Verlerin stirbt 2011 an Krebs – neue Details zu den Vorwürfen gegen Gütersloher Ärzte »Sie hätte noch eine Chance gehabt«

Gütersloh/Verl (WB/hf). Haben Ärzte den Krebs zu spät erkannt? Mit 40 Jahren ist eine Verlerin 2011 an den Folgen eines Gebärmutterhalskrebs gestorben. Gynäkologe und Krankenhäuser standen deshalb am Dienstag vor einer Woche vor Gericht. Nun äußert sich der Anwalt der Verstorbenen und des ehemaligen Lebensgefährten mit neuen Details zu dem Fall.

Gütersloher Ärzte sollen den Krebs einer Verlerin zu spät erkannt haben.
Gütersloher Ärzte sollen den Krebs einer Verlerin zu spät erkannt haben. Foto: dpa

Als der Kölner Anwalt Dr. Boris Rembert Meinecke das erste Mal Post bekam, da lebte die Verlerin noch. Es war im Mai 2009. Zu der Zeit wusste sie schon, wie es schlimm es um sie stand. »Es war eine einzige Qual, ihr Gesundheitszustand wurde immer schlechter«, sagt Meinecke.

Teil des Magens musste entfernt werden

Zuletzt ist ihr ein Teil vom Magen entfernt worden, und sie hat einen künstlichen Darmausgang bekommen. »Immer an ihrer Seite war ihr Lebensgefährte«, sagt Meinecke. In seinen Akten liegen Bilder der beiden. »Sie war sein ein und alles, und er hat sich rührend um sie gekümmert und hat sie bis zum Tod gepflegt«, sagt Meinecke.

Beide gingen zusammen zu den Ärzten. Dort sei die Frau laufend gewesen. Nachdem sie Blutungen außerhalb der Regelblutungen hatte, ging sie 2007 zu ihrem Gynäkologen nach Gütersloh. Er habe ihr erklärt, dass solche Blutungen schon mal vorkommen könnten, beispielsweise durch beruflichen Stress, sagt Meinecke.

Anschließend stellte sie sich im August im Klinikum Gütersloh vor, ein weiterer Besuch folgte im November. Das Urteil der Ärzte dort: »Alles okay«, sagt Meinecke. Sie hätten eine Blutungsgerinnungskrankheit vermutet. Doch das war es nicht. Jeden Monat besuchte sie fortan ihren Gynäkologen. Auch das Klinikum Lippstadt erkannte im März 2008 nicht, warum es der Frau so schlecht geht.

Gericht erarbeitet Vergleichsvorschlag

Erst einen Monat später kam die Diagnose. Das Universitätsklinikum Düsseldorf stellte bei der Verlerin Gebärmutterhalskrebs fest und entfernte ihre Gebärmutter. Zu spät, finden Meinecke und ihr ehemaliger Lebensgefährte. »Hätten die Ärzte den Krebs schon früher entdeckt, hätte sie noch eine Chance gehabt«, sagt Meinecke. Laut ihm haben die Ärzte fahrlässig gehandelt. Ein außergerichtlicher Gutachter kam laut Meinecke zu der Erkenntnis: Klare Behandlungsfehler. Das Landgericht Bielefeld beauftragte einen medizinischen Gutachter mit der Bewertung des Falls. »Er hat das Urteil unseres Gutachters vollumfänglich bestätigt, das erlebe ich nicht oft«, sagt Meinecke. Deshalb ist sich der Anwalt sicher: »Wir werden den Prozess gewinnen.«

Das Gericht arbeitet derzeit an einem Vergleichsvorschlag. Im Namen seiner verstorbenen Freundin fordert der Mann vom Gynäkologen und dem Gütersloher Klinikum 100.000 Euro Schmerzensgeld plus 160.000 Euro für seinen materiellen Schaden wie die Pflegekosten. Ein zweiter Kläger ist die Krankenkasse der Frau. Sie fordert ebenfalls 100.000 Euro vom Gynäkologen und den Kliniken. Denn die Behandlungskosten seien höher gewesen als wenn der Krebs früher entdeckt worden wäre.

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