Der Unternehmerverband im Kreis Gütersloh wird 100 Jahre alt
Die Gewerkschaft der Chefs

Gütersloh (WB). Straßenkämpfe, Arbeiter- und Soldatenräte prägen das Bild der Novemberrevolution von 1919. Die Reaktion der Unternehmer auf drohende Gewalt und Enteignung in jenen Tagen geht in den Rückblicken meist unter.

Montag, 01.07.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 08:20 Uhr
Dr. Ernst Wolf (links) und Dr. Markus Miele repräsentieren 100 Jahre nach der Gründung des ersten Arbeitgeberverbandes im Raum Gütersloh-Wiedenbrück das Gesicht der heimischen Wirtschaft. Ihre Nachnamen tauchen schon in den Gründerjahren auf.

Es ist das Ende des Ersten Weltkrieges. In den vier Kriegsjahren hatten die 272 Betriebe im damaligen Kreis Wiedenbrück unter Personal- und Rohstoffknappheit gelitten, unter Notverordnungen und mit dem Krieg begründete tiefe staatliche Eingriffe in ihre Unternehmen. Einige Konzerne aber hatten auch unverschämt gut am Krieg verdient; sie rückten nach der Niederlage ins Visier der erstarkenden Gewerkschaften.

Im November 1918 vereinbarten der Industrielle Hugo Stinnes und Gewerkschaftsführer Carl Legien, dass Arbeitsbedingungen und Löhne in Deutschland künftig von den Tarifparteien ausgehandelt werden. Die Geburtsstunde der Tarifautonomie ist auch der Startschuss für den organisatorischen Zusammenschluss der Arbeitgeber im Raum Gütersloh-Wiedenbrück.

Gründung 1919 im Hotel Barkey

Offiziell wird der Arbeitgeberverband für den Kreis Wiedenbrück am 12. Juli 1919 im Gütersloher Hotel Barkey gegründet. Er geht aus einem Treffen von 45 Unternehmern im November 1918 in diesem Hotel hervor, darunter der spätere Vorsitzende Carl Stahl, sowie Wilhelm Abel, August Barkey, Wilhelm Fissenewert, Werner Güth, Heinrich Husemann, Wilhelm Kriele und Carl Miele. Viele dieser Familiennamen sind noch heute im Mitgliederverzeichnis des seit der Kommunalreform von 1973 genannten Unternehmerverbandes für den Kreis Gütersloh. Er zählt heute 230 meist industriell tätige Mitgliedunternehmen, in denen 60.000 Menschen beschäftigt sind. Dr. Markus Miele führt den Verband seit 2008, Dr. Ernst Wolf ist seit 2018 der Vorsitzende des rechtlich eigenständigen Verbandes für die Metall- und Elektroindustrie für den Kreis Gütersloh.

Es war das erste Mal, dass nicht mehr nur einzelne Firmen-Patriarchen angesprochen werden mussten, wenn sich etwas an den Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und -löhnen in den Unternehmen verändern sollte. Seit 1919 vereinbart ein Verband solche Reformen mit den Gewerkschaften verbindlich für seine Mitgliedsunternehmen. Das erste große Thema gleich nach dem Krieg war die Einführung des Acht-Stunden-Tages – als Teil einer Sechs-Tage-Woche.

Die Verhandlungen darüber überließen die Vorsitzenden (Carl Stahl, Eduard Wolf, Kurt Christian Zinkann, Rudolf Miele, Fritz Köhne, Dr. Markus Miele) ihren fest angestellten Geschäftsführern (Carl Scheve, Dr. Walter Hiersemann, Gerhard Böcker, Dr. Helmut Klatt, Burkhard Marcinkowski) und ihren Teams.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6736279?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Stornierte Klassenfahrten: NRW zahlt mehr als 25 Millionen
Symbolbild. Foto: Tom Mihalek/dpa
Nachrichten-Ticker