Mehr Stellenabbau – neue Finanzverwaltung in Polen Miele streicht Mitarbeitern Boni

Gütersloh (WB). Die Sparmaßnahmen beim Gütersloher Hausgerätehersteller Miele fallen umfangreicher aus als bisher bekannt. Das Unternehmen streicht in diesem Jahr nicht nur die üblichen Sonderzahlungen, sondern hat auch die Pläne für den Stellenabbau in Gütersloh ausgeweitet. Zudem ist in Polen eine neue ­Finanzverwaltung geplant.

Von Dunja Delker und Oliver Horst
Miele will im Gütersloher Waschmaschinen-Werk die Zahl seiner Mitarbeiter bis zum Jahr 2025 von bislang 2220 auf 1450 reduzieren. Der Stellenabbau soll dabei über die Nichtbesetzung frei werdender Stellen sowie Verrentung erfolgen
Miele will im Gütersloher Waschmaschinen-Werk die Zahl seiner Mitarbeiter bis zum Jahr 2025 von bislang 2220 auf 1450 reduzieren. Der Stellenabbau soll dabei über die Nichtbesetzung frei werdender Stellen sowie Verrentung erfolgen Foto: Oliver Schwabe

Der immer härter werdende Wettbewerbs- und Kostendruck ist ausschlaggebend für den Wegfall der Boni in diesem Jahr. Die Sonderzahlung war in den vergangenen Jahren im August deutschlandweit an Mitarbeiter gezahlt worden, die zum 1. Juli seit mindestens sechs Monaten in einem ungekündigten Anstellungsverhältnis standen. Die »freiwillige und übertarifliche« Leistung, wie Unternehmenssprecher Carsten Prudent betont, habe in den vergangenen Jahren zwischen zehn und 25 Prozent eines Monatsgehalts betragen. Bei 11.050 Mitarbeitern hierzulande dürfte Miele so einen größeren Millionenbetrag einsparen.

Reinhard Zinkann, neben Markus Miele geschäftsführender Gesellschafter, hatte im Juni erklärt, dass sich der Umsatz im Geschäftsjahr von Juli 2018 bis 30. Juni 2019 wieder positiv entwickelt habe. Die Branchenkonjunktur sei aber abgekühlt. Die Geschäftszahlen will Miele Anfang kommender Woche veröffentlichen.

770 Mitarbeiter weniger

Derweil sollen bis 2025 im Gütersloher Gerätewerk (GTG) 770 Mitarbeiter weniger arbeiten als heute. Bislang war von 500 Stellen die Rede gewesen. Wie Prudent erklärt, soll die Reduzierung von 2220 auf 1450 Beschäftigte in dem Leitwerk für Wäschetechnik ohne betriebsbedingte Kündigungen, sondern nur über Fluktuation und Verrentung erfolgen. Die Belegschaft sei Anfang Juli über diese Vorhaben informiert worden. Insgesamt arbeiten bei Miele in Gütersloh 5300 Menschen.

Das Waschmaschinen-Werk in Ksawerów bei Lódz (350 Mitarbeiter) soll Anfang 2020 mit der Produktion von Geräten im Preiseinstiegsbereich starten. Ebenfalls um den Jahreswechsel herum soll in der polnischen Stadt Posen das »Shared Service Center« (SSC) den Betrieb aufnehmen. Zunächst 20 Mitarbeiter bearbeiteten dann länderübergreifend Routinevorgänge bei der Buchhaltung und im kaufmännischen Berichtswesen, also der Aufbereitung von Geschäftszahlen.

Es sei weder der Erwerb einer Immobilie noch ein Neubau vorgesehen. Von Posen aus sollen erste Vertriebsgesellschaften pilotweise betreut werden. Ebenso wird erwogen, den Bereich der Rechnungsprüfung, der schon 2015 an einen polnischen Dienstleister übertragen worden war, dort wieder in Eigenregie durchzuführen. Welche Auswirkungen der SSC-Standort auf Deutschland hat, sei noch offen. »In alle Entscheidungen wird der Betriebsrat einbezogen«, heißt es.

Das sagt der Betriebsrat

Der Gesamtbetriebsrat begrüße die Streichung der Sonderzahlung natürlich nicht, sagte Vorsitzender Andreas Bernstein. Da es sich um eine außertarifliche, freiwillige Leistung handele, müsse dies aber akzeptiert werden. Den geplanten Stellenabbau in Gütersloh und die Entwicklungen in Polen könne der Betriebsrat noch nicht abschließend bewerten. »Wir sind noch in der Informationsphase.«

Auch im Bielefelder Miele-Werk könnten wegen der Arbeitsteilung bei Geschirrspülern mit dem Pendant im tschechischen Unicov etwa 180 von 1900 Stellen bis 2021 wegfallen, hieß es zuletzt.

Miele hat im Herbst 2018 die Unternehmensberatung McKinsey ins Haus geholt, um ein jährliches Einsparvolumen von mehr als 100 Millionen Euro auszuloten bei Gesamtkosten von rund 4 Milliarden. Das identifizierte Einsparpotenzial »besteht zum größeren Teil aus Sach- und Materialkosten«, hatte Zinkann zuletzt erklärt. Hinzu kämen Vorschläge zu administrativen Prozessen und verschiedenen Doppelstrukturen wie eine Optimierung der Logistik durch mehr länderübergreifende Lagerhaltung, hieß es. In diesen Wochen sollen konkrete Projekte benannt werden, die dann teils über Jahre umzusetzen wären.

Kommentare

Kompliziert

Der Preisdruck ist tatsächlich da, auch seit Samsung und LG ins Waschmaschinen-Geschäft eingestiegen ist. Jedem Kunden wird es aber zukünftig offenstehen, ein polnisches Einstiegs- oder ein deutsches High-End-Gerät zu erwerben.

Miele den Rücken kehren

Dann werde ich nie wieder eine Waschmaschine oder einen Staubsauger von Miele kaufen!
Für "Made in Poland" und gleichzeitigem Stellenabbau in Deutschland...Dann werde ich Miele nach 30 Jahren Treue halt den Rücken kehren.

Bitte

Bitte die Ware auch innder Nähe des neuen Standortes verkaufen....und bitte das schwache Wachstum hierzulande nicht beklagen.

3 Kommentare

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