Wende im Fall Westerwiehe: Verständigung vereinbart
Raubmordprozess: Artur T. soll bald frei kommen

Gütersloh/Rietberg (WB). »Deal oder kein Deal?« Das war am Mittwoch im Saal 4 des Landgerichtes Bielefeld im Raubmordprozess von Westerwiehe die große Frage und hat ein wenig an das gleichnamige TV-Glücksspiel erinnert. Letztendlich ist es zwischen der Schwurgerichtskammer und einem der Angeklagten, Artur T., zum Deal gekommen. Ein Paukenschlag am 43. Verhandlungstag!

Donnerstag, 09.05.2019, 08:17 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 09:24 Uhr
Heiße Diskussionen zwischen den Strafverteidigern im Raubmordprozess von Westerwiehe im Foyer des Landgerichtes Bielefeld während der Pausen (von links): Martin Rother, Timo Scharrmann, Matthias Doehring und Björn Nordmann. Foto: Wolfgang Wotke

Voraussetzung für eine Verständigung, so die Richter, sei ein glaubhaftes Geständnis von Artur T., in dem er zugibt, am Tag des Überfalls auf ein Brüderpaar, am 2. November 2015, den Audi A6 gesteuert und seine Kumpanen zum Tatort nach Rietberg-Westerwiehe und zurück gefahren zu haben, ohne den Mord an Heinrich S. (64) gebilligt zu haben. Dann sei eine Verurteilung wegen Beihilfe und ein Strafrahmen von sechs bis siebeneinhalb Jahren möglich.

Oberstaatsanwalt Udo Vennewald: »Ich werde mich dem nicht verschließen.« Weiterhin müssten sämtliche, offene Anträge seiner Verteidiger zurückgenommen werden. Im Gegenzug könne der Haftbefehl gegen Auflagen bis zum Antritt der restlichen Strafe außer Vollzug gesetzt werden.

»Er leidet unter den Haftbedingungen«

Bislang hatte Artur T., der fast dreieinhalb Jahre in Haft sitzt, stets behauptet, seinen Audi damals verliehen zu haben: »Ich bin nicht gefahren.« Seine Strafverteidiger, Matthias Doehring und Björn Nordmann aus Hannover, brauchten mehrere Anläufe und viel Überzeugungskraft, um ihrem Mandanten die neue Situation deutlich zu machen. Der Angeklagte Artur T. wirkte erneut psychisch angeschlagen. Das bestätigten auch seine Anwälte: »Ja, er leidet unter den Haftbedingungen, die sehr streng sind.«

Schließlich willigte T. der Verständigung ein. Bis zum 20. Mai, dem nächsten Verhandlungstag, wollen seine Anwälte die Einlassung schriftlich verfassen. Doehring: »Dann kommt er vorerst frei. Für uns ist das ein Durchbruch.«

Keine Verständigung mit dem zweiten Angeklagten

Einer der sechs neuen Beweisanträge der Verteidiger hat dazu geführt. Björn Nordmann beantragte, ein »Sondierungsgespräch« im ersten Prozess zwischen der Staatsanwaltschaft und seinem Mandanten zu berücksichten. Schon damals sollen ähnliche Überlegungen stattgefunden haben. Keine Frage, gestern spürte man deutlich, dass das Schwurgericht als auch die Staatsanwaltschaft dieses Verfahren endlich vom Tisch haben wollen. Ein Erfolg für die Juristen, doch auch irgendwo eine Ohrfeige für die Angehörigen des Opfers.

Eine Verständigung mit dem zweiten Angeklagten, Robert D., ziehe die Kammer zurzeit nicht in Betracht, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Marc Brüning. Dessen Anwälte, Martin Rother und Timo Scharrmann, waren von dem »Deal« sichtlich überrascht und beantragten eine dreiwöchige Unterbrechung aufgrund der »Vorkommnisse in den vergangen drei Stunden.« – Abgelehnt!

 

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