Behindertenbeirat sieht in Bussen Verbesserungsbedarf
Nur ein Rollstuhl darf mit

Gütersloh (WB). Für behinderte Menschen hat sich in Gütersloh vieles zum Positiven entwickelt: Das meint Annette Runte (50) vor allem im Hinblick auf barrierefreie Busse und Haltestellen. Doch sie sieht da jetzt auch ein Problem.

Mittwoch, 07.08.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 05:20 Uhr
Annette Runte kommt mit ihrem mehr als 150 Kilogramm schweren Elektro-Rollstuhl heute problemlos in die Stadtbusse. Das liege daran, weil Gütersloher Bushaltestellen und Fahrzeuge entsprechend barrierefrei modernisiert worden seien. Foto: Carsten Borgmeier

Runte setzt sich seit Jahren für die Belange von Behinderten ein – auch weil sie selbst im Rollstuhl sitzt. Nicht nur in ihrer Funktion als stellvertretende Vorsitzende des Gütersloher Behindertenbeirats lobt sie daher am Dienstag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT ausdrücklich die Stadt für den zügigen, barrierefreien Ausbau von rund 200 Haltestellen.

Fünf Mal die Mitfahrt im Bus verweigert

Und bei der Stadtbus Gütersloh GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke (SWG), hebt sie hervor, dass in dem Fuhrpark nur noch Fahrzeuge in Niederflur-Bauweise zu Einsatz kämen. Runte: »So ist es für uns Rollstuhlfahrer jetzt eigentlich überhaupt kein Problem mehr, ohne fremde Hilfe in die Stadt zu kommen. Eigentlich.« Denn der in Avenwedde lebenden, gelernten Krankenpflegerin und Fachangestellten für Arbeitsförderung sei 2019 schon bestimmt fünf Mal die Mitfahrt im Bus verweigert worden.

Häufig ist der Platz bereits besetzt

Der Grund: Der einzige Stellplatz im Bus für einen Rollstuhl sei schon besetzt gewesen. So sei ihr nur die Wahl geblieben, auf den nächsten Bus zu warten oder mit dem Rolli bis in die Stadt zu fahren. »Doch die Akku-Leistung ist auf eine Reichweite von gut 35 Kilometern beschränkt, bei schlechtem Untergrund weniger.«

Aufgrund der barrierefreien Haltestellen und der Niederflurbusse machen sich jetzt und in Zukunft viel mehr Rollstuhlfahrer auf den Weg, doch wenn sie Pech haben, müssen sie auf den nächsten Bus warten.

Annette Runte

Dass also immer nur ein Rollstuhl im Bus mitgenommen werden dürfe, sieht Runte als aufkommendes Problem: »Aufgrund der barrierefreien Haltestellen und der Niederflurbusse machen sich jetzt und in Zukunft viel mehr Rollstuhlfahrer auf den Weg, doch wenn sie Pech haben, müssen sie auf den nächsten Bus warten«, meint Runte. Grund dafür seien wohl Sicherheitsvorschriften, so die 50-Jährige: »Rollstühle wiegen zwischen 100 und 200 Kilogramm. Sie stehen bei der Mitfahrt im Bus nicht festgeschnallt auf einem dafür vorgesehenen Platz, auch der Mensch im Rollstuhl ist nicht angeschnallt«, so Runte. Müsse der Bus stark bremsen, könnten hintereinander stehende Rollstühle aufeinander rutschen und so große (Personen)-Schäden verursachen, berichtet Runte.

Richtlinie schreibt nur einen Platz vor

Von den Stadtwerken Gütersloh äußert sich Sprecherin Sina Schäffer: Sie verweist auf eine entsprechende Richtlinie der Europäischen Union (EU), der zufolge bei der Mitnahme von Rollstuhlfahrern ein Stellplatz samt notwendiger Schutzeinrichtungen vorhanden sein müsse. »Auf Basis dieser Vorschriften gilt für unsere Fahrzeuge: Alle Solo- und Gelenkbusse haben einen Rollstuhlplatz, der die notwendigen Sicherheitseinrichtungen aufweist. In diesen Bussen darf immer nur ein Rollstuhlfahrer befördert werden.«

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