Angebot für Demenzkranke im Klinikum wird zwei Jahre alt – schon 2600 Gäste betreut
Dieses Café öffnet nach der Kaffeezeit

Gütersloh (WB). Wenn die Sonne langsam untergeht und der Abend anbricht, werden Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, besonders unruhig und ängstlich. Um die dann benötigte Betreuung gewährleisten zu können und Schlafstörungen der Patienten in der Nacht abzumildern, gibt es im Klinikum das Nachtcafé.

Donnerstag, 01.08.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 11:50 Uhr

Es ist im Juli 2017 mit Unterstützung der Bürgerstiftung Gütersloh und der Erich und Katharina Zinkann-Stiftung initiiert worden.

2600 Gäste in zwei Jahren

Hier werden stationäre Patienten mit der Nebendiagnose Demenz oder einem Delir in den Abendstunden professionell betreut. Mehr als 2600 Gäste profitierten seit zwei Jahren vom Angebot. »Bei einer Demenzerkrankung kann nicht nur die räumliche Orientierung verloren gehen, sondern auch das Zeitgefühl«, erklärt Katja Plock, die das Nachtcafé im Klinikum Gütersloh leitet.

Zeitgefühl geht verloren

Einige Betroffene könnten Tag und Nacht nicht mehr richtig voneinander unterscheiden, »sodass sie tagsüber immer wieder einschlafen, nachts jedoch keine Ruhe finden«. »Für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz ist dies besonders im Krankenhaus schwierig, da ihnen hier die vertraute Umgebung und bekannte Menschen fehlen. Das verstärkt Angst und Sorgen der Betroffenen und kann sogar dazu führen, dass die Patienten im Zimmer oder auf den Fluren umherirren, den Schlaf anderer Patienten stören und vielleicht sogar stürzen«, sagt Katja Plock.

Täglich geöffnet

Um den Tag-Nacht-Rhythmus wieder zu stabilisieren und die Patienten in den Abendstunden zu betreuen, können die Betroffenen im Klinikum das Nachtcafé besuchen. Zwischen 18 und 22.30 Uhr kümmert sich dort jeden Tag eine geschulte Betreuungskraft um die Patienten. Das Repertoire der Angebote ist groß: »Es werden Spiele gespielt, Geschichten erzählt oder vorgelesen, Lieder gesungen und natürlich auch Getränke gereicht«, sagt Katja Plock. Um die Besucher am Ende auf die Nacht vorzubereiten, kommen auch Handmassagen mit Ölen zum Einsatz.

Erfüllte Tage, ruhige Nächste

Das Café bringe Vorteile auf mehreren Ebenen, so die stellvertretende Pflegedirektorin Sarah Mund: »Erfüllte Tage führen zu ruhigeren Nächten: Durch die Betreuung und Aktivierung schlafen die Patienten nicht zu früh ein und sind anschließend so müde, dass sie nachts besser zur Ruhe kommen. Dies und auch die Zeit, die die Patienten im Nachtcafé verbringen, entlastet zudem das Pflegepersonal auf den Stationen.«

Stiftungen helfen finanziell

Die Bürgerstiftung und die Erich und Katharina Zinkann-Stiftung fördern die Personalkosten und die Ausstattung des Nachtcafés mit 126.500 Euro über insgesamt drei Jahre. Das Projekt wird während der Laufzeit wissenschaftlich begleitet.

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