Gütersloh: Gegen alle Prognosen steht der Baum vor Karstadt voll im Saft
Der Kastanie geht’s gut

Gütersloh (WB). Hitze, Trockenheit, die Miniermotte, das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi – die Kastanie auf dem Berliner Platz vor Karstadt müsste längst erledigt sein. Schon vor acht Jahren wurde ihr das kurz bevorstehende Ende vorhergesagt. Doch das kümmert sie nicht.

Samstag, 03.08.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 05:20 Uhr
Die Kastanie, das Wahrzeichen auf dem Berliner Platz, hält entgegen den Prognosen allen Witterungseinflüssen und Schädlingsangriffen stand. Gerade weil sie so alleine dort steht, hat sie weiterhin gute Überlebenschancen. Foto: Carsten Borgmeier

Sie hält nach wie vor mit grünen Blättern und einer voll ausgebildeten Krone die Stellung. Ein Schattenspender auf einem vollkommen durchasphaltierten Platz. Der stille Star des alljährlichen Gütersloher Frühlings. Ein auf einem Podest thronender Wachturm, offenbar entschlossen, auch noch Klimawandel und Klimakatastrophe zu überstehen.

Dabei gab es für die hoffnungslose Prognose vor acht Jahren gute Gründe. Das stäbchenförmige Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi hatte die ersten der insgesamt 700 Rosskastanien in Gütersloh befallen. Zunächst nässten die Bäume, dann waren Risse erkennbar. Nach drei Jahren lichteten sich die Kronen. Komplette Astpartien trockneten aus, obwohl es ausreichend geregnet hatte. Zur Sicherheit ließ die Stadt 50 von 100 befallenen Rosskastanien fällen, die meisten entlang der Berliner Straße, Richtung Bundesstraße 61. Es gab keinen Grund, warum ausgerechnet das Einzelexemplar vor Karstadt diesem Schicksal entrinnen sollte.

Kastanien sind trockenresistent

Der städtische Baumexperte Helmut Barteldrees ist nicht ganz so überrascht: »Grundsätzlich sind alle Kastanien relativ trockenheitsresistent. Hier kommt noch positiv eine Beschattung des Baumes durch das hohe Karstadt-Gebäude hinzu.« Viel gravierender seien für diese Baumart dagegen zwei Schädlinge. Das sei zum einen die Miniermotte. Sie sorge dafür, dass viele Rosskastanien schon im Sommer braune Blätter bekommen, teilweise falle das Laub ganz herunter. Der Baum sterbe davon zwar nicht ab, werde aber deutlich geschwächt. Barteldrees: »Die Tiere überwintern als Puppen im Falllaub. Da auf dem Berliner Platz das ganze Laub im Herbst entfernt wird, gibt es kaum Befall mit diesem Schädling.«

Kaum Ansteckungsgefahr

Zu anderen sei da eben das weitaus schlimmere Pseudomonas syringae. Einmal befallene Bäume könne man nicht mehr retten, sie stürben nach wenigen Jahren ab. Anzeichen für einen Befall mit Pseudomonas gebe es an der Karstadt-Kastanie zum Glück noch nicht: »Vermutlich, weil in der Nähe nur wenige weitere Bäume dieser Art stehen und eine Ansteckung daher schwierig ist.«

Schließlich kümmere sich die Stadt derzeit intensiv um die Bewässerung ihres Baumbestandes. Dirk Buddenberg, Fachbereichsleiter Umwelt: »In Gütersloh werden Jungbäume bis zum dritten Standjahr gewässert, weil bei ihnen – anders als bei älteren Bäumen – das Wurzelwerk zur Selbstversorgung noch nicht vollständig ausgeprägt ist.« Mit der Wässerung seien jene Garten- und Landschaftsbaufirmen beauftragt, die den Jungbaum gesetzt hätten. Die Betriebe seien verpflichtet, so zu wässern, wie es die Witterung erfordere.

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