Beim Kreis stehen die ersten Notfallsanitäter-Auszubildenden vor dem Abschluss
Erna und Willi halten Azubis auf Trab

Gütersloh (WB). Konzentriert fixieren seine Augen die Patientin. Ruhe bewahren. Tief Luft holen. Bereit? Bereit. Die linke Hand schiebt gekonnt den Kiefer nach unten – klappt den Mund auf. In der rechten Hand hält Azubi Lukas Dobschall den Endotrachealtubus.

Donnerstag, 08.08.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 15:50 Uhr

Das Hilfsmittel kommt bei einem Atem-Kreislaufstillstand zum Einsatz und stellt die Sauerstoffzufuhr beim Patienten sicher. Doch beim Einführen in die Luftröhre muss der Notfallsanitäter-Azubi aufpassen. Feingefühl und Geschick sind gefragt: Ansonsten könnte er der Patientin weitere Verletzungen zuführen oder die Zähne beschädigen. Diese Patientin würde es ihm aber wahrscheinlich nicht krumm nehmen: Übungspuppe Anna hat eine Mundhöhle aus Plastik.

Lukas Dobschall ist einer der vier ersten Notfallsanitäter-Auszubildenden beim Kreis Gütersloh. Nach drei Jahren hat er den Abschluss nun bald in der Tasche. »Die Ausbildung war sehr intensiv und praxisorientiert – selbst in der Schule«, erinnert sich Dobschall. Dort gibt es besondere Klassenzimmer, zum Beispiel die Wohnung von Erna und Willi. Die beiden sind zwei High-Tech-Puppen und ständig krank. Dann liegen sie im Pflegebett, müssen sich dann und wann übergeben und haben Herzprobleme.

In Teams untersuchen die Azubis die Patienten und müssen herausfinden was ihnen fehlt. Dabei kommen technische Instrumente wie beispielsweise das EKG zum Einsatz. Doch Erna und Willi sind richtige Pechvögel: Garten- oder Autounfälle sind bei ihnen die Regel. In der »Arena« treffen die Azubis erneut auf die Patienten. Diesmal müssen sie aus Fahrerkabinen gerettet werden oder haben sich mit der Kettensäge verletzt. Doch bevor die Azubis zum Einsatz bei Erna und Willi gerufen werden, dreht sich im ersten Lehrjahr alles um medizinische Grundlagen und die Kommunikation.

Zum Ende des ersten Jahres haben die Azubis den Dienst in ihrer jeweilige Stamm-Rettungswache gestartet: Dobschall hat das Team in Harsewinkel verstärkt. Ab dem zweiten Lehrjahr erfolgt die Ausbildung in Blockeinheiten: Schule, Rettungswache und Klinik-Praktika in der Anästhesie, im OP und auf der Intensivstation.

»Das erste Jahr ist noch Schonfrist. Ab dann geht es richtig ab, und die Azubis müssen Gas geben«, sagt Ausbildungsleiter Daniel Hermes. Denn wenn der Notruf eingeht, zählt jede Sekunde. Am Anfang fahren die Lehrlinge mit und dürfen bald mit dem Ausbilder an ihrer Seite die Einsätze führen. Im dritten Jahr übernehmen sie die komplette Einsatzleitung. »Das bedeutet, wir fahren den Wagen, stellen die erste Diagnose, entscheiden über die Behandlung und betreuen den Patienten bis zur Übergabe im Krankenhaus.« Zwischen den Schichten in der Rettungswache und den Schuleinheiten stehen für die Azubis noch Praktika auf dem Lehrplan. Dobschall war in der Intensivstation sowie im Kreissaal und erlebte dort zwei Geburten mit.

Dobschall und seine Azubi-Kollegen beenden ihre Ausbildung Ende August. Auch danach müssen sie sich stets wissenschaftlich auf dem neuesten Stand halten und praktisch im Training bleiben.

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