Internationale Platzbesetzung: In Isselhorst geht’s schon hoch her
Kunst von der Wäscheleine

Gütersloh-Isselhorst (WB). Annegret Müller ist nach ihrem Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft eher zufällig vorbeigekommen. Die Isselhorsterin wundert sich zunächst über die wie an einer Wäscheleine aufgehängten Stoffteile. »Was flattern hier für Bänder?«, rätselt die auf dem Kirchplatz stehende 69-Jährige.

Freitag, 05.07.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 15:46 Uhr
Gruppenfoto vor der »Wäscheleine«: Gastgeberin Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke (links) mit den Künstlern Oguz Koc (von links), Steven Furse, Jess Gill, Canay Kifci und Andrzej Duda. Sie gestalten derzeit auf dem Kirchplatz in Isselhorst ihre Werke. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, präsentieren sich die Gäste aus vier verschiedenen Nationen auf dem Theodor-Heuss-Platz. Foto: Uwe Caspar

Die Tücher sind Material-Bestandteil der ungewöhnlichen Arbeit von Steven Furse. Der Engländer und fünf weitere internationale Künstler sind auf Einladung von Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke ins Lutterdorf gekommen. Seit Anfang der Woche gestalten sie direkt vor dem Atelier ihrer Gastgeberin und unter den Augen neugieriger Besucher ihre unterschiedlichen Werke. In der kommenden Woche präsentieren sie sich mit ihren dann fertiggestellten Objekten auf dem Theodor-Heuss-Platz in Gütersloh.

Kunstmaler Steven Furse zieht die Damen an

Mit den bunten Tüchern, die an der »Wäscheleine« klammern, hat Steven Furse etwas Besonderes vor: Damit drapiert er mittels Aufkleben seine Bilder, auf denen die Umrisse einer Frau zu erkennen sind – der Kunstmaler zieht sozusagen die Damen an. Außerdem bietet der Designer aus Worthing (bei Bristol) Blusen an. Alles Unikate, die gar nicht so teuer sind. »Ich will meine Kunst durch Mode zeigen«, erklärt der Brite.

Die ebenfalls aus England stammende Jess Gill kann ihre monströse Stahlskulptur nicht auf dem Kirchplatz präsentieren – die Lotusblüte wird gerade in der Halle des Unternehmens Amtenbrink zusammengeschweißt und soll sich erst auf dem Theodor-Heuss-Platz mit einem technischen Trick voll entfalten. »Öffentliches Schweißen auf unserem Kirchplatz wäre zu gefährlich gewesen, da hätte ich Ärger bekommen können«, erläutert Nirgül Kantar. Sie zeigt Verständnis für die kurzfristige Absage der dänischen Künstlerin Hanne Nordentoff – ihre Mutter ist kürzlich gestorben.

Erstmals dabei: Canay Kifci (52) und Oguz Koc (55)

Erstmals dabei bei der »Internationalen Platzbesetzung« (1. bis 14. Juli): Das türkische Duo Canay Kifci (52) und Oguz Koc (55), das sich auf Textilkunst spezialisiert hat. Die in Ankara lebenden Künstler formen aus Wolle farbige Motive, benötigen für ihr Filzwerk nur Kernseife und heißes Wasser. Auch Taschen und Hüte aus Filzwolle stellen Kifci und Koc her.

Das Kunstevent begleitet auch ein Lokalmatador: Der gebürtige Pole Andrzej Duda, seit 19 Jahren ein Isselhorster, bearbeitet auf dem Kirchplatz mit Hammer und Meißel eine Holzstatue. Das Gesicht der Eule zeichnet sich schon ab. Stolz ist der 53-Jährige vor allem auf seine riesige Affenskulptur. Zu Dudas Bedauern aber nur schwer verkäuflich: »Auch Zoos, die ich angeschrieben habe, zeigen leider kein Interesse.«

Ohne städtische Unterstützung hätte ich das alles kaum geschafft.

Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke

Derweil freut sich seine Nachbarin Nirgül (49), auf Richard Holmes. Der Graffiti-Großmeister wird Ende der Woche erwartet. Er soll die Rückwand einer Sporthalle in ein kleines Kunstwerk verwandeln. Im 3D-Format. Nirgül Kantars Dank gilt auch dem Fachbereich Kultur: »Ohne städtische Unterstützung hätte ich das alles kaum geschafft.« Ein Lob heimst die Gastgeberin ihrerseits ein. Annegret Müller: »Nirgül hat immer tolle Ideen. Klasse, was sie wieder auf die Beine gestellt hat!«

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