Hifi-Corner schließt nach 36 Jahren
Die letzte Platte

Gütersloh (WB). Es dröhnt so laut, dass aus dem Heckfenster die Scheibe herausfällt. Manfred Heveling weiß, wie man Lautsprecher in Autos aufmotzt. Er hat es jahrzehntelang gemacht. Selbst hört der 66-Jährige allerdings nur selten Musik im Auto.

Freitag, 07.06.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 15:20 Uhr
Nur noch ein paar Tage geöffnet: Der Laden von Manfred Heveling in der Blessenstätte schließt. Foto: Hendrik Fahrenwald

Der Scheiben-Unfall ist Heveling in Erinnerung geblieben. Es war zu der Zeit, als die Anlagen einen höheren Wert als das Auto hatten. So ab 1985 ging es los. Heveling sollte eben nur mal hören, warum die vier Bässe im Opel seines Kunden so verzerrt klingen. Dann fiel die Scheibe raus.

Ideen aus Las Vegas

Damit, dass viele Leute in ihren Autos laut Musik hören wollten, hat Heveling gutes Geld verdient. Für seine Kunden hat er Boxen, Verstärker und Lautsprecher aus Amerika geholt. »Wir sind rübergeflogen und haben bei einer Messe in Las Vegas die Trends bestaunt«, sagt Heveling. Es war die Zeit, in der an einem Tag fünf Paletten mit Hifi-Geräten kamen. »Heute kommen die Pakete einzeln«, sagt Heveling.

Wenn seine Ladentür aufstand, erkannte er sogar einige Kunden an dem Klang ihrer dröhnenden Auto-Anlagen. So eine Anlage braucht Heveling nicht. Im Auto hört er auf dem Arbeitsweg von Harsewinkel nach Gütersloh nach wie vor lieber Nachrichten. Zu Hause gibt’s Musik aus den 70ern aus seinen Stereoboxen. Heveling holt die CDs von Pink Floyd, Peter Gabriel und Genesis aus dem Regal.

Tisch voller CDs

Kommen Freunde zu Besuch, liegt am anderen Morgen der Tisch voller CDs. Auch den Klang einer Schallplatte liebt er. Da hatte die Musik noch einen Wert, sagt Heveling. Das habe sich durch die heutigen Streaming-Angebote geändert. Einen Bluetooth-Lautsprecher hat er nur für den Garten.

Nicht nur Hevelings Gehör, sondern auch sein Geschick ist gefragt und das ist sogar deutschlandweit bekannt. Denn der Name des gelernten Radio- und Fernsehtechnikmeister wird in Hifi-Foren im Internet weitergegeben. So kam vor sechs Wochen auch ein Mann aus der Nähe von Siegen auf die Idee, seinen Verstärker bei Heveling reparieren zu lassen. Früher hat er etliche Selbstbau-Lautsprecher verkauft. Auch die Zeit ist vorbei. Einen von ihnen hat er vor einigen Tagen zurückgekauft. »So etwas bekommt man heute sonst nicht mehr«, sagt Heveling.

Leer ging der 66-Jährige bei der Suche eines Nachfolgers aus. Der letzte seiner drei Lehrlinge fand eine lukrativere Stelle. »Anfangs habe ich gedacht, er könnte den Laden vielleicht übernehmen«, sagt Heveling. Bis Mitte Juni will er noch seine Ware verkaufen. Dann geht er in den Ruhestand und auch die Zeit der Sechs-Tage-Woche ist vorbei.

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