Gütersloh: Letzter Pächter ist vor zwei Monaten über Nacht verschwunden
Kult-Kiosk schließt für immer

Gütersloh (WB). Plauderort, Szene-Büdchen, Rückzugsfleck: Das war der Gütersloher Kult-Kiosk an der Carl-Bertelsmann-Straße/Ecke Verler Straße. Jetzt ist Schluss. Für immer. Nachdem der letzte Pächter vor zwei Monaten über Nacht verschwunden ist, will Besitzer Peter Fortenbacher (52) nicht mehr: »Da kommen jetzt meine Fahrräder rein.«

Freitag, 02.08.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 08:20 Uhr
Besitzer Peter Fortenbacher will seinen legendären Kiosk an der Carl-Bertelsmann-/Ecke Verler Straße nicht mehr verpachten. »Die Bude ist schon seit zwei Monaten dicht. Jetzt stelle ich meine Fahrräder dort unter.« Foto: Wolfgang Wotke

Mehr als 60 Jahre lang versorgte der Kiosk die Menschen mit all dem, was sie kurzfristig benötigten: Getränke, Snacks, Brötchen, Zigaretten, Süßigkeiten oder Zeitschriften. Die bunte, 15 Quadratmeter große Holzbude hatte den Charme der fünfziger Jahre. In Gütersloh kannte sie jeder. Mutter Brunhilde Fortenbacher, die seit dem Tod ihres Mannes Wolfgang seit 1996 den Kiosk fast alleine geführt hat (ihre Söhne Peter und Volker haben oft ausgeholfen), sagte 2011 schweren Herzens »Adieu«. Freie Tage oder Urlaub hat sie ebenso wenig gekannt wie ihr Ehemann: 365 Tage im Jahr, von morgens um fünf bis spät abends hat sie in ihrem Holzverschlag gestanden. Egal, ob es Heiligabend, Ostersonntag oder Silvester war: Brunhilde Fortenbacher hat keine Pausen gekannt. Ein echter Vollzeitjob. »Der Abschied ist ihr schwer gefallen«, erinnert sich heute noch Sohn Peter. Sie habe es regelrecht genossen, wenn die Arbeiter von Miele oder Bertelsmann ihr Feierabendbier nach dem Schichtdienst vor ihrem Kiosk getrunken haben. Da sei immer etwas los gewesen. Brunhilde Fortenbacher ist im Dezember 2017 verstorben.

Zwei Versuche seit 2011

Nachfolger Andreas Krug kam 2011. Doch der hatte den Kult-Kiosk nach nicht einmal einem Jahr wieder  geschlossen. »Das rentiert sich einfach nicht«, gestand Krug damals. Die Konkurrenz der nahegelegenen Supermärkte sei zu groß. »Von diesem Kiosk kann man einfach nicht leben«, sagte er und ging. Das sah der Albaner »Ansif« anders, als er vor sieben Jahren den Kiosk-Laden übernahm. »Zwar öffnete er nach Lust und Laune, aber er war ein richtig netter Kerl«, berichtet Peter Fortenbacher. Vor zwei Monaten habe er ihm mitgeteilt, dass er keine Lust mehr habe. »Seitdem hat er sich hier nicht mehr blicken lassen.« Hinter der Hütte liegt noch sein Müll: alte Stühle, zerfetzte Sofas, Sperrholz. »Das muss ich jetzt selber entsorgen, eine Müllkippe bestellen und dann weg damit. Außerdem schuldet er mir noch zwei Monatsmieten«, ärgert sich Peter Fortenbacher, der sich seit 15 Jahren auch als Jugendtrainer beim FC Gütersloh engagiert. »Ich habe sogar eine Trainerlizenz. Das macht mir Spaß.« Der Kult-Kiosk sei für ihn Geschichte.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6821517?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Polizei: Kaum mehr Hoffnung für vermisste 26-Jährige
Der Schluchtensteig: Hier war die Bad Lippspringerin wandern. Foto: Schluchtensteig Schwarzwald
Nachrichten-Ticker