Wohnbebauung: Auf Grundeigentümer soll Druck ausgeübt werden
Stadt Gütersloh zieht die Zügel an

Gütersloh (WB). Um der Misere auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen, wird die Stadt die Zügel anziehen. Bei der Ausweisung neuen Baulands wird sie in zwei Jahren die Möglichkeit haben, bis zu 100 Prozent der Flächen anzukaufen und zu beplanen. Dieser Neuausrichtung der Wohn- und Baulandpolitik hat der Planungsausschuss einstimmig zugestimmt.

Mittwoch, 03.07.2019, 08:12 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 08:20 Uhr
Am Pavenstädter Weg wird gebaut. Dennoch fehlen laut Stadtverwaltung bis 2030 etwa 6000 Wohnungen in Gütersloh. Foto: Carsten Borgmeier

Es kneift an allen Ecken und Enden. Wie berichtet, werden der Stadt Gütersloh bis 2030 etwa 6000 Wohnungen fehlen. Vor allem bezahlbare Geschosswohnungen gibt es viel zu wenige. Dem stehen 160 Hektar (224 Fußballfelder) gegenüber, die bereits heute bebaut werden könnten. Das Problem: »Oft bauen die Eigentümer nicht, weil sie auf weitere Wertsteigerungen hoffen oder weil sie Angst vor Veränderung haben«, sagt Stadtbaurätin Nina Herrling.

Hier soll das neue Konzept greifen. Bei neu ausgewiesenen Gebieten konnte die Stadt bislang auf 50 Prozent der Fläche zugreifen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die andere Hälfte konnte frei veräußert und beplant werden, wodurch die Eigentümer höhere Erlöse erzielen konnten. Diese Möglichkeit haben sie jetzt nur noch bis 2021 bzw. sie können bis dahin mit der Stadt einen Zeitpunkt vereinbaren, bis wann die Fläche bebaut wird.

»Bis 2021 wollen wir verbindliche Regelungen haben«

»Erste Nachfragen von interessierten Grundeigentümern gab es bereits«, sagte Herrling im Ausschuss. Haben die Grundeigentümer kein Interesse an einer Bebauung, kann die Stadt das Baurecht zurücknehmen. Herrling: »Bis 2021 wollen wir verbindliche Regelungen haben.«

Die Schließung von Baulücken, die Aufstockung von Gebäuden und die Entwicklung von innerstädtischen Brachflächen sind weitere Möglichkeiten, mit denen der Wohnungsnotstand in Gütersloh gelindert werden soll. Auf der Prioritätenliste ganz oben steht laut Stadtbaurätin der Geschosswohnungsbau.

»Wohnraum ist zu teuer, und das sorgt für sozialen Sprengstoff. Hier hilft dieses Papier gewaltig«, meinte CDU-Ratsherr Detlef Kahmen zu der Vorlage. Bei der Entwicklung neuer Flächen sprach sich sein SPD-Kollege Dr. Thomas Krümpelmann dafür aus, auch die Nachbarn mit einzubeziehen: »Nicht dass eine Situation entsteht wie an der Siedlungsstraße.«

Grüne hoffen auf sinkende Preise

Ebenso würde er gerne drei Pilotprojekte verwirklicht sehen, in denen die Stadt bis 2021 Baulandflächen zu 100 Prozent entwickelt. »An der Fritz-Blank-Straße haben wir das vor vielen Jahren mal gemacht. Jetzt sollte die Stadt erneut zeigen, dass sie es auch kann«, so Krümpelmann.

Ischo Can (CDU) legte Wert auf die Feststellung, dass niemand enteignet werden solle. Es sei gut, dass eine zweijährige Übergangsregelung verankert werde. »Wichtig ist, dieses Signal nach außen zu tragen«, sagte Can. Maik Steiner (Bündnis 90/Die Grünen) verbindet eine weitere Hoffnung mit der Neuausrichtung der Wohn- und Baulandpolitik: »Sie bietet die Möglichkeit, die Grundstückspreise in der Stadt Gütersloh abzudämpfen.«

 

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