Punkband »Feine Sahne Fischfilet« gibt Gas, wird aber auch politisch
Warum Parolen nicht reichen

Gütersloh (WB). Schweiß, Alkohol und eine begeisterte Menschenmasse: Trotz des eher seltsam anmutenden Namens hat Deutschlands im Moment wohl bekannteste Punkband »Feine Sahne Fischfilet« am Donnerstagabend ohne Mühe 600 Zuschauer zu ihrem Konzert im Saal der Weberei anziehen können. Die Begeisterung war groß.

Freitag, 07.06.2019, 16:36 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 16:38 Uhr
Deutschlands bekannteste Punkband »Feine Sahne Fischfilet« bringt 600 Zuhörer in der Weberei in Wallung. Neben der Musik geht es aber auch um politische Themen. Foto: Wolfgang Hein

Nach einem Rekord von nur 20 Sekunden waren im Vorfeld die online angebotenen Karten nach Angaben des Veranstalters Cable Street Beat ausverkauft, die Restkarten, die es in einem Gütersloher Geschäft gab, wenig später ebenfalls. Die häufig wegen ihrer politisch klar linken Ausrichtung in der Diskussion stehende Band – zuletzt wegen des »Wir sind mehr«-Konzertes in Chemnitz im Brennpunkt der Öffentlichkeit – hat auch in Gütersloh ein weiteres Mal durch ihre Texte deutlich gemacht, dass sie zu ihrer Meinung steht und sich nicht von Kritik oder der Beobachtung durch den Verfassungsschutz einschüchtern lassen will.

Pogo, Crowdsurfing und Bierduschen selbstverständlich inklusive

Schön laut sowie mit viel hör-, seh-, und spürbarer Leidenschaft schaffte es die Gruppe mit Pauken und wortwörtlichen Trompeten söpielend, die mehr als gut gefüllte Weberei in Bewegung und Euphorie  zu versetzen – Pogo, Crowdsurfing und Bierduschen selbstverständlich inklusive. Mit einer für all den Trubel beeindruckenden Textsicherheit konnte das Publikum zudem so gut wie alle Songs mitsingen. Besonders bei den Hits der Band,  wie dem trotzigen »Wut«, kannte die Menge kein Halten mehr.

Doch dass es der sechsköpfigen Band, bestehend aus Olaf Ney (Schlagzeug), Christoph Seil (Gitarre und Gesang), Kai Irrgang (Bass), Jan »Monchi« Gorkow (Gesang), sowie Jacobus North und Max Bobzin (Trompeten) um mehr als nur die Dezibel-Zahl und einen vergnüglichen, rentablen Abend ging, bewies sie mit ihren hörenswerten Ansagen.

Schweißbedeckte, aber zufriedene Gesichter

Themen wie Seenotrettung auf dem Mittelmeer und Homophobie fanden ihren Platz, genauso wie die Verurteilung des bloßen Grölens irgendwelcher Sprüche. »Parolen zu schreien ist zwar schön, aber es reicht nicht aus, um wirklich etwas zu verändern«, so Sänger »Monchi«. Die Sprechchöre, die nach dem eigentlichen Ende des Konzertes nach Zugaben verlangten, stießen aber auf offene Ohren, und so verließen die Besucher nach einer Verlängerung mit zumeist schweißbedeckten, aber zufriedenen Gesichtern die Weberei.

So schön, aber auch kräfteraubend das Konzert für die Musiker gewesen sein muss, viel Zeit zum Ausruhen blieb der Band aber nicht, denn im Anschluss ging es für sie direkt weiter. Ziel waren gleich zwei der größten deutschen Festivals: »Rock am Ring« und »Rock im Park«. Erfolg und Schlaf lassen sich eben nicht immer vereinbaren.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6673367?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Großfamilie behindert Rettungskräfte
Aus Sorge vor Tumulten am Städtischen Krankenhaus zeigte die Polizei am Freitag Präsenz. Dort wurde der 70-Jährige am Donnerstag eingeliefert, wo er am Freitag auch verstarb. Angehörige hatten zuvor schon den Rettungseinsatz behindert. Foto: Bernhard Pierel
Nachrichten-Ticker