Gütersloh: Evangelische Gemeinde steht vor neuen Einschnitten
Eine Kirche im Norden reicht aus

Gütersloh (WB). Zwei Kirchen, drei Möglichkeiten. Die Evangeliumskirche im Gütersloher Norden wird entweder weiter genutzt und um einen Gemeindesaal ergänzt, dem langfristigen Verfall preisgegeben oder aber in Kombination mit dem Gemeindehaus an der Kirche »Zum Guten Hirten« weiter betrieben. Die Zeiten in der evangelischen Kirche Gütersloh werden wieder schwer.

Dienstag, 03.09.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 08:20 Uhr
Die Evangeliumskirche an der Straße »Auf der Benkert« steht unter Denkmalschutz. Ein Gutachten schlägt vor, sie wieder stärker zu aktivieren. Foto: Stephan Rechlin

Neun Jahre nach der großen Gemeindekonzeption, zu der alle Gemeinden in den fünf Regionen Stärke- und Schwächeanalysen beisteuerten, steht die evangelische Kirche erneut vor tiefen Einschnitten. Bis zum Jahre 2060 wird sie die Hälfte ihrer gut 20.000 Mitglieder verlieren und nur noch über die Hälfte ihres bisherigen Budgets verfügen. Mag Gütersloh auch nicht so schnell wie andere Gemeinden in Nordrhein-Westfalen schrumpfen – die 2022, 2024 und 2029 frei werdenden Pfarrstellen werden keinesfalls wieder besetzt. So viel steht laut Presbyteriums-Vorsitzenden Eckhard Heidemann jetzt schon fest.

Niemand wollte Kirche kaufen

Zu den Sparbeschlüssen der vergangenen Jahre zählte der Verkauf der zwischen 1958 und 1960 erbauten Evangeliumskirche an der Ecke Brockhäger Straße/Auf der Benkert. Doch das hat bis heute nicht funktioniert. Niemand wollte bislang ein im Oktagon-Stil gebautes Gebäude erwerben, das zwischen Altar und Ausgang ein Gefälle von 80 Zentimetern hat, dessen Grundplatten-Ausbau schon so viel wie ein neues Haus kostet und das auch noch unter Denkmalschutz steht. In einem neuen Gutachten wird der Gemeinde darum empfohlen, die Kirche einfach weiter zu nutzen. Das ist durchaus möglich, wie der Förderverein Evangeliumskirche mit Konzerten, Lesungen und regelmäßigen Gottesdiensten zeigt.

Das würde allerdings bedeuten, dass die Gemeinde die gerade erst frisch sanierte Kirche »Zum Guten Hirten« an der Kahlertstraße aufgeben müsste. Sie könnte dem Gutachten zufolge mit Hilfe von Zwischenebenen zu Seniorenwohnungen umgebaut werden. Aus dem benachbarten Gemeindehaus könnte eine dazu passende Tagespflegeeinrichtung werden.

Kein Gemeindehaus

All das sind Vorschläge, die am vergangenen Sonntag nach dem Gottesdienst in einer Versammlung in diesem Gemeindehaus beraten wurden. An der Evangeliumskirche wäre so eine Versammlung nicht möglich gewesen – sie hat kein Gemeindehaus. Eckhard Heidemann: »Allerdings könnte man dort einen Gemeindesaal anbauen.« Oder aber man nutze die Kirche an der einen und das Gemeindehaus an der anderen Stelle.

Noch sei jedenfalls gar nichts entschieden. In vier Arbeitsgruppen wurden die Vorschläge zunächst weiter beraten. Im Februar kommenden Jahres wird noch mal eine Gemeindeversammlung dazu einberufen. Eckhard Heidemann strebt eine Entscheidung bis April 2020 an. Knackpunkt ist die Frage, was aus der Evangeliumskirche wird, wenn es beim alten Presbyteriumsbeschluss bleibt. Wenn also ausschließlich die Kirche »Zum Guten Hirten« samt Gemeindehaus weiter genutzt und die andere Kirche weiter vergeblich verkauft werden soll. Heidemann: »Denkmalschutz bewahrt nicht vor langsamen Verfall und notgedrungenen Abriss.«

Presbyterium wird kleiner

In der Gemeindeversammlung am Sonntag wurde ferner vorgeschlagen, das Presbyterium bei den Wahlen im März 2020 von derzeit 36 auf 25 Mitglieder zu reduzieren. Die Region Süd würde gemäß ihrer Mitgliederstärke künftig sieben Mitglieder in das Gremium senden, die Region Nord sechs Mitglieder. Die Regionen West, Mitte und Ost wären mit jeweils vier Mitgliedern dabei. Eckhard Heidemann: »Die von der Landeskirche empfohlene Mindestzahl wären 16 Mitglieder. Dieser Schnitt war uns in einem ersten Schritt zu hart.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6896071?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Arminia drohen weitere Geisterspiele
Spiel vor leeren Rängen: Arminias Stürmer Fabian Klos (links) und Münchens David Alaba. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker