Josef Butterwegge (64) wird von falschen Polizisten angerufen und reagiert genau richtig
Rentner lässt Betrüger auflaufen

Gütersloh (WB). Da sind falsche Polizisten aber an den Richtigen geraten: Der Gütersloher Rentner Josef Butterwegge schaltet beim Anruf von Trickbetrügern blitzschnell. Während er das Spiel zunächst mitspielt, informiert er parallel die richtigen Beamten.

Donnerstag, 06.06.2019, 10:15 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 10:20 Uhr
Josef Butterwegge (rechts) hat jetzt im Beisein von Polizeidirektor Christoph Ingenohl, Sprecherin Corinna Koptik sowie den Kripo-Ermittlern Marco Hein und Michael Hermes (von links) über seinen Fall berichtet. Foto: Carsten Borgmeier

In der Kreispolizeibehörde ist der glimpflich ausgegangene Vorfall zum Anlass genommen worden, über die Ausmaße solcher Straftaten zum Nachteil meist älterer Menschen zu berichten.

Angeblicher Kripo-Mann meldete sich

So schildert Butterwegge am Mittwoch im Beisein von Kriminaloberkommissar Marco Hein (41) und Kriminalhauptkommissar Michael Hermes (51) seinen Fall, bei dem der Senior um 25.000 Euro betrogen werden sollte. Am Ende konnte zwar kein Tatverdächtiger ermittelt werden, aber das clevere Verhalten des Gütersloher Rentners wird bei der Polizei als beispielhaft gewertet.

»Es war im Mai, als gegen Mittag mein Festnetz-Telefon klingelte«, erinnert sich Butterwegge. »Es meldete sich mit leicht ausländischem Akzent ein Mann, der sich als Kripo-Ermittler Steinweg vorstellte. Er sagte, bei einer jüngst festgenommenen Einbrecherbande sei eine Liste mit Adressen Wohlhabender gefunden worden, und ich sei dort auch aufgeführt gewesen.« Butterwegge solle als Sicherheit sofort 25.000 Euro von seiner Bank abholen und einem Polizisten geben, der in Zivil zu seinem Haus komme.

Dem Rentner war schnell klar, dass er es mit Trickbetrügern zu tun haben musste. So hielt er am Festnetz-Telefon den angeblichen Kripo-Mann mit Plaudereien bei Laune, während er mit dem Handy die Gütersloher Polizei anrief. »Um den echten Beamten die Lage zu schildern, war ich nur mit dem Handy kurz in einen anderen Raum gegangen.«

Butterwegge roch den Braten sofort

Innerhalb weniger Augenblicke seien die Kriminalkommissare Hermes und Hein bei ihm in der Wohnung gewesen, doch zur Festnahme eines angekündigten Geldabholers kam es nicht. »Der Anrufer legte irgendwann einfach auf und im Display war keine Rufnummer zu sehen«, berichtet der Senior. »Es kann sein, dass der Betrüger misstrauisch wurde«, mutmaßt Marco Hein. Der Gütersloher Rentner habe sich indes vorbildlich verhalten, loben die Kommissare. Ihren Angaben nach gibt es im Kreisgebiet pro Woche mehrere Hundert Versuchstaten falscher Polizisten oder Enkeltrickbetrüger. Allein Dienstag und Mittwoch bekam die Polizei Kenntnis von 25 betrügerischen Anrufen im Kreisgebiet.

Bei den Tätern handele es sich meist um Banden, die aus Callcentern in der Türkei heraus operierten und ihre Geldeinsammler vor Ort in Deutschland hätten. In diesem Jahr sei es bereits in Gütersloh zu vier Fällen gekommen, bei denen Senioren fast 80.000 Euro an Unbekannte verloren.

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