrem Team der Pater-Noldus-Aktion beim Bürgertag an der Stadthalle in Gütersloh vertreten. Dort werden sie von ihrer Arbeit und ihrem jüngsten Projekt berichten. Außerdem zeigen sie an Stellwänden jede Menge Fotos und Erinnerungen aus den vergangenen 54 Jahren.

Die nächste Generation der PNA steht in den Startlöchern: Sohn Rafael ist Schriftführer im Verein, Sohn Reinhard ist im Vorstand. Doch ans Aufhören denkt Hermann Hermjohannknecht noch nicht: »Wenn der Herrgott will, feiere ich meinen 90. Geburtstag in Indonesien«, so der Gründer.

www.pater-noldus-aktion.de

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