Gütersloh: Nach sieben Jahren klingt Streit zwischen Martin Dodt und Walter Haus aus
Ruhe in der Baugrube

Gütersloh (WB). Der sieben Jahre dauernde Prozess zwischen Architekt Walter Hauer und Juwelier Martin Dodt klingt langsam aus. Die tiefsten Sorgen und schlimmsten Vorwürfe zum Neubau des Finke-Sporthauses am Kolbeplatz sind im Landgericht Bielefeld ausgeräumt worden.

Donnerstag, 06.06.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 08:30 Uhr
Heike Winter und Walter Hauer haben die Kosten einer tieferen Unterfangung des Nachbargebäudes auf die eigene Kappe genommen. Foto: Wolfgang Wotke

Der erstmals als Zeuge berufene Martin Dodt fasste seine wichtigsten Klagegründe noch einmal zusammen. Ohne ihn vorab informiert zu haben, seien unter seinem benachbarten Haus an der Ernst-Buschmann-Straße – das ist der Klinkerbau mit der Spielhalle im Erdgeschoss – plötzlich Erdanker und Stahlseile zu sehen gewesen: »Mit einem Mal steht da ein Mann in einem riesigen Loch auf meinem Grundstück und schüppt da Sand raus.« Erst auf wiederholtem Druck hin sei eine Beweissicherung an seinem Gebäude vorgenommen worden. Wie tief das Fundament des Finke-Sporthauses tatsächlich liege und ob es nicht weiter eine statische Gefahr für seine Immobile darstelle, sei ihm erst 2015 in Form eines Planes mitgeteilt worden, aus dem aber auch nicht hervorgehe, ob die beiden Gebäude tatsächlich gleich tief im Boden liegen würden.

Beide Gebäude sind gleich tief verankert

Die Sorge vor einem weiterhin möglichen Gebäudeschaden konnte Dodt von zwei weiteren Zeugen genommen werden. Sowohl der damalige Polier Thomas Bunte als auch der ausführende Architekt und Projektleiter Dirk Rasche bestätigten, dass beide Gebäude in gut 3,40 Meter Tiefe verankert worden seien – der Finke-Neubau durch das Fundament, der Klinkerbau durch die Unterfangung. Eine teure Bohrprobe wird den Streitparteien erspart bleiben. In der mutmaßlich letzten Verhandlung im September sollen gut 100 Fotos von Polier Thomas Bunte auf diesen Aspekt hin geprüft werden. Richter Phil Gabler: »Als Streitwert bleiben dann nur noch gut zehn Rückverankerungen, die entfernt werden müssten, falls das Nachbargebäude einmal abgerissen und an dieser Stelle neu gebaut werden sollte.«

Beweissicherung im Juli 2012

Architekt Rasche stellte ferner fest, dass an allen Nachbargebäuden am Kolbeplatz im Juli 2012 Beweissicherungen vorgenommen worden seien, ohne die der Neubau gar nicht genehmigt worden wäre. Eine mögliche Quelle des Streites könnten Vorarbeiten gewesen sein, mit denen die kurz zuvor eingerichtete Großbaustelle im Februar 2013 in Richtung Klinkerbau abgesichert worden war. Noch im Gerichtssaal ging der von Martin Dodt beauftragte Statiker Ulrich Jürgens davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt bereits sämtliche Unterfangungsarbeiten erledigt worden seien und zwar »ohne jede Information, ohne jede Einbindung, ohne jedes Gespräch.« Tatsächlich wurden die zwei Monate dauernden Arbeiten erst im Juni 2013 ausgeführt.

Walter Hauer und Heike Winter vom Bauträger Geno/Geins GmbH haben Rasche zufolge der tieferen Unterfangung des Nachbargebäude auf eigene Kosten zugestimmt, um damit einen möglicherweise fünf Jahre oder länger dauernden Prozess zu vermeiden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6668874?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Klinik Bethel verteidigt interne Untersuchung
Im Klinikum Bethel wurden Frauen vergewaltigt. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker