Anklage: 21-jähriger Gütersloher verlangt Sex gegen intime Bilder Chatter erpresst junge Frauen

Gütersloh (WB). Er nennt sich »Justin«, »Jan«, »Max Rocker« oder auch »Hunter«. Unter diesen Pseudonymen sucht er Kontakt zu jungen Frauen, um sie zu erpressen. Er will Sex und droht, intime Bilder von ihnen im Internet zu verbreiten. Seit Dienstag steht der 21-jährige Mann aus Gütersloh wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung vor dem Landgericht Bielefeld.

Von Wolfgang Wotke
In Handschellen führen Justizvollzugsbeamte der Angeklagten aus Gütersloh in den Gerichtssaal des Landgerichtes Bielefeld. Er soll über Messengerdienste und Internetplattformen junge Frauen aus dem ostwestfälischen Raum erpresst haben.
In Handschellen führen Justizvollzugsbeamte der Angeklagten aus Gütersloh in den Gerichtssaal des Landgerichtes Bielefeld. Er soll über Messengerdienste und Internetplattformen junge Frauen aus dem ostwestfälischen Raum erpresst haben. Foto: Wolfgang Wotke

Insgesamt 62 Fälle wirft ihm die Staatsanwaltschaft im Zeitraum von September 2016 bis Oktober 2018 vor. Gleich am ersten Verhandlungstag teilt Verteidiger Mirko Roßkamp aus Steinhagen dem Gericht mit, dass sein Mandant die Taten zugebe und zu einer umfangreichen Aussage bereit sei. Gleichzeitig beantragt er während der Vernehmung des Beschuldigten die Öffentlichkeit auszuschließen. »Es sind sehr persönliche, private Dinge zu erörtern mit allen Höhen und Tiefen seiner Lebensgeschichte, auch die einiger Zeuginnen.« Die III. Strafkammer unter Vorsitz des Richters Carsten Nabel hat dem Antrag zugestimmt.

In Handschellen wird der 21-Jährige, der in der Justizvollzugsanstalt Herford in Untersuchungshaft sitzt, in den Gerichtssaal geführt. Mit gesenktem Kopf lauscht er der fast 45-minütigen Anklageverlesung. Staatsanwältin Julia Schikowski zählt alle 62 Taten auf. Fast immer handelt der arbeitslose Mann nach der gleichen Masche. Über Facebook, Instagram oder dem Internetportal »Lovoo«, einer Community zum Chatten und Kennenlernen, schreibt er aus dem ostwestfälischen Raum zahlreiche Frauen an und behauptet, angeblich Nacktbilder oder kompromittierende Chats von ihnen zu besitzen, die er der Öffentlichkeit zugänglich machen wolle, falls diese seine Forderungen und Wünsche nicht erfüllten.

Zwei Jahre lang kommt er damit durch

Mal will er Sex von ihnen, mal will er, dass seine Opfer ihm weitere, intime Fotos und Videos zusenden. Von einigen seiner Kontakte erwartet er Videos aus der Badewanne. Für sexuelle Handlungen mit ihm bietet er Geld (von 300 bis 100.000 Euro), das natürlich nie gezahlt worden ist. Manchmal fordert er auch mehrere Tausend Euro ein. In einigen Fällen manipuliert er sogar Fotos, um diese als Druckmittel zu verwenden. Er gibt sich auch als Modelagent aus und verspricht Fotomodel-Karrieren.

Einige dieser angeschriebenen Frauen haben Angst und nehmen seine Drohungen ernst. Sie senden ihm ganz private Bilder, andere schöpfen Verdacht und lehnen jegliche Kommunikation mit dem »Erpresser« ab. In zwei Fällen, so die Anklage, soll es jedoch unter Drohungen zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Die meisten jungen Frauen vertrauen sich ihren Eltern an, gehen zur Polizei und erstatten Anzeigen.

Nachdenklich stimmt dabei die Tatsache, dass der Beschuldigte fast zwei Jahre lang seine Erpressungen in dieser Form durchziehen konnte, obwohl es schon etliche Strafanzeigen gegeben hatte. Erst Ende des Jahres 2018 ist er verhaftet worden. Der Prozess wird am Freitag, 18. Juli, fortgesetzt. Dann folgen noch 19 Verhandlungstage.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6784285?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F