Horror-Kettenbrief geht an Grundschulen um und sorgt für Aufregung
Momo bedroht Kinder

Gütersloh (WB). Sie sieht wirklich »krass« aus – um es mit den Worten der Kinder zu beschreiben. Momo hat lange schwarze Haare, Augen, die aus dem Kopf hervorquellen, der Mund ist ein verzerrter, schmaler Strich. Momo ist eine Gruselfigur, die per WhatsApp Gütersloher Grundschulkinder erreicht. Eltern sind besorgt, die Schulen oftmals hilflos.

Freitag, 07.06.2019, 08:00 Uhr
So gruselig sieht Momo aus. Foto: Hendrik Fahrenwald

Momo gibt es schon seit 2018. Die Figur, die plötzlich auf dem Handy eines Grundschulkindes erscheint, fordert dieses auf, gefährliche Dinge zu tun. »Hallo, ich bin Momo. Wenn du diese Nachricht nicht an zehn weitere Schüler schickst, bist du tot«, heißt es unter anderem.

Wer ist Momo?

Momo ist eine Kunstfigur. Ursprünglich stammt sie von einem Künstler aus Japan. Keisuke Aiso hat die Figur 2016 für eine Kunstgalerie in Tokyo geschaffen. Die Statue nannte er »Mother Bird«, die den Kopf und Oberkörper einer traumatisierten Frau mit Vogelbeinen darstellt. Besucher der Ausstellung tauften sie »Momo«, fotografierten sie, und so gelangten die ersten Bilder ins Netz. Der Künstler versuchte, mit dieser Figur die Geschichte einer Frau zu erzählen, die bei der Geburt ihres Kindes stirbt und als Vogelfrau wieder geboren wird, um nach ihrem Kind zu suchen.

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An einer Gütersloher Grundschule hat Momo jetzt für Aufsehen gesorgt – die Kinder wollen die Schultoilette nicht mehr besuchen, weil Momo angedroht hat, dort auf sie zu warten. In einem Elternbrief informiert die Schule nun über dieses Phänomen. Und hofft, dass Eltern ihre Erziehungsarbeit wahrnehmen und Kinder ausreichend informieren, bevor sie ein Handy nutzen.

Ranka Bijelic vom Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz der Stadt Gütersloh kennt Momo. »Diese fiktive Figur ist nicht neu. Oftmals wird von einer Momo-Challenge geredet, doch das ist Quatsch«, erklärt die Expertin.

Es sei ein Kettenbrief, der kursiert – das schon seit zwei Jahren. »Kettenbriefe sind einfach nicht kaputt zu kriegen«, weiß die 49-Jährige. Es ist ein Mechanismus, der sich auf diese Weise in Gang setzt. »Nächstes Jahr heißt der Versender der Nachrichten vielleicht Klaus oder Jacqueline – man weiß es nicht«, scherzt sie.

Doch sollte man die Probleme, die nun an einer Grundschule in Gütersloh aufgetaucht sind, ernst nehmen. »Die Jungen und Mädchen haben Angst«, berichtet sie. Allerdings sei das auch ein Ergebnis mangelnder Aufklärung, ist sie sich sicher. Seit etwa zehn Jahren besucht sie auch Grundschulen, um Dritt- und Viertklässler im Umgang mit dem Handy und dem Internet zu schulen. »Kein Kind sollte vor der digitalen Welt abgeschirmt werden. Sie müssen lernen, damit umzugehen«, rät sie Eltern, die Kinder im Blick zu haben und anzuleiten. Doch ob es wirklich Sinn macht, die Grundschulkinder schon Computerspiele wie »Fortnite« spielen zu lassen, bezweifelt die Fachfrau. »Eine Altersbeschränkung sollte man einhalten.«

Bei Momo gibt es keine Altersbeschränkung – die Figur ist einfach plötzlich da. Die Gruselfratze taucht offenbar auch in Youtube-Videos für Kinder auf – im Zeichentrickfilm Peppa Wutz wird sie kurz mal eingeblendet. »Den Kindern nun zu verbieten, Videos zu gucken, ist nicht die Lösung«, verrät die Expertin. Es sollte klare Regeln zu Hause geben, die Eltern können sich technische Hilfsmittel zunutze machen – Dinge sperren, Käufe verhindern, bestimmte Apps für die Installierung nicht frei geben.

»Kinder sind wie Bluthunde, die riechen die Lücke«, sagt Bijelic und lacht. Und sie gibt gerne Tipps, wie es gut und sicher funktionieren kann, dass sich fast keine Lücke auftut. Im Netz gibt es das »Internet ABC« und weitere Infos per Mail bei der Expertin selbst: ranka.bijelic@gt-net.de.

Kommentar von Elke Westerwalbesloh

Das Momo-Phänomen zeigt mal wieder, wie wichtig es ist, Kinder in der digitalen Welt nicht alleine zu lassen. Schon in Kitas werden digitale Spiele eingesetzt, in der Grundschule folgt das erste Handy und oftmals – zu meinem kompletten Unverständnis – die erste Runde Fortnite. Im Teenie-Alter scheint das Handy immer mehr mit den Händen der Pubertierenden zu verwachsen. Als Eltern kann man versuchen, das zu unterbinden, zu verbieten oder einfach die Augen zu verschließen und so zu tun, als gäbe es keine Gefahren. Die gibt es! Oh ja! Deshalb sollten Eltern die Kinder begleiten, das Gespräch suchen und die Grenzen zusammen mit den Kindern abstecken. Erziehungsarbeit ist Arbeit – und die erledigt man doch gerne für sein eigenes Kind.

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