Gütersloh: Elfjähriger besiegt den Blutkrebs – mit Video
Leon lebt

Gütersloh (WB). Auf der Zauberschule Hogwarts gibt es einen Krankenflügel, aber keine Onkologie. Seine Leukämie hat der Harry-Potter-Fan Leon Somiy (11) darum in Bethel und der Uni-Klinik Münster bekämpft.

Donnerstag, 01.08.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 11:00 Uhr
Mit zehn Jahren ist der kleine Leon Somiy aus Gütersloh an Leukämie erkrankt. Nach einer Knochenmark-Transplantation hat er den Blutkrebs besiegt. Nach den Sommerferien wird er aufs Städtische Gymnasium wechseln. Foto: Carsten Borgmeier

Es ist es jetzt gut ein Jahr her, dass Mutter Sara Somiy mit dem kleinen Leon von Arzt zu Arzt lief, weil der Junge an einem Ausschlag litt. Nesselsucht, Allergie, Sonnenunverträglichkeit lauteten die Diagnosen. »Keine Sorge, das verschwindet auch wieder«, hieß es. Doch weder Kinder-, noch Haus-, noch Hautarzt untersuchten das Blutbild. Nach einer weiteren, schlimmen Nacht fuhr Sara mit ihrem Sohn in die Kinderklinik Bethel.

Dort stellten die Ärzte eine 102.000 hohe Leukozyten-Konzentration in Leons Blut fest. Normal wären 9000 gewesen. Leukämie. Sara Somiy: »72 Stunden schwebte Leon in akuter Lebensgefahr.« Mit einer Chemo-Therapie senkten sie den Wert auf 50.000. »Im Knochenmark befanden sich noch infizierte Zellen. Wir brauchten eine Transplantation« Das war im Juli 2018, einem heißen Sommer.

Ein Sommer der Wunder

Es war auch ein Sommer der Wunder. Magische Dinge wie im Harry-Potter-Roman, passierten plötzlich mitten in Gütersloh:

• Zur Typisierungsaktion kommen 1712 Menschen in den Saal der syrisch-orthodoxen Sankt-Maria-Gemeinde. Außer ihr Blut spenden sie der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) 11.000 Euro. Drei dieser Teilnehmer sind seitdem gebeten worden, ihr Knochenmark zu spenden, um einem anderen, an Leukämie erkrankten Menschen in der Welt zu helfen.

• Eine Schülerin des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums (ESG) liest vom Wunsch Leons, einmal im Leben den spanischen Weltfußballer Lionel Messi zu treffen. Sie hat Kontakte in Spanien und informiert den FC Barcelona. Wenig später trifft ein Paket bei Familie Somiy ein, adressiert an Leon. Lionel Messi schickt ihm ein signiertes Trikot, eine Autogrammkarte und beste Genesungswünsche. Nur mit einem Treffen sei es schwierig. Das bekommt Leon statt dessen vom Münsteraner Verein »Wünsch Dir was« spendiert: Der Besuch eines Fußballspiels in Barcelona.

• Ein Rentnerpaar lässt Familie Somiy über die DKMS einen Umschlag überreichen. Ihr Enkel habe auch Leukämie gehabt und sei wieder gesund geworden. Sie dürften nicht resignieren. Sara Somiy: »Dieser Brief hat mir ungeheuer geholfen.« Von den beiliegenden 50 Euro durfte sich Leon was Schönes kaufen.

• In Polen wird ein Knochenmarkspender (35) für Leon gefunden. Ärzte setzen das mit einem »Sechser im Lotto« gleich.

Der Tag Null

Der 21. November 2018 ist Tag Null in Leons Leben. Der Tag der Transplantation . An diesem Tag sind alle bisher in Leons Blut vorhandenen weißen Blutkörperchen vernichtet. Das gespendete Knochenmark beginnt, neue Blutkörperchen zu bilden. Weil sein Immunsystem damit ausgeschaltet ist, wird Leon 43 Tage lang in einem rundum desinfizierten Zimmer isoliert. Nur seine Mutter ist bei ihm. In den Harry-Potter-Romanen wäre das die Stelle auf dem Bahnsteig im Raum zwischen Leben und Tod.

Über einen Broviac-Katheter, ein dünner, kleinlumiger und flexibler Katheter aus Silikon, werden Leon 20 verschiedene Medikamente pro Tag zugeführt. Zytostatika gegen möglicherweise doch noch vorhandene Krebszellen. Antimetika gegen aufkeimende Übelkeit. Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen und gegen die sich langsam auflösenden Schleimhäute in Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen, Darm. Präventive Medikamente gegen alle möglichen bakteriellen oder durch Viren ausgelöste Infektionen. 120 Tage am Stück muss sich Leon übergeben, an 43 Tagen ist er nur über einen Zugang zu ernähren.

Leon heißt Löwe

Wie hat Leon diese schlimme Zeit durchgestanden? »Positiv denken«, sagt er, »beten. Und niemals aufgeben.« Wie ernst es um ihn stand, könnte »Trudi« berichten, die kleine Stoffpuppe, die ihn in all’ den Wochen begleitet. Sie stammt von Müttern, deren Kinder es nicht geschafft haben. Sein Vater Fadi und seine Schwester Iljana (8) sehen ihn lächelnd an: »Leon heißt Löwe. Ein kleiner Kämpfer.«

Wenn Sara Somiy den Brecheimer beiseite nimmt, setzt sich Leon an seine Hausaufgaben. Deutsch, Mathe, Englisch. Nach den Sommerferien wird er in die fünfte Klasse des Städtischen Gymnasiums wechseln. Sara Somiy möchte unendlich vielen Menschen danken. Den Ärzten. Den Pflegern. Den Lehrern. Der Familie. Nachbarn. Arbeitskollegen. Der Gemeinde. Dem SCE Gütersloh, Leons Fußballverein.

Der größte Zauber aber, die Magie, die Harry Potter das Leben rettet, ist die Liebe seiner Mutter.

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