Werner und Daniel Buschsieweke mit 50 Jahre altem Mähdrescher im Ernte-Einsatz
»Klein und schnuckelig sollte er sein«

Gütersloh (WB). Von klimatisierter Kabine fehlt jede Spur. Ganz zu schweigen von einer Servo-Lenkung – und die Schnittbreite beträgt bescheidene 2,80 Meter: Mit einem Mähdrescher-Oldtimer von 1970 sind Werner (60) und Daniel Buschsieweke (32) aus Spexard jetzt im Ernte-Einsatz gewesen.

Montag, 05.08.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 11:50 Uhr
Ohne Verdeck oder jeglichem anderen Komfort sitzt Daniel Buschsieweke (32) jetzt in der heißen Erntezeit mehrere Stunden täglich am Steuer des alten Fahr-Mähdreschers. Macht die Landmaschine Mucken, repariert er alles selbst. Foto: Meinolf Reimering

Das rote Gefährt zieht auf dem Kornfeld am Hüttenbrink eine mächtige Staubwolke hinter sich her. Der 68-PS-Dieselmotor der betagten Landmaschine rattert und knattert munter vor sich hin. Am Steuer sitzt – bei Gluthitze mit freiem Oberkörper und ölverschmiertem Gesicht – Daniel Buschsieweke, während sein Vater Werner vom Hof aus zusieht.

Auch der Traktor ist ein Oldie

Ist der Korntank des Mähdreschers nach einigen Bahnen voll, schwingt sich der Senior auf den bereitstehenden Eicher-Traktor (ebenfalls Baujahr 1970) mit Anhänger und tuckert zu dem Oldtimer der Marke Fahr zum Entladen hin. »Seit vier Jahren haben wir nun unseren eigenen Mähdrescher und sind von Lohnbetrieben nicht mehr abhängig«, berichtet Rentner Buschsieweke, der wie sein Sohn in Spexard die kleine Landwirtschaft mit großer Leidenschaft betreibt.

Ölverschmiert das Gesicht, doch der Fahr läuft wieder: Daniel (links) und Werner Buschsieweke kennen sich mit alten Landmaschinen aus.

Ölverschmiert das Gesicht, doch der Fahr läuft wieder: Daniel (links) und Werner Buschsieweke kennen sich mit alten Landmaschinen aus. Foto: Meinolf Reimering

Fast ihr gesamter Fuhrpark wäre auch in einem Museum gut aufgehoben, denn die Buschsiewekes schwören auf die alte Technik. »Da können wir noch fast alles selbst reparieren«, meint der 32-Jährige, der dem Mähdrescher im jüngsten Feldeinsatz kurzfristig auf die Sprünge helfen musste. Das ist nicht schlimm – im Gegenteil: Vater und Sohn lieben es, an den Jahrzehnte alten Maschinen zu tüfteln, zu schrauben, sie wieder in Gang zu bekommen. Ihr jetzt bald 50 Jahre alter Fahr ist dabei die neueste Errungenschaft: »Ich hatte schon immer von einem eigenen Mähdrescher geträumt. Nur klein und schnuckelig sollte er sein«, bekennt Werner Buschsieweke, der schließlich bei Ebay fündig wurde. In Cuxhaven bot jemand den M88 an, »aus Altersgründen abzugeben, aus erster Hand«, hieß es.

Von Klima-Anlage keine Spur

Die Spexarder fuhren hin, schauten ihn sich an und schlugen ein. Wenige Tage später sei der Mähdrescher (Gewicht: 4,4 Tonnen) per Tieflader an den Hüttenbrink gebracht worden. »Als wir ihn abluden, da sprang er sofort an«, erzählt mit Stolz Mechthild Buschsieweke (54), die Seniorchefin auf dem Hof.

In diesem Jahr rechnet die Familie mit einem Korn-Ertrag von rund zwölf Tonnen. Üblicherweise seinen es gut vier Tonnen mehr, aber dieses Mal sei es insgesamt zu trocken gewesen, berichtet Werner Buschsieweke, der auf seinem Hof noch elf Rinder mästet. Das Korn verkauft er. Im Gegenzug erhält er Futter für die Rinder.

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